Frustration ist groß

Ansturm auf Corona-Impftermine: Telefone in Hausarztpraxis stehen nicht mehr still

Haben jeden Tag wegen Corona-Impfterminen eine Flut von Anrufen zu bewältigen: Die Medizinischen Fachangestellten Ute Pfalzgraf und Andrea Zeyer in der Praxis von Katharina Plünnecke in Homberg.
+
Haben jeden Tag wegen Corona-Impfterminen eine Flut von Anrufen zu bewältigen: Die Medizinischen Fachangestellten Ute Pfalzgraf und Andrea Zeyer in der Praxis von Katharina Plünnecke in Homberg.

Derzeit ist der Ansturm auf Corona-Impfungen bei Hausärzten groß - das merkt auch eine Arztpraxis in Homberg. Die Telefone klingeln dort laufend. 

Homberg – Die Telefone in der Praxis von Katharina Plünnecke, Fachärztin für Innere Medizin in Homberg, klingeln derzeit in einer Tour. Der Grund ist, dass viele Patienten einen Impftermin wollen. Die Anrufe kommen seit fünf Wochen zusätzlich zum normalen Praxisgeschäft hinzu. Das Team am Empfang kommt dadurch täglich an seine Belastungsgrenze. „Wir sind am Limit“, sagt Ute Pfalzgraf, Medizinische Fachangestellte.

Ihre Kolleginnen Andrea Zeyer, Kerstin Freund und Dajana Fischer-Diehl kommen mit dem Abnehmen des Hörers nicht mehr hinterher. „Die Leute erreichen uns nicht, und wenn sie durchkommen, erzählen sie uns, wie oft sie schon versucht haben, anzurufen“, sagt Pflazgraf. Die Frustration kann sie nachvollziehen. Der Großteil der Patienten habe glücklicherweise Verständnis für die aktuelle, außergewöhnliche Situation.

Ansturm auf Corona-Impftermine in Homberg: „30 Leute pro Minute“- Praxisteam an Belastungsgrenze

Das Praxisteam gebe täglich sein Bestes, um auch in dieser Zeit allen Patienten gerecht zu werden. „Mehr als abnehmen können wir nicht und wir müssen auch noch andere Dinge tun“, sagt Freud. Alternativen zum Anruf sind ein Kontaktformular auf der Homepage der Praxis (hausarztpraxis-homberg.de) und ein Briefkasten. Einfach mal so vorbeizukommen, davon rät das Praxisteam aufgrund der Corona-Pandemie ab.

Vier Leitungen habe die Praxis. Das Unternehmen Ziegler, zuständig für den Telefonbetrieb, habe in Spitzenzeiten 60 Anrufe pro Minute registriert. „Im Durchschnitt rufen 30 Leute pro Minute an“, so Plünnecke. Was im Juni auf sie zukommen könnte, wenn die Impfpriorisierung aufgehoben werden sollte, das will sich das Team noch gar nicht ausmalen. „Jeder möchte zuerst“, sagt Plünnecke. An ihr ist es dann beispielsweise entsprechend Alter und Vorerkrankungen zu priorisieren.

Corona-Impfungen in Homberg: Hausarzt-Team macht Überstunden

Neben der Sprechstunde und der Bürokratie, die laut Plünnecke immer mehr wird, muss sich die Ärztin auch immer auf dem Laufenden halten, welche Empfehlungen für die unterschiedlichen Impfstoffe gelten. Jeden Tag gebe es eine Infoflut dazu. Die Praxen erfahren, so die Medizinische Fachangestellte Zeyer, die neuesten Änderungen meist ebenso aus den Medien wie die Patienten. Und nicht vom Hausärzteverband. Die Patienten seien jedoch verunsichert, wenn die Neuerungen nicht sofort vom Arzt umgesetzt würden.

Impfungen gegen das Coronavirus sind während des regulären Tagesgeschäfts in der Praxis nicht möglich. Das Team macht Überstunden, um die Impfungen außerhalb der Sprechstunde anzubieten. Inzwischen gebe es auch einen Impftag: der Mittwoch. Da werde von morgens bis nachmittags nur geimpft. Problematisch sei, dass es keine Planungssicherheit bei den Impfstofflieferungen gebe. „Wir wissen, wann wir Impfstoff bekommen, aber nicht wie viel“, sagt Plünnecke. Die Anzahl der Dosen für die kommende Woche würden immer erst am Donnerstag vorher bekannt gegeben. „Ab Freitag vergeben wir dann die Termine“, sagt Pfalzgraf. Obwohl das Impfen obendrauf kommt, sagt Plünnecke: „Wir impfen gerne, hatten sogar in unserem Urlaub zwei Impftage.“

Für einen möglichst reibungslosen Ablauf mit all den Extraaufgaben hat das Praxisteam ein Konzept erarbeitet. Denn die Patienten der Prioritätsgruppen können sich nicht nur impfen lassen, sondern sich in der Praxis auch auf Corona testen lassen.

Homberg: Ansturm auf Corona-Impftermine in Arztpraxis - Das sagt der Hausärzteverband

Der Sprecher des Hausärzteverbands Schwalm-Eder, Dr. Axel Figge, bestätigt, dass die Leitungen vieler Artzpraxen derzeit überlastet seien. „Die Telefone stehen nicht still.“ Vielerorts fühle es sich für die Patienten so an, als gebe es eine Dauerblockade in der Leitung – ein Durchkommen sei fast unmöglich.

Denn zusätzlich zu den üblichen Anrufen, um ein Rezept zu bestellen oder einen Arzttermin auszumachen, riefen nun vor allem Patienten an, die einen Impftermin möchten. „Alle Kollegen sind ziemlich gefordert“, sagt Figge. (Christina Zapf)

Mit dem Schwalm-Eder-Newsletter bleiben Sie immer top informiert. Aktuell ist der Andrang auf die Impfungen gegen Covid-19 immer noch groß - wir verraten, wie Sie schneller an einen Corona-Impftermin kommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.