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Die Orgel streikt seit Weihnachten: In der Homberger Stadtkirche ist die Königin der Instrumente stumm

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Von: Lea Beckmann

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Der Orgelmotor ist defekt: Die Orgelbauer Aaron (links) und Thomas Schülken haben ihn in der Homberger Stadtkirche ausgebaut.
Der Orgelmotor ist defekt: Die Orgelbauer Aaron (links) und Thomas Schülken haben ihn in der Homberger Stadtkirche ausgebaut. © Lea Beckmann

In der Homberger Stadtkirche ist die Königin der Instrumente stumm. Die Orgel streikt seit Weihnachten.

Homberg – Es ist kaum zu glauben: Ausgerechnet an dem Heiligen Abend funktioniert die Orgel in der Homberger Stadtkirche nicht. Bezirkskantorin Birgit Käfer hatte zehn Minuten vor dem 18 Uhr-Gottesdienst die Orgel angemacht und hörte so ein Kratzen und Rattern im Motor. „Ich habe die Orgel sofort wieder ausgestellt, denn normalerweise hört man den Motor nur ganz leise laufen, da dieser in einer Schalldämmkiste eingebaut ist“, erklärt sie.

Der Ausfall der Orgel sei für Käfer ein Schock gewesen. „Ausgerechnet am Heiligen Abend, wenn die Kirche komplett voll besetzt ist, muss die Orgel ausfallen.“ Da musste schnell improvisiert werden. Seit dem werden die Gottesdienste auf einem E-Piano begleitet. „In den 27 Jahren, in denen ich jetzt hier bin, war noch nie etwas mit der Orgel“, sagt Käfer.

Birgit Käfer kann momentan nicht an der Orgel die Gottesdienste begleiten.
Birgit Käfer kann momentan nicht an der Orgel die Gottesdienste begleiten. © Beckmann, Lea

6,40 Meter ging es jetzt für den Motor der Orgel in der Homberger Stadtkirche in die Tiefe. Denn: Er ist defekt und wird in eine Werkstatt gebracht. Die Orgelbauer Thomas und Aaron Schülken von der Orgelbauwerkstatt Rotenburg bauten ihn nun aus. Thomas Schülken hat den Motor zuvor mit einem Stethoskop abgehört, um das Geräusch zu lokalisieren. „So äußert sich ein Lagerschaden“, sagt er zu den kratzenden und ratternden Geräuschen.

Orgel aus Homberger Stadtkirche wird jetzt zur Untersuchung nach Wabern in Fachwerkstatt gebracht

Die Orgel wurde 1734 erbaut. Die Pfeifen und das Innenleben sind von 1966, so die Bezirkskantorin. 1988 sei der Orgelmotor in die Orgel eingesetzt worden. „Normalerweise werden solche Motoren deutlich über 50 Jahre alt – oder gehen teilweise auch auf die 100 Jahre zu“, sagt Schülken. Wo genau der Defekt liege, sei noch unklar. „Wir bringen sie jetzt in die Fachwerkstatt nach Wabern und dort schaut man sich den Motor genau an“, sagt er. Entweder könne das Problem durch eine Reparatur behoben werden, oder im schlimmsten Fall müsse ein neuer Orgelmotor angeschafft werden. „Das können wir aber jetzt noch nicht sagen, da wir keine Diagnose haben“, sagt der Orgelbauer. Das Problem ist auch, dass der Orgelteile-Hersteller Laukhuff aus Weikersheim (Baden-Württemberg) vor zwei Jahren in Insolvenz gegangen ist. Und der Motor sei damals von Laukhuff gewesen, daher bekomme man dort keine Ersatzteile – wenn welche benötigt werden.

Den 60 bis 70 Kilogramm schweren Motor haben die Orgelbauer aber nicht die Empore heruntergetragen. „Mithilfe eines Lifters für Handwerker können wir den Motor nach unten transportieren“. Dafür mussten sie den Motor nur auf die Plattform vom Lifter heben. Aaron Schülken kurbelte den Lifter dann nach unten und Thomas Schülken ging von einer Empore zur nächsten zur Absicherung. „Als der Motor 1988 eingebaut wurde, haben ihn die Orgelbauer tatsächlich über die Treppe hochgetragen“, sagt Schülken. Dann wurde er ins Auto geladen und mit Sicherheitsgurten befestigt. „Ich hoffe, dass der Motor schnell repariert werden kann, mein Arbeitsplatz funktioniert ja nicht so richtig“, sagt Birgit Käfer. (Lea Beckmann)

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