1. Startseite
  2. Lokales
  3. Fritzlar-Homberg
  4. Homberg (Efze)

Er testet jede Krume und Kruste: Meister Daniel Plum prüfte Produkte der Bäckerinnung Schwalm-Eder

Erstellt:

Von: Claudia Brandau

Kommentare

Er prüfte jede Krume: Bäckermeister Daniel Plum testete bei der Kreishandwerkerschaft Schwalm-Eder Brot und Brötchen.
Er prüfte jede Krume: Bäckermeister Daniel Plum testete bei der Kreishandwerkerschaft Schwalm-Eder Brot und Brötchen. © Claudia Brandau

Morgen (17.9.) ist „Tag des Handwerks“: Wir haben Brotprüfer Daniel Plum bei der Bäckerinnung getroffen.

Schwalm-Eder – Wenn man wissen will, wie man denn achtsam ein Brötchen aufschneidet, sollte man Daniel Plum zuschauen: Der 29-jährige Brotprüfer weiß genau, was er tut, wenn er die Messerklinge durchs Backwerk zieht. Dann testet er die Dicke der Kruste, prüft die Textur des Teigs, den Geruch, die Haptik von Brot und Brötchen – und natürlich deren Geschmack.

Daniel Plum ist Bäckermeister, gehört sogar der Nationalmannschaft der Bäcker an und trainiert deren Jugendmannschaft. Da muss man sich nicht fragen, ob der Mann sein Handwerk versteht – er tut es dermaßen gut, dass er tagtäglich die Produkte seiner Kollegen prüft.

Plum prüfte jetzt auf Einladung der Bäckerinnung Brot und Brötchen aus einem Dutzend Betriebe in der Region

Plum prüfte jetzt auf Einladung der Bäckerinnung Schwalm-Eder Brot und Brötchen aus einem Dutzend Betriebe in der Region – um sie als neutraler und unvoreingenommener Experte zu bewerten. Was für die Betriebe vielleicht im Vorfeld Mehraufwand und Nerven kostet, birgt für sie auch eine große Chance. „Ziel ist eine langfristige und damit nachhaltige Qualitätssicherung“, sagt Wolfgang Scholz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Schwalm-Eder.

Die Teilnahme ist wichtig und lobenswert, betonen Olaf Nolte und Günter Schwarz, die beiden Obermeister der Bäckerinnung Schwalm-Eder. „Es ist ein freiwilliges und auch kritisches Hinterfragen der eigenen Arbeit“, sagt Nolte: „Jedes Brot, das wir verkaufen, ist der Lohn unserer täglichen Arbeit – und soll den Kunden schmecken.“

Daniel Plums Job ist es, die einen zu loben, den anderen aber vielleicht Verbesserungstipps zu geben

Daniel Plums Job ist es also, die einen zu loben, den anderen aber vielleicht Verbesserungstipps zu geben. Das Lob überwiegt bei der Prüfung in der Kreishandwerkerschaft. Wolfgang Scholz verwundert das nicht: „Das Brot der Betriebe im Landkreis steht für Qualität, Regionalität und Vielfalt, wird nachhaltig und umweltfreundlich produziert und ist damit alles andere als eine anonyme Backware.“ Das Backhandwerk steht für wahre Geschmackserlebnisse: „Brotbacken kann längst nicht jeder: Es erfordert deutlich mehr Wissen, als nur Mehl und Wasser miteinander zu vermengen.“ Und wenn Scholz von einer „fachlichen Verflachung“ spricht, die um sich greife, dann bestätigt Obermeister Olaf Note das: „Wir leben in einer Gesellschaft, in der vieles beliebig geworden ist – und das tut weder dem Handwerk noch den Menschen gut.“

Das Handwerk stehe nicht nur mit den steigenden Energie- und Materialpreisen mit dem Rücken zur Wand, sondern habe auch mit akutem Fachkräfte- und Personalmangel zu kämpfen: „Wenn alle nur noch als Kunde vor der Theke und niemand mehr als Mitarbeiter hinter dem Tresen stehen will, dann wird es schwierig. Das Handwerk ist wunderbar – und wir brauchen Charaktere und Typen, die es weiter beleben.“

Sie nahmen alles unter die Lupe: Bei der Brotprüfung der Bäckerinnung Schwalm-Eder arbeiteten Renate Littebrandt, Günter Schwarz, Daniel Plum und Olaf Nolte Hand in Hand. Jan Hassenpflug (ganz rechts) von der Bäckerei Most Guxhagen lieferte frisches Prüfungsmaterial an.
Sie nahmen alles unter die Lupe: Bei der Brotprüfung der Bäckerinnung Schwalm-Eder arbeiteten Renate Littebrandt, Günter Schwarz, Daniel Plum und Olaf Nolte Hand in Hand. Jan Hassenpflug (ganz rechts) von der Bäckerei Most Guxhagen lieferte frisches Prüfungsmaterial an. © Claudia Brandau

Einer dieser Charaktere liefert in dem Moment Brot und Brötchen zur Prüfung an: Jan Hassenpflug von der Bäckerei Most aus Guxhagen ist einer jener Typen, die das Handwerk beleben. Der 24-jährige Backstubenleiter von Most ist im elterlichen Bäckerbetrieb großgeworden und hatte sich nie die Frage nach seinem Traumberuf stellen müssen: „Für mich gab es nie etwas anderes als das Bäckerhandwerk“, sagt er. Für die Bäckerei Most sei es selbstverständlich, an der Brotprüfung teilzunehmen: „Wir wollen wissen, wo wir qualitativ stehen, das ist wichtig für unseren Betrieb“, sagt Jan Hassenpflug. Prüfer Daniel Plum hört es und freut sich, dass sein Urteil gefragt ist.

Verbleibenden Bäcker brauchen Solidarität und Unterstützung der Verbraucher

Für alle Betriebe ist auch jenseits der Brotprüfung vor allem eines wichtig: Dass die Kunden ihnen die Treue halten. Die Zahl der Bäckerbetriebe sei in den vergangenen Jahren gesunken, sagt Wolfgang Scholz. Manche hätten keinen Nachfolger gefunden, andere keine hohen Investitionen mehr vornehmen wollen.

Die verbleibenden Bäcker brauchten also die Solidarität und Unterstützung der Verbraucher, denn die Situation wird sich so schnell nicht entschärfen. „Ab Oktober steigen die Zuckerpreise“, sagt Jürgen Viehmeier vom Schwälmer Brotladen. „Und Zucker ist für uns ein Basisprodukt, das wird die Preise weiter antreiben. Das Bäckerhandwerk steht damit vor einer riesigen Herausforderung.“ (Claudia Brandau)

Auch interessant

Kommentare