Bäume bis zu 80 Jahre alt

Gefahr für Fußgänger: Buchen in Homberger Pfarrgarten müssen gefällt werden

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Müssen sich von der Buche am Gemeindehaus trennen: Pafferin Anke Zimmermann und Pfarrer Friedrich Heidelbach.

Sie prägen das Homberger Stadtbild wie keine anderen Bäume – jetzt müssen sie gefällt werden: Zwei der bis zu 100 Jahre alten Rotbuchen im Garten des evangelischen Pfarrhauses am Bindeweg sind von einem Pilz befallen.

Der sogenannte Riesenporling greift die Standfestigkeit der Bäume an. Die Buchen an der hoch frequentierten Straße stehen lassen? Für Pfarrer Friedrich Heidelbach unverantwortlich. Einer der Bäume musste aus Sicherheitsgründen bereits gefällt werden.

Pfarrer Heidelbach wird es schwer ums Herz, als er vor der Buche steht, die direkt neben dem Gemeindehaus in den Himmel ragt. Der Baum ist deutlich über 80 Jahre alt. Den Winter wird er aber wohl nicht mehr überleben. „Er muss gefällt werden. Es ist einfach zu gefährlich“, sagt Heidelbach. Die Entscheidung hat sich die Kirche nicht leicht gemacht.

Am Stamm der Buche ist zu sehen, wie krank der Baum ist: Die Fruchtkörper des Riesenporlings wachsen annähernd komplett um den etwa ein Meter dicken Stamm. Gleichzeitig ist das auch das Problem: Es lässt sich nur erahnen, wie geschädigt der Baum tatsächlich ist.

Wuchert und wuchert: der Riesenporling.

Der Pilz selbst sitzt an den Wurzeln der Buche. Er befällt erst tiefere Regionen und wandert dann nach oben, erklärt Diplom-Forstwirt Sebastian Möller. „Der Riesenporling verursacht eine Wurzelstockfäule.“ Er schwächt damit den Baum. „Je größer die Frucht ist, desto mehr Power hat der Pilz“, sagt Möller.

Festzustellen, wie standfest der Baum noch ist, sei deshalb nicht leicht. Laut Möller sind Zugversuche möglich. Doch die seien aufwendig und teuer – und verlängern das Leben des Baumes nur um ein paar Jahre. Gesund wird er nicht mehr.

„Der Pilz kann nicht behandelt werden“, sagt Möller. Der Kirche ist es unerklärlich, wie der Pilz die Buchen im Gemeindegarten befallen konnte. Bis vor wenigen Wochen seien die Buchen noch gesund gewesen, berichtet Heidelbach. Der Pfarrer betont, dass es der Kirche wichtig ist, dass neue Bäume im Gemeindehausgarten wachsen können. „Wir wollen für Ersatz sorgen."

Kirche will neue Bäume pflanzen

Die Kirche bedauert, die Bäume fällen zu müssen. Damit wieder neues Leben im Gemeindehausgarten wachsen kann, will die Kirche im Frühjahr neue Bäume pflanzen, sagt Pfarrer Friedrich Heidelbach. Ob dann Obstbäume im Garten stehen werden oder etwas anderes, sei noch nicht endgültig entschieden. Außerdem sucht die Kirche noch Abnehmer für das Buchenholz: Wer Bedarf hat, kann sich gegen eine Spende im Pfarramt am Bindeweg melden.

Bis der Baum zu schwach ist

Es muss früher einmal ein kleiner Park gewesen sein, das Grundstück, auf dem die Buchen am Bindeweg wachsen. Sie spendeten Schatten und waren Zeugen vieler Feste, die die evangelische Kirchengemeinde im Garten feierte. Von dem Park ist nichts mehr zu sehen. Die Buchen aber sind geblieben – bis heute. 

„Beide Bäume bei der Kirche waren gesund“, sagt Diplom-Forstwirt Sebastian Möller. Das bestätigt auch Pfarrer Friedrich Heidelbach. Die Kirche habe sich jahrzehntelang viel Mühe mit den Buchen gemacht. Dass sie nun vom Riesenporling befallen sind, hätten sie zunächst nicht bemerkt. Umso härter war es für die Kirche nun, eine Entscheidung über das weitere Vorgehen zu treffen. 

„Es ist ein Jammer“, sagt Pfarrerin Anke Zimmermann. Doch die Sicherheit der Anwohner, Gemeindemitglieder und Schüler stehe im Vordergrund. Pfarrer Friedrich Heidelbach widerspricht allen, die glauben, die Buchen würden der Kirche zu viel Arbeit machen – etwa, weil im Herbst viel Laub zusammengerecht werden muss. Schon aus schöpfungstheologischer Sicht sei es der Kirche wichtig, Leben zu erhalten. Zumal „die Bäume vor den Häusern da“ waren. Dennoch: „Wir dürfen nichts riskieren“, sagt Heidelbach. Auch Sebastian Möller äußert sein Bedauern darüber, dass eine Buche im Gemeindegarten gefällt werden muss. Eine weitere, die hinter dem Haus stand, fiel dem Riesenporling bereits zum Opfer. Auch bei ihr konnte die Standfestigkeit nicht mehr gewährleistet werden. 

„Es ist jammerschade, dass der Baum befallen ist. Wenn der Boden irgendwann zu durchweicht ist und ein Sturm kommt, wird es aber gefährlich.“ Wieso die Bäume am Bindeweg plötzlich erkrankt sind, darüber kann Möller nur spekulieren. „Es kann jeden Baum treffen.“ Ähnlich wie beim Menschen seien häufig die Bäume betroffen, deren Immunsystem bereits geschwächt ist. Die Fruchtkörper am Stamm zu entfernen, helfe der Buche nicht. Der Pilz wuchere unter der Erde einfach weiter, sagt Möller. Hinzu kommt: Die Buchen am Bindeweg wachsen inmitten eines Wohngebietes. „Es kann sein, dass sie irgendwann bei Bauarbeiten verletzt wurden“, sagt Möller. Sind die Wurzeln einmal beschädigt und angehackt worden, sei es für den Pilz ein Leichtes, den Baum anzugreifen. Dieser könne sich eventuell noch viele Jahre wehren – bis er irgendwann zu krank dafür ist.

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