Keller des Hauses ist längst zu klein

Homberger hat über 800 topographische Karten gesammelt

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Sucht Informationen über die Region: Matthias Hucke mit einer Lupe vor seinen topographischen Karten aus der Region. Seine Informationen erhält er aus vielen Büchern. 

Homberg. Er wälzt historische Bücher, klickt sich durch das Internet und wühlt sich durch Archive: Matthias Hucke interessiert sich für die Veränderungen seiner Heimat. 

Auf topographischen Karten werden die besonders deutlich. Davon besitzt der Homberger knapp 800 Stück. Der Keller seines Hauses ist dafür längst zu klein.

Vor einem Regal voll mit Büchern rund um die Region hat Matthias Hucke seinen Arbeitsplatz aufgebaut. An einer Magnettafel hängen kleine Karten, große Karten, bunte, alte und neue Pläne aus Homberg, Melsungen und dem Schwalm-Eder-Kreis. Mit einer leuchtenden Lupe nimmt der 48-Jährige dort jedes Detail in den Blick. Was ihn dabei am meisten interessiert: Wie hat sich die Landschaft entwickelt? Und: Womit lässt sich eine Wandertour noch informativer gestalten?

Damit ist Matthias Huckes Hobby schon fast die logische Folge seiner beiden anderen Leidenschaften. Der Homberger arbeitet als Konstrukteur bei B. Braun in Melsungen, kennt sich mit Plänen und Zeichnungen aus. Als Wanderführer interessiert er sich für die Natur und seine Heimat. „Da profitiert eins vom anderen“, berichtet der 48-Jährige.

Angefangen hat alles vor mehr als zehn Jahren. Damals bekam er eine Ausbildung zum zertifizierten Wanderführer geschenkt. „Historische Karten sammel ich schon immer“, erzählt Hucke. Weil im Keller der Familie längst kein Platz mehr für die vielen Papprollen mit den Karten ist, musste Hucke einige davon bei Familie und Freunden unterbringen.

Eine Stadt im Wandel der Zeit: Diese Karte zeigt Homberg im Jahr 1857.

Matthias Huckes älteste Karte stammt aus dem 17. Jahrhundert. Gezeichnet wurde sie von dem Topographen Wilhelm Dilich. Der Homberger besitzt aber nicht nur historische Pläne, sondern auch solche, die den aktuellen Stand der Städte und Gebiete Nordhessens zeigen – die meisten habe er beim Hessischen Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation gekauft.

Hucke digitalisiert jede seiner Karten und überarbeitet sie mit einer speziellen Technik. „Ich arbeite mit einer Überblendtechnik“, sagt Hucke. Dabei wird der gleiche Ausschnitt von unterschiedlich alten Karten übereinandergelegt. So könne er die Veränderungen in gewissen Gebieten deutlich machen.

Diese Karte zeigt die Kreisstadt im Jahr 1998.

So kann Hucke Rückschlüsse auf die Veränderungen einer Region ziehen. Auf einer Karte von 1948 etwa sind die Henschel-Werke in Kassel nicht eingezeichnet – obwohl es sie am Standort des heutigen VW-Werks bereits gab. „Die Gebäude wurden mit Absicht rausgelassen, für den Fall, dass die Karte in falsche Hände gerät“, sagt Hucke.

Der Konstrukteur hat bereits eine Präsentation über Karten im Wandel der Zeit erstellt. Mehrere Jahre hat er gebraucht, um sie zu erstellen. All die Arbeit lohnt sich aber, sagt er.

Das Interesse für seine Heimat ist es, das ihn motiviert. „Ich bekomme Infos, die ich an die Wanderer weitergeben kann“, sagt er und nimmt schon sein nächstes Projekt in Angriff: Eine Präsentation mit Karten von Wilhelm Dilich. Damit will er sich alten Handelswegen in der Region widmen.

Der Beweis: Homberg hieß einmal Homburg

Im Dezember sorgte eine Straßenschild-Panne in Homberg für Gelächter im Netz. Am neuen Kreisel bei Mardorf führte ein Schild nicht mehr nach Homberg, sondern nach Homburg. Das falsche Straßenschild wurde schnell ersetzt und soll vom Landkreis jetzt sogar für den guten Zweck versteigert werden. Matthias Hucke aber kann belegen: Homberg hieß tatsächlich einmal Homburg. 

Er besitzt eine topographische Karte aus den Anfängen des 18. Jahrhunderts. Die Zeichnungen müssen zwischen 1705 und 1715 entstanden sein, berichtet er. Johann Georg Schleenstein hatte die Karte angefertigt, auf der die heutige Kreisstadt den Namen Homburg trägt. Schleenstein lebte von 1650 bis 1729 und erstellte diese Karte für Landgraf

Karl. Auch Borken ist auf diesem Plan des Topographen erwähnt. Die Bergbaustadt trug laut der Karte Schleensteins im 18. Jahrhundert noch den Namen Borckum.

Sorgte im Dezember für Aufsehen: das Hinweisschild Homburg (Efze).

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