Mit Carlos kommt das Glück nach Homberg

Handpuppe Kater Carlos versüßt Hermann-Schafft-Schülern Unterricht

Sozialpädagogin Bianca Rüter sitzt in einem Kreis umringt von Schülern. In der Hand hält sie die Handpuppe Kater Carlos.
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Wieder zurück in der Schule: Handpuppe Kater Carlos vorn mit seiner Chefin, Sozialpädagogin Bianca Rüter. Daneben von links Fenja, Nadine, Celin, Lehrerin Silke Lohrengel, Jaron, Finn und Leon.

Das Hallo ist groß, als Kater Carlos wieder zum Glücksunterricht in die Klasse A 2 der Hermann-Schafft-Schule kommt. Während des Lockdown hatte Sozialpädagogin Bianca Rüter, die den Unterricht für die Kinder mit Hörschädigungen an der Schule mit der Handpuppe gestaltet, bis zu den Sommerferien kleine Videos zur Überbrückung gedreht.

Homberg - Jetzt besucht sie mit der Handpuppe wieder die Schüler, zwar mit Maske und Abstand, sonst aber ist alles fast wie immer.

Die putzige Handpuppe mit der kratzigen Katerstimme begeistert die Schüler. Den Glücksunterricht gibt es seit einem Jahr – die erste und zweite Grundschulklasse übergreifend. „Carlos ist cool“, sagt Finn. „Ohne Carlos wäre Glück langweilig“, meint Fenja. Glück, wie die Kinder die Stunde mit Bianca Rüter nennen, ist Glücksunterricht und soll die psychische Widerstandskraft der Kinder stärken.

Das sei für alle Kinder gut, aber die Grundschüler der Herrmann-Schafft-Schule profitieren besonders davon. Sie alle haben eine Hörschädigung, die seelische Gesundheit zu stärken, sei gerade bei ihnen wichtig. Der Glücksunterricht ist präventiv, stärke das Selbstwertgefühl und stabilisiere die Kinder. Sie lernten, sich ihrer Gefühle bewusst zu werden und sie zu unterscheiden, erklärt die Lehrerin.

Genau dabei wird Rüter von der kleinen Handpuppe unterstützt. Die Kinder rufen die Gefühle, die sie kennen, fröhlich durch die Klasse: Wut, Eifersucht, Angst oder Traurigkeit. Im Unterricht werde nicht nur das Bewusstsein für sich geschärft, sondern das Mitgefühl für andere geschult, sagt Rüter. Während sie das erklärt, schläft Kater Carlos in seinem Kofferbett.

Denn der Star ist eigentlich gar nicht so viel am Unterricht beteiligt, wie man denkt. Er begrüßt die Kinder und zum Abschluss erzählen sie ihm, wie die Stunde für sie war. In der Zwischenzeitmacht er in seinem Bett ein Nickerchen.

In diesem Schuljahr haben die Kinder kleine Handpuppen gebastelt. Damit wollen sie Mini-Aufführungen für die Klasse vorbereiten. Jeder durfte die Puppe nach seinen Vorstellungen gestalten, was den freien Ausdruck fördert, erklärt die 46-Jährige. Auch das Tanzen gehört zum Glücksunterricht. „Das lieben die Kinder besonders“, sagt Lehrerin Silke Lohrengel. Zum Lied „Despasito“ schwingen sie die Puppen und kreisen die Hüften. Auch das ist für viele Glück pur.

Am Ende der Stunde sitzen sie gemeinsam mit der Handpuppe im Kreis und erzählen, wie der Unterricht lief. Dabei scherzt Carlos mit den Kindern. Manche kuscheln ihn auch und schmiegen sich an sein weiches Fell. So entlockt Rüter ihnen das eine oder andere Wort mehr.

Im Laufe des Jahres soll Kater Carlos den Kindern Tipps für schlechte Gefühle an die Hand geben. Dafür hat Carlos noch ein wenig Zeit, denn der Glücksunterricht läuft noch ein paar Monate. Damit alle Kinder der Schule etwas von Carlos haben, gibt es auch vier Adventsvideos ihm.

Diese sind auf der Internetseite der Schule abrufbar. 50 Videos mit Carlos hat Rüter in der Zeit des Lockdown gedreht. Dort wurde viel über die Corona gesprochen, vieles erklärt. Carlos wurde damit zum Filmstar. (Christine Thiery)

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