Homberger Stadtteil ist für Maibaumfest bekannt

Gespräche am Gartenzaun: In Rodemann läuft alles in Eigenleistung

Bärbel Heppe und Sohn David stehen zwischen viel Grün in ihrem Garten in Rodemann.
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Fühlen sich in ihrem Garten wohl: Bärbel Heppe und Sohn David bauen viel Gemüse und Obst für die Mahlzeiten und Kuchen ihres Gartenlokals an.

Jeder Ort im Kreisteil hat etwas zu bieten. Ob Jahrhunderte alte Geschichte, lustige Anekdoten oder eindrucksvolle Bauwerke. Für unsere Gespräche am Gartenzaun waren wir in Rodemann unterwegs.

Rodemann – Eigenleistung ist das große Stichwort in Rodemann. Es fällt nicht nur einmal, nicht zweimal beim Rundgang durch den Homberger Stadtteil, sondernungezählte Male. Auf eine Eigenleistung sind alle besonders stolz: das weit über die Grenzen Hombergs bekannte Maibaumfest. 1983 wurde es zum ersten Mal gefeiert. Seither hilft Jahr für Jahr ganz Rodemann gemeinsam bei der Veranstaltung. „Alles, was wir dabei verdienen, stecken wir wieder in die Dorfgemeinschaft“, erzählt Ortsvorsteher Dirk Mentel.

Bei diesem starken Zusammenhalt im gerade 133 Seelen zählenden Ort, in dem nachts sogar das Heulen der Wölfe aus dem nahen Wildpark zu hören ist, ist es für Brigitte und Kurt Stemmler auch eine Selbstverständlichkeit, ihr altes Backhaus für die Maibaumfeste zur Verfügung zu stellen. Schließlich geht es um die Geselligkeit im Ort. Da nehme man auch in Kauf, dass der Ofen etwa zwei Stunden aufheizen muss, bis gebacken werden kann. Er stammt aus dem Jahr 1786 und befindet sich laut Brigitte Stemmler noch in Originalzustand. Als das Häuschen Anfang der 1990er-Jahre fast zusammenfiel, half eine Restauratorenklasse aus Petersberg bei Fulda beim Aufbau. „Jeden Holznagel haben sie selbst geschnitzt“, erzählt Stemmler. Ohne Thermometer, angefeuert von Holz, wird dort Brot, manchmal auch Speckkuchen direkt auf den Steinen gebacken – und anschließend in der Ortsmitte verkauft.

Schmuckstück: Das Backhaus von Brigitte und Kurt Stemmler wird jährlich zum Maibaumfest angeheizt.

Quasi in der Ortsmitte leben Bärbel Heppe und ihr Sohn David. Gemeinsam bewirtschaften sie den Zinnhof und betreiben ein Lokal in ihrem idyllischen Garten – verschmuste Kater inklusive. Seit 40 Jahren lebt Bärbel Heppe auf dem Hof in Rodemann, heute versorgt ihr Sohn 35 Schafe und acht Mutterkühe mit Nachzucht auf dem Hof. Alles wird regional vermarktet. „Es lebt sich einfach gut in Rodemann“, finden sie. David Heppe ist es ein Anliegen, den Hof zu erhalten. „Es ist toll, wenn sich Betriebe über Generationen entwickeln.“ Er schätzt die Hilfe, die man sich gegenseitig zu Teil werden lasse.

„Auf diesem Hof habe ich Schlepper fahren gelernt“, erzählt Walter Keim. Er lebt seit 62 Jahren im Ort und weiß zu jeder Ecke etwas zu erzählen. Dort pflasterten die Rodemänner ihren Gehweg selbst, da wurden die großen Bäume vor mehr als 30 Jahren gepflanzt.

Treffpunkt: Ortsvorsteher Dirk Mentel (links) und Walter Keim vor dem Vereinsheim in Rodemann.

Vom Hof der Heppes ist es auch nicht weit zum Vereinsheim – ebenfalls in Eigenleistung erbaut. 1984 war das, kurz nachdem die letzte Kneipe schließen musste. „Seitdem ist das Haus unsere Kneipe, unser DGH und unser Festsaal“, sagt Mentel. Wer von außerhalb kommt, kann dort ebenso feiern, bewirtet von den Rodemännern. Wer in welchem Monat verantwortlich ist, wird in einem Dienstplan festgehalten. „Jeder ist einmal im Jahr dran“, sagt Keim. Das funktioniere. Träger sind Schützenverein, Ortsbeirat und Feuerwehr. Diese Feuerwehr ist es auch, die immer dann angefragt wird, wenn eine Einsatzstelle ausgeleuchtet werden muss. Denn die Rodemänner besitzen seit dem Hessentag 2008 einen Lichtmast. „Und wir sind die einzigen, die in Homberg so einen haben“, sagt Mentel. (Chantal Müller)

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