Helfer reisen in Krisengebiete

Einsatzkräfte aus dem Schwalm-Eder-Kreis unterstützen bei Flutkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz

Einsatz in Rheinland-Pfalz: Die THW-Ortsverbände Homberg und Melsungen helfen in Kordel.
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Einsatz in Rheinland-Pfalz: Die THW-Ortsverbände Homberg und Melsungen helfen in Kordel.

Die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz beschäftigt auch die Rettungskräfte aus dem Schwalm-Eder-Kreis. 15 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks aus Homberg sind in Ahrweiler und der Vulkaneifel, um zu helfen.

Schwalm-Eder – Das teilt THW-Landessprecher Michael Walsdorf auf HNA-Anfrage mit. Auch das THW aus Melsungen ist bereits mit neun Helfern vor Ort.

Gestern machten sich außerdem die Wasserrettungszüge aus den Landkreisen Schwalm-Eder und Kassel auf den Weg nach Düsseldorf.

Insgesamt 41 Männer und Frauen erhielten den Einsatzbefehl, teilt Philipp Klitsch, Sprecher des Schwalm-Eder-Kreises mit. „Sie werden vorerst eine Woche dort bleiben.“ Neben Einsatzleitwagen und drei Rettungsbooten wurden auch der Gerätewagen Wasserrettung und der Gerätewagen Taucher, der mit Tauchausrüstung ausgestattet ist, angefordert.

Während die Wasserrettungszüge in Nordrhein-Westfalen helfen, sind die THW-Ortsverbände Homberg und Melsungen in Rheinland-Pfalz eingesetzt. Der Technische Zug des Ortsverbands Homberg ist mit 13 Einsatzkräften im Bereich Bitburg unterwegs, die Fachgruppe Elektroversorgung aus Homberg ist mit zwei Einsatzkräften im Gebiet Ahrweiler. Der Technische Zug aus Melsungen ist mit neun Helfern in Hermeskeil im Einsatz. „Die Lage verändert sich stetig“, sagt Walsdorf. Daher würden stündlich neue Einsatzkräfte angefordert – je nachdem, was gerade benötigt werde.

Die Einsatzkräfte aus Homberg seien in den vergangenen Stunden damit beschäftigt gewesen, Sandsäcke zu füllen, zu transportieren und aufzustapeln.

Außerdem verfügt das THW Homberg über einen Anhänger mit großem Stromaggregat, das zum Einsatz kommt, um die Stromversorgung wiederherzustellen, beispielsweise in Krankenhäusern und Altenheimen, sagt Walsdorf. „Die Kollegen helfen dem Team der Trinkwasseraufbereitung aus Rotenburg und unterstützen sie mit Strom“, sagt Nils Bottenhorn vom Ortsverband Homberg.

Flutkatastrophe: Einsatzkräfte berichten von erheblicher Belastung

Wasser, Schlamm, Müll. Was die Helfer in den Hochwassergebieten Nordrhein-Westfalens und in Rheinland-Pfalz erleben, lässt sich so leicht nicht verarbeiten. Dabei zeigte sich vor allem: Nicht überall, wo Helfer sind, kann schon geholfen werden.

Der Ortsverband Homberg hat sich mit dem kompletten technischen Zug und 15 Einsatzkräften auf den Weg gemacht, darunter drei Frauen. Zwei helfen mit dem Stromaggregat bei der Trinkwasseraufbereitung in Grafschaft nahe Bad Neuenahr-Ahrweiler. 13 der Einsatzkräfte wurden nach Kenn beordert, einem Ort nahe Trier. Am Freitagmorgen jedoch wurde die Truppe nach Kordel versetzt, berichtet Jürgen Vollmer, der einer der stellvertretenden Ortsbeauftragten ist und die Lage von Homberg aus im Blick behält. Zu hoch stand noch das Wasser in der knapp 3000 Einwohner großen Gemeinde Kenn.

Für die Einsatzkräfte heißt es nun, sich ein Bild von der Lage zu machen. „Wir schauen jetzt, was wir in Sachen Infrastruktur machen können“, sagt Vollmer, der die Arbeit als enorm kräftezehrend beschreibt. „Die Jungs und Mädels sind von morgens bis abends im Einsatz.“

Einer, der das jetzt durchmacht, ist Nils Bottenhorn. Er ist Baufachberater beim THW und kümmert sich mit seinem Melsunger Kollegen Niklas Vaupel um den Erhalt der Gebäude in Kordel. Vor ihnen liegt eine immense Arbeit: „Wir begehen jedes Gebäude einzeln und schauen uns an, wie standfest sie sind.“ Viele Keller seien noch bis zur Decke voll mit Wasser, viele alte Gewölbekeller könnten erst gar nicht ausgepumpt werden, weil sie drohen, zusammenzusacken. Zunächst müsse der Grundwasserspiegel sinken. Das größte Problem: „Im Ort schwimmen etwa 1000 Liter Heizöl“, sagt Bottenhorn. Scheu dürfen die Helfer davor nicht haben. „Ich musste schon einmal komplett durch.“ Wie schlimm die Lage ist, verdeutlicht Bottenhorn so: Beim letzten Jahrhunderthochwasser hätte der Pegel in Kordel bei vier Metern gelegen. „Dieses Mal liegt er bei 8, 70 Metern.“

Doch wie schützen sich Einsatzkräfte in Situationen, die für sie ebenfalls lebensgefährlich sein können? „Der einzige Schutz ist die Erfahrung“, sagt Bottenhorn. „Man geht rein, tastet sich ran, muss auf sein Bauchgefühl vertrauen.“ Und wenn das sage, etwas sehe zu gefährlich aus, dann werde ein Haus nicht begutachtet. Diese Professionalität helfe dabei, das Erlebte zu verarbeiten. Während des Einsatzes stehe die Arbeit im Vordergrund, erklärt Vollmer. „Da bleibt keine Zeit, darüber nachzudenken. Unsere Leute sind top ausgebildet.“ Doch im Vorfeld eines Einsatzes gingen die Bilder doch nicht spurlos an den Einsatzkräften vorbei, gesteht Bottenhorn.

Wie lange die Ortsverbände noch im Einsatz sind, ist laut Vollmer nicht absehbar. Der Wasserstand des Flusses Kyll sei inzwischen jedoch gesunken. „Das ist gut“, berichtet Bottenhorn. Nun gehe es darum, mit Feuerwehr und Bundeswehr gegen Schlamm und Müll anzukämpfen; auch Straßen müsse das THW absichern. Von einer Seite her sei der Ort noch gar nicht befahrbar, sagt der Helfer, der den Einsatz der Bevölkerung lobt. Sie räume unermüdlich auf – und in all ihrer Not schafften sie es sogar noch, Schilder an die Wegesränder mit der Aufschrift „Danke“ zu stellen. „Das zu sehen, ist einfach toll.“ (Chantal Müller Und Carolin Hartung)

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