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Friedel Schmidt aus Homberg hat eine Sehbehinderung und wird mit Besuchen unterstützt

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Von: Lea Beckmann

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Gemeindepflegerin Andrea Richter (von links) und Betreuer Reinhard Weppler besuchen regelmäßig Friedel Schmidt in Homberg.
Gemeindepflegerin Andrea Richter (von links) und Betreuer Reinhard Weppler besuchen regelmäßig Friedel Schmidt in Homberg. © Lea Beckmann

Ein Rentner, der etwas gegen die Langeweile macht und ein Blinder, der nicht mehr so oft allein ist. Es ist ein Geben und Nehmen bei Reinhard Weppler (67) aus Niestetal und Friedel Schmidt (61) aus Homberg.

Homberg – Weppler hilft so nicht nur Schmidt, sondern unterstützt Gemeindepflegerin Andrea Richter in Homberg.

Der 67-Jährige war Sozialarbeiter und Altenpfleger in der Schweiz und in Österreich. „Als ich in den Ruhestand ging, habe ich gemerkt, dass ich weiterhin aktiv sein möchte – ich wollte etwas gegen die Langeweile machen“, erklärt er. Als der gebürtige Oberaulaer von Österreich wieder nach Hessen zog, schrieb er hessenweit an Gemeindepfleger, in der Hoffnung, er könnte sie irgendwie unterstützen. „Mir hat die Idee gefallen, dass man einfach bei Menschen vorbeischaut, damit diese nicht allein sind“, sagt er. Denn: Gemeindepfleger seien nicht für die körperliche Pflege der Menschen zuständig, sondern für die Seele.

„Wir hatten zuvor noch nie so eine Anfrage erhalten“, sagt Richter, die den Kontakt zu Schmidt vermittelte. Denn auch das gehört zu ihren Aufgaben: ein Netzwerk zu sein. Und nun betreut Weppler Friedel Schmidt. Seit seinem achten Lebensjahr sieht Schmidt nicht mehr gut. Und seit sechs Jahren ist er schwarzblind – er hat keinerlei optische Wahrnehmung. „Als meine Mutter vor elf Jahren verstarb und mein Vater irgendwann zu seiner neuen Freundin gezogen ist, bin ich alleine in dem Haus gewesen“, erzählt er. Damit wollte sich der 61-Jährige nicht abfinden und so vermittelte Andrea Richter den Kontakt zu Reinhard Weppler.

Fürsorge für die Seele

„Wir haben uns direkt gut verstanden“, sind sich die beiden einig. Seit knapp einem halben Jahr besucht Weppler den Homberger. „Zunächst habe ich probeweise eine Nacht bei ihm im Haus übernachtet, jetzt sind es zwei Nächte“, sagt er. Jeden Samstagnachmittag reist Weppler aus Kassel an und bleibt bis zum Montag. „Ich freue mich schon jedes Mal darauf, wenn er kommt“, sagt Schmidt. Daher sei es für ihn schwer, wenn Weppler mal keine Zeit habe. In erster Linie geht es nicht darum, Schmidt durch den Alltag zu helfen, sondern Gesellschaft zu leisten. „Natürlich ist es auch mal gut, einen sehenden Menschen an der Seite zu haben“, sagt Schmidt. Letztens musste zum Beispiel am Fernseher etwas aktualisiert werden. „Aber Friedel braucht nur Hinweise von mir, technisch weiß er alles – ich wüsste ohne seine Anweisungen gar nicht, was ich machen sollte“, sagt Weppler und lacht.

Auch Andrea Richter besucht Friedel Schmidt einmal in der Woche. „Wir gehen meistens spazieren“, sagt sie. Das sei momentan für Schmidt wegen der vielen Glasfaser-Baustellen alleine auch schwierig. Er braucht nämlich Strukturen und Ordnung – auch zuhause. „Da musste ich mich erst einmal umstellen, da ich mit Ordnung nichts anfangen kann“, sagt Weppler. Doch der 61-Jährige würde viele Dinge nicht wiederfinden, wenn sie nicht auf demselben Platz liegen.

„Sonntags und montags kocht Reinhard für uns beide immer – bislang hat mir auch alles gut geschmeckt“, sagt Schmidt. Ansonsten sind die beiden große Krimi-Fans und Spätaufsteher. „Es macht mich glücklich, dass ich jemandem etwas geben kann“, sagt Weppler. Und das ohne jegliche Bezahlung. „Wir suchen immer solche Menschen wie Reinhard“, sagt Richter, und „man sollte keine Berührungsängste und keine Vorurteile haben.“

Wer Interesse hat, als Betreuer zu arbeiten, kann sich bei Andrea Richter unter Tel. 01 76/21 82 71 51 melden. (Lea Beckmann)

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