Mit Rufhorn statt Trompete

Homberg hat einen neuen Türmer - der kleidet sich lieber etwas lässiger 

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Türmer in der Kluft einfacher Leute: Mike Luthardt wird der neue Türmer von Homberg. 

Ein brauner Umhang, eine graue Haube, aus dem mittelalterlich anmutenden Rufhorn ertönt ein tiefer Ton: Der neue Türmer von Homberg wirkt äußerlich deutlich rustikaler als der alte. Viel zu erzählen hat der aber genauso.

Mike Luthardt hat die Aufgabe von Dennis Willershausen übernommen. Hinter ihm steht ein ganzes Team.

Als Kind hatte Mike Luthardt Höhenangst. Sein Vater hatte ihm einen Riesenschrecken eingejagt, als er mit ihm auf einen hohen Turm kletterte. Eigentlich eher keine guten Voraussetzungen, um regelmäßig die 217 Stufen zu erklimmen, die hoch auf den Kirchturm am Homberger Marktplatz führen. „Das habe ich aber überwunden“, erzählt der 62-Jährige.

Er hat sich nicht selbst beworben 

Und so erhofft sich Luthardt neben vielen interessanten Geschichten auch, ein ganz kleines bisschen fitter zu werden, wenn er jetzt regelmäßig auf den Kirchturm steigen muss: „Ich bin gespannt, ob das meine Sportlichkeit fördert.“ Nach dem Stadtkirchentag jedenfalls zwickte es in dem ein oder anderen Muskel, erzählt er.

Der 62-Jährige stammt aus dem Ruhrpott, ist gelernter Mediengestalter und seit 2012 Homberger. Das erste Mal kam er aber bereits in den 1980er-Jahren in die Kreisstadt: Er betreute die Jugendfreizeiten der SELK, die regelmäßig in Homberg stattfanden. Schon lange interessiert er sich also für die Geschichte der Stadt – und kennt sich damit aus. Für das Amt des Türmers hat er sich aber nicht beworben. Er sei gefragt worden. „Und dann musste ich erst mal fragen, was überhaupt auf mich zukommt“, erzählt er.

Orientiert sich an seinen Vorgängern 

Was auf ihn zukommt, das weiß der 62-Jährige inzwischen – zumindest in der Theorie. Denn Führungen hat er noch nicht allzu viele geleitet. Um sich vorzubereiten habe er jedoch regelmäßig Führungen von Dennis Willershausen besucht, außerdem nutze er die Unterlagen des ehemaligen Türmers Fritz Dreytza. „An denen orientiere ich mich.“

An den scheidenden TürmerDennis Willershausen „werde ich aber nicht rankommen“, sagt der 62-Jährige. Das muss er aber auch gar nicht. Denn trotz der Einflüsse der beiden ersten Türmer will Luthardt seine eigenen Spuren im Amt hinterlassen. „Es macht jeder anders. Ich werde die Geschichten anders erzählen. Da steckt viel von einem selbst drin“, sagt er. 

Einmal in der Türmerwohnung übernachten 

Und Mike Luthardt will den Türmer authentischer machen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger wird er bei Führungen eine weniger prunkvolle Kluft tragen, statt einer Trompete ertönen vom Kirchturm jetzt die tiefen Klänge eines Rufhorns.

Unterstützen den Türmer: von links Ines Eberwein als „Frau des Türmers“, Dennis Willershausen und Dr. Jürgen Helm als Stellvertreter des Türmers.

In der Türmerwohnung will der 62-Jährige auf jeden Fall einmal übernachten. Auch wenn die „Sanitäranlagen ausbaufähig“ sind. Mike Luthardts Ziel ist es, Führungen künftig auch auf Englisch anbieten zu können. Unterstützt wird der Türmer bei seiner Arbeit von Ines Eberwein, die die Frau des Türmers verkörpert. Dennis Willershausen wird auch weiterhin in Vertretung als Türmer einspringen, Dr. Jürgen Helm übernimmt ebenfalls Führungen.

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