Unternehmen hat eigene Verträge mit Saisonarbeitern

Hengstenberg stellt Unterbringung seiner Mitarbeiter in Fritzlar in Fokus

Auf einem Förderband liegen Kohlköpfe auf dem Band in der Sauerkrautproduktion am Hengstenberg-Standort in Fritzlar.
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Zahlreiche Kohlköpfe auf dem Band: So startet die Sauerkrautproduktion am Hengstenberg-Standort in Fritzlar. Archiv

Die Domstadt ist einer von zwei Produktionsstandorten der Firma Hengstenberg. Doch das Unternehmen muss sich Herausforderungen stellen. Neben den veränderten Klimabedingungen erfordert derzeit auch die Coronakrise einen besonderen Umgang. Wir haben mit dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, Andreas Reimer, darüber gesprochen, wie Ernte und Produktion in diesen Zeiten zu bewältigen sind und warum Fritzlar dabei eine große Rolle spielt.

Herr Reimer, wo auf der Welt essen die Menschen Kohl, Gurken und Co. aus Fritzlar?
Unsere Produkte gehen in ganz entfernte Regionen, beispielsweise nach Asien. Unser Partner dort ist Mitsubishi, eine Firma, die man eigentlich aus der Automobilbranche kennt. Ja tatsächlich, auch bei vielen Japanern stehen Mildessa-Dosen und Knax-Gläser im Regal. Darüber hinaus ist auch die USA ein großer Absatzmarkt für uns. Ebenso wie Kanada und auch nach Australien und Südafrika. In Europa liefern wir beispielsweise nach Spanien, aber auch nach Russland und Großbritannien. Insgesamt exportieren wir in ungefähr 40 Länder.
Es gibt also einen Weltmarkt für diese doch sehr typisch deutschen Produkte.
Ja, absolut. Der gelegentliche Spitzname für uns Deutsche ist ja bekanntlich „Krauts.“ Der Name weist klar auf die Vorliebe für dieses Gemüse hin. Insofern ist Sauerkraut ein typisch deutsches Gericht. Aber auch in anderen Regionen wie Asien ist Kraut eine angesagte Beilage zum Essen. Zum einen, weil es recht vitaminstark ist und auch, weil es sich für Diäten eignet.
Wie wollen Sie es schaffen, über lange Zeiträume attraktiv für Kunden zu bleiben?
Indem wir immer wieder neue und interessante Varianten unserer Produkte liefern. Kürzlich haben wir zum Beispiel ein BBQ-Kraut herausgebracht. Außerdem bieten wir auch Bio-Sauerkraut an. Und wir reagieren darauf, dass die Anzahl der Ein-Personen-Haushalte in Deutschland nach wie vor wächst und haben daher kleinere Packungen auf den Markt gebracht.
Dem Lauf der Zeit standzuhalten, ist eine Herausforderung. Welchen müssen Sie sich noch stellen?
Die größte Herausforderung ist sicherlich die Bewältigung der Coronakrise. Uns ist es ganz wichtig, das Distanz- und Hygienekonzept im Werk umzusetzen. Wir haben dafür weder Zeit, Mühe noch Kosten gescheut, um unsere Mitarbeiter zu schützen und die Produktionssicherheit zu gewährleisten. Das beginnt mit der Unterbringung unserer Saisonarbeiter, die in einem unserer firmeneigenen Häuser übernachten. Die Standards sind hoch, sie werden dort in Zweibettzimmern mit vernünftiger Küche und vernünftigem Bad untergebracht. Man kennt aus Presse, Funk und Fernsehen im Moment ganz andere Bilder.
Genau, gerade die Arbeitsbedingungen von Saisonarbeitern mit Werksverträgen werden stark kritisiert. Beschäftigen Sie Werksverträgler?
Wir haben keine Werksverträge, sondern stellen die Mitarbeiter direkt bei uns an. Unsere Saisonarbeitskräfte gehören nicht irgendeiner Sonderfirma XY an, sondern es ist die Hengstenberg GmbH & Co.KG. Die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BFA) hat unser Vorgehen erst kürzlich überprüft und bestätigt. Wir wälzen die Verantwortung nicht ab, sondern nehmen sie selbst wahr.
Was genau tun Sie noch, um das Ansteckungsrisiko im Werk so gering wie möglich zu halten?
Die Mitarbeiter, die in den Zweibettzimmern zusammen übernachten, stehen sich auch am Band gegenüber. Ohnehin achten wir darauf, dass überall, wo es im Werk funktioniert, der Abstand eingehalten wird. Und wo es nicht funktioniert – die Gurken werden an einem Fließband in die Gläser gestopft – haben wir Plexiglasscheiben aufgebaut.
Wie wichtig ist neben der guten Beziehung zu den eigenen Mitarbeitern eine gute Zusammenarbeit mit regionalen Landwirten?
Das ist sehr wichtig. Wir setzen auf das Konzept „Regionaler Anbau“. Regional ist nicht umsonst das neue Bio. Denn es ist in Sachen Nachhaltigkeit ein Unterschied, ob die Gurken aus der Nachbarschaft kommen oder hunderte Kilometer weit herangekarrt werden müssen. Die Gurken landen bei uns innerhalb von 24 Stunden im Glas. Unsere kleinen Gurken sind so beliebt, dass wir sie nicht ausschließlich aus regionalem Anbau beziehen können. Der überwiegende Anteil ist aber aus der Nähe. Was ausschließlich aus Deutschland kommt, machen wir auf den Gläsern kenntlich. Ansonsten beziehen wir aus osteuropäischen Ländern und aus der Türkei.
Warum ist Fritzlar ein wichtiger Standort für Hengstenberg?
Fritzlar ist aus mehreren Gründen ein wichtiger Standort für uns. Wir können nur dort die geschnittenen Sticksi-Gurken herstellen, genauso wie unser Mildessa-Sauerkraut in Beuteln. Außerdem ist Fritzlar und Umgebung eine Kohlregion. Und: Logistisch gesehen liegt es optimal in der Mitte Deutschlands.

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