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Hoffnung ist eine starke Kraft: Homberger Pfarrer über die Kraft der Osterbotschaft

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Von: Claudia Brandau

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Das Frühjahr zeigt die Kraft, die im Leben und der Welt steckt: Die Homberger Pfarrer Friedrich Heidelbach und Anke Zimmermann.
Das Frühjahr zeigt die Kraft, die im Leben und der Welt steckt: Die Homberger Pfarrer Friedrich Heidelbach und Anke Zimmermann. © Claudia Brandau

Zwei Jahre lang beherrschte die Pandemie den Alltag, nun bereitet der Ukraine-Krieg Angst und Sorge. Doch es bleibt Platz für Hoffnung.

Homberg - Bleibt in diesen Zeiten noch Platz für Hoffnung? Die Homberger Pfarrer Friedrich Heidelbach und Anke Zimmermann sind sicher: Liebe, Glaube, Hoffnung sind die Motoren, die Antrieb geben.

Es sind düstere Zeiten, mancher Mitmensch wird gerade ein bisschen kraft- und mutlos. Ein bisschen Optimismus kann da nicht schaden, oder?

Friedrich Heidelbach: Moment. Da reden wir von zwei sehr unterschiedlichen Begriffen. Optimismus hat wenig mit Hoffnung zu tun.

Weil?

Anke Zimmermann: Weil Hoffnung die wesentlich stärkere Kraft ist. Optimismus ist nur der kleine Bruder der Hoffnung. Viele sagen „Alles gut!“ und zeigen damit eine optimistische Haltung.

Heidelbach: Hoffnung ist mehr – sie ist ein Angebot Gottes, ein Geschenk, das mir von außen zugesprochen wird. Als Christen glauben wir, dass es eine Hoffnung gibt, die mehr ist als das, was wir erleben, die den Blick weitet.

Weitet für was?

Heidelbach: Für den Glauben. Und die Herausforderungen des Lebens. Der Karfreitag wäre ja gar nicht auszuhalten ohne die Hoffnung auf Ostern. Diese Tage im Jahr stehen dafür, dass der Tod nicht das letzte Wort hat, dass Gott ein neues Leben verheißt.

Das hält so mancher aber für eine sehr unsichere Sache...

Heidelbach: Ja, natürlich! Der Glaube ist ja ein Wagnis. Natürlich bleiben Zweifel, als Pfarrer kann man ja nicht Jesus als Beweis aus dem Ärmel ziehen. Man muss sich schon auf den Glauben einlassen, um eine andere Lebenssicht zu bekommen.

Zimmermann: Als Christen leben wir in einer Hoffnungsgemeinschaft, in der der eine für den oder die andere hofft. Ich finde diesen Gedanken tröstlich. Und merke: Hoffnung ist gerade in schwierigen Situationen eine trotzige Kraft, eine die lebt und antreibt und die sagt: „Es wird wieder gut werden.“

Die leeren Regale im Supermarkt sprechen eine andere Sprache: All die, die gerade Öl und Mehl hamstern, scheinen nicht daran zu glauben, dass noch etwas gut ausgeht...

Heidelbach: Die leeren Regale erzählen eine ganz andere Geschichte. Sie hinterfragen, auf was der Mensch im Leben setzt. So mancher kann gerade offenbar nicht sehen, dass wir im Unterschied zu vielen anderen rundum gut versorgt sind, sie zweifeln daran. Umso wichtiger ist es deshalb gerade, Mut zu machen.

Wie denn?

Zimmermann: Es gibt so viele Hoffnungsgeschichten mitten in dem ganzen Wahnsinn! Die hohen Kollekten und vielen Spenden zugunsten der Ukrainehilfe, der freie Wohnraum, der dem Landkreis gemeldet wird, die Kleidung, die abgegeben wird. Diese Hilfsbereitschaft steht für ungezählte Hoffnungsschimmer.

Heidelbach: Und wie schlimm wäre es, wenn wir nichts dagegen tun könnten, wenn es keine Hoffnung, sondern nur Schicksalsergebenheit und Depression gäbe. Hoffnung ist ein großer Motor.

Der aber offenbar bei vielen nicht anspringt, so mancher resigniert.

Zimmermann: Resignation steht ja auch für Gleichgültigkeit. Aber das kann nicht der Weg sein, ich will mich doch anrühren lassen von anderen Menschen, ihren Geschichten, ihren Sorgen. Auch das macht Glaube und Hoffnung aus.

Aber es ist auch oft schwer, Liebe, Glaube, Hoffnung in diesen Zeiten zu bewahren, oder?

Zimmermann: Ja, man hat nicht ständig Hoffnung. Glaube bedeutet oft auch Wagnis und Herausforderung, Zweifel gehören dazu. Aber trotz allem trägt uns die Hoffnung im Alltag – vor allem aber in jenen Zeiten, in denen uns das Leben sehr zusetzt.

Heidelbach: „Selbst Jesu ruft am Kreuz: „Mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Selbst er hadert und zweifelt. Und so geht es wohl allen Menschen: Manches Mal ist Gott ganz nah, manches Mal meilenweit entfernt.

Aber man kann ja auch niemanden zur Hoffnung zwingen.

Heidelbach: Nein. Ein Satz wie „Jetzt kannst du nur noch hoffen“ ist erbarmungslos. Hoffnung bedeutet nicht, dass man vor dem Schlimmen davonläuft. Sondern dass man die Kraft hat, es auszuhalten, zu handeln.

Zimmermann: Das ist ja der diakonische Gedanke: Trotz schwerer Situation selbst etwas beizutragen, auf dass sie anders werde. Hoffnung ist eine trotzige Kraft, eine, die Mut gibt.

Heidelbach: Selbst dann, wenn vielleicht gerade nicht alles gut läuft, wenn man Verluste oder Rückschläge erleidet.

Dafür braucht man Vertrauen.

Zimmermann: Ja, das ist der nächste Schritt der Hoffnung: Das Vertrauen, dass Gott seine Welt anders haben möchte. Und der Wille, sich für dieses Ziel einzusetzen.

Heidelbach: Das setzt voraus, dass man sich öffnet für die Not der anderen. Immer im Bewusstsein, dass Gott die ganze Welt in seinen Händen hält.

Das klingt nach purer Zuversicht.

Heidelbach und Zimmermann: Das finden wir auch. Aber genau das ist die Osterhoffnung: Nicht umsonst findet das Fest im Frühling statt. Ostern gehört deshalb ins Frühjahr, weil man zu keiner anderen Zeit die Kraft des Lebens so stark spüren kann. Und zu keiner anderen Zeit ist die Verheißung präsenter, dass der Tod das Leben nicht beendet. Und das ist die kühnste Hoffnung, die wir nur haben können. (Claudia Brandau)

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