Schweine leben auf der Wiese

In der „Tierfairbrik“ fühlt sich Sau wohl

Homberg. Seit 2014 gibt es in Homberghausen die Tierfairbrik. Auf dem Bauernhof von Ackerbauer Hubertus Nägel steht das Tierwohl im Vordergrund. Angefangen hat alles vor drei Jahren mit fünf Schweinen.

Schweine rennen im Galopp über die Wiese, suhlen sich im Dreck und grunzen vergnügt, während sie sich an der Hose ihres Ziehpapas Hubertus Nägel die Borsten schubbern. Nebenan kräht der Hahn und hopst aus dem Wohnmobil zu den Hennen auf die Wiese.

Diese idyllischen Szenen spielen sich täglich in der „Tierfairbrik“ in Hombergshausen ab. Das Wohl des Tieres steht - wie der Name schon vermuten lässt - bei dem Bauernhofbetrieb von Ackerbauer Hubertus Nägel (35) und Julia Becker (31) im Vordergrund.

Glücklich: Die Schweine, eine Kreuzung aus Bentheimer und Duroc, können sich auf dem Hof von Hubertus Nägel und Julia Becker frei bewegen. Von den beiden lassen sie sich gerne die Borsten kraulen.

70 Schweine und 60 Hühner und einige Schafe und Ziegen leben hier auf einer vier Hektar großen Fläche - das entspricht etwa sechs Fußballfeldern. „Das ist weitaus mehr, als jedes Bio-Zertifikat vorschreibt“, sagt Julia Becker. Abgenagte Ringelschwänze, wie man das aus großen Mastbetrieben kennt, hat keines der Schweinchen. „Hier haben sie genug Beschäftigung und können ihren Spieltrieb ausleben“, erklärt Nägel.

Fairbrik seit 2014

Seit 2014 betreiben Becker und Nägel den Hof gewerblich und verkaufen Ahle Wurscht von glücklichen Schweinen. Früher gehörte die Anlage Nägels Eltern. Zunächst hielt das Paar zusammen mit Mitbewohnern lediglich fünf Bentheimer Schweine zum Eigenbedarf.

Gegacker auf dem Hof: Die Hühner leben in einem großen Freigehege. Ein ausrangierter Wohnwagen dient als Stall.

Als die Nachfrage nach Ahler Wurscht bei Freunden und Nachbarn immer größer wurde, gründeten die beiden mit WG-Freund Peter Lange eine GbR und bauten den Tierbestand aus - immer mit dem Fokus auf der artgerechten Tierhaltung. „Uns ist am wichtigsten, dass es den Tieren gut geht“, sagt Nägel. „Dass sie nicht dauernd durch die Gegend gekarrt werden und sich unter freiem Himmel bewegen können“, fügt er hinzu.

Bauernhof, kein Zoo

Mit zehn bis 15 Monaten - bei konventioneller Tierhaltung segnen die Tiere bereits nach fünf Monaten das Zeitliche - werden die Schweine dann zum Schlachter gefahren. „Erst gestern habe ich wieder drei hingebracht“, erzählt der Ackerbauer. Das falle ihm nie leicht, aber „wir sind eben kein Streichelzoo, sondern ein Bauernhof.“ Mit dem Weg zum Schlachter in Schwalmstadt verlassen die Tiere zum ersten Mal seit ihrer Geburt den Hof.

„Bei uns ist das ein geschlossenes System. Die Ferkel werden hier geboren und wachsen auch hier auf“, erklärt Becker. In großen Mastbetrieben sei das eher die Ausnahme. Dort reisen die Tiere während ihres Lebens mehrere Male, teilweise auch außerhalb Deutschlands.

Rapper saß schon im Stall

Dreckig: Den halben Tag wühlen die Schweine im Schlamm.

Die 60 Hühner, die auf der Tierfairbrik leben, lassen sich nicht nur im Freigehege die Sonne aufs Gefieder scheinen, sondern legen ihre Eier in einem ganz besonderem Stall: einem ausrangierten Wohnwagen, in dem bereits Rapper Cro und Milky Chance Wodka-Cola getrunken haben. Hubertus Nägel ist nämlich Mitorganisator des Musikschutzgebiet-Festivals. In naher Zukunft sollen noch etwa 200 Hühner hinzu kommen. Erst kürzlich hat Nägel zwei alte Zirkuswagen gekauft, die er zu Hühnerställen umbauen will. Auch Rinder sollen bald auf der Tierfairbrik leben.

„Aber das macht natürlich alles sehr viel Arbeit“, sagt Nägel. „Wir beide würden das alles niemals alleine schaffen. Zum Glück packen hier viele Freunde mit an.“

Ahle Wurscht, die Metzger Wolfgang Wiegand aus Harle herstellt, und Eier kann man zwar bereits jetzt bei der Tierfairbrik kaufen, ein richtiger Hofladen befindet sich aber noch im Aufbau. Bis spätestens September soll der aber fertig sein. Dann gibt es auch Frischfleisch für Selbstabholer.

Kontakt: Falkenberger Straße 2, Hombergshausen, www.tierfairbrik.de

Rubriklistenbild: © Fotos: Hartung

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