MSG lockt wieder Tausende nach Hombergshausen

Musikschutzgebiet: Dort, wo ein Hof natürliche Grenzen setzt

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Heimelige Atmosphäre: Die Ban d Friday and the Fool trat 2018 beim Musikschutzgebiet in Hombergshausen auf. In diesem Jahr zählen die Musiker von „Die höchste Eisenbahn“ zu den bekanntesten Künstlern. 

Es ist klein, es ist gemütlich und es ist familiär: Das Musikschutzgebiet-Festival (MSG) in Hombergshausen lockt seit Jahren tausende Musikbegeisterte auf den Grünhof.

Warum das Festival aber trotzdem nicht größer werden soll, als es derzeit ist – darüber haben wir mit Chris Umbach gesprochen, Mitglied des Presseteams.

Herr Umbach, sind Sie schon entspannt?

Ich bin auf dem Festival für den Einlass zuständig. Ich komme erst runter, wenn ich Samstagabend die Kasse zuschließe. Wir haben vier Tage nur Stress. Am Ende muss aber jeder überall mitanpacken. Trotzdem ist es aber auch Entspannung. Dort hat man kaum Handynetz, das hat wenig mit der realen Welt zu tun. Das ist schön.

Womit hebt sich das Musikschutzgebiet von anderen Festivals ab?

Die Location ist am offensichtlichsten, mit diesem Bauernhof. Das ist ein Ort, an dem man gar nicht mehr viel machen muss, und es ist sofort schön. Der ganze Geist des Festivals ist anders. Es ist ein Projekt von Freunden, die einfach eine Party auf dem Hof feiern wollten, die dann immer größer wurde.

Es geht also nicht nur um Kommerz, sondern darum, Spaß miteinander zu haben...

Genau. Und es geht nicht nur um den Konsum von großen Bands. Zu Rock am Ring fährt man wegen der Bands, nicht weil man es so schön dort findet. Die Gäste beim MSG sind rücksichtsvoll und haben einfach eine gute Zeit – ohne klassischen Festival-Campingplatzlärm. Es ist eher wie ein sehr großes Familienfest.

Womit kann man das Festival am ehesten vergleichen?

Am ehesten lässt es sich wohl mit dem Neonfields im Emsland vergleichen. Vom Spirit her ist es ähnlich wie das Orange-Blossom-Special in Beverungen. Da kommen Familien gemeinsam seit mehreren Jahren hin. Dort geht es auch um das „Da-Sein“.

Das Festival soll als Brücke zwischen Generationen fungieren. Welche Menschen zählen zu den Besuchern?

Es sind viele Abiturienten. Es kommen viele Studenten aus ganz Deutschland. Sonntags, wenn der Eintritt kostenlos ist, kommen viele Menschen aus den Dörfern, Eltern mit ihren Kindern. Dann decken wir das ganze Spektrum ab.

Und das ist auch das Ziel?

Ja, definitiv. Die Grundidee vom MSG war, auf einem Dorf – Hombergshausen ist ja wirklich sehr weit weg von allem – einen Gegenpol zu den klassischen Dorfveranstaltungen zu setzen. Und so zu zeigen: Hier können hochwertige Musikveranstaltungen stattfinden.

Im Gegensatz zu anderen Festivals kennt das Musikschutzgebiet keine Genregrenzen und vereint viele Musikstile.

Wir sind einfach ein Festival und holen gute Musik nach Hombergshausen. Es ist Indie im weitesten Sinne, aber es ist über alle Genres verteilt, sodass jeder etwas für sich finden kann. Es ist aber auch unser Anspruch, ein Festival zu machen, auf das wir gerne gehen würden.

Das MSG zählt zu den kleineren Festivals, findet aber an vier Tagen statt. Soll es weiter wachsen?

Nein, es ist groß genug. Alle sind sich einig darin, dass wir nicht von diesem Hof weggehen können. Das ist das Musikschutzgebiet. Dieser Hof ist das MSG. Wenn wir da nicht mehr hinkönnten, würde es das MSG nicht mehr geben. Und dieser Hof setzt uns einfach Grenzen. Da passen durch die baulichen Gegebenheiten 2000 Leute hin. Dann ist das so. Außerdem ist alles ehrenamtlich. Niemand bekommt Geld für die Organisation.

Im vergangenen Jahr war das Festival durchaus politisch. Welches Signal soll vom Musikschutzgebiet ausgehen?

Wir machen uns weder für noch gegen Parteien stark. Wir machen uns gegen Intoleranz, Homophobie und Menschenfeindlichkeit stark. Wir positionieren uns eher inhaltlich als politisch. Dafür wollen wir Flagge zeigen. Wir hatten aber noch nie Probleme. Die Menschen, die zu uns kommen, die ticken wie das Musikschutzgebiet.

Sie haben oft ein Händchen für Musiker bewiesen: Cro, Milky Chance und Annen May Kantereit starteten nach Auftritten auf dem Grünhof richtig durch. Wen wollen Sie noch einmal unbedingt nach Hombergshausen holen?

Wenn man den ganzen Verein fragt, würden alle sagen: Bilderbuch. Da haben alle richtig Bock drauf.

MSG-Programm: Die höchste Eisenbahn spielt in Hombergshausen

Das Musikschutzgebiet-Festival findet von Donnerstag, 28. August, bis Sonntag, 1. September, auf dem Grünhof in Hombergshausen statt. Zum Festivalauftakt am Donnerstag startet eine Party auf dem Flugplatz am Mosenberg. Dort treten lokale Künstler und Neulinge im Musikgeschäft auf. Mit dabei: Moa, Ma Fleur, OkayAlex und Project John. Als überregionale Musiker gibt es Blassfuchs zu hören. 

Von Indie über Hip-Hop und Pop bis hin zu Electro und Punk ist auch an den restlichen Festivaltagen für jeden Musikgeschmack dabei. Am bekanntesten ist die Band „Die höchste Eisenbahn“. Außerdem sind unter anderem Gurr, OG Keemo, Döll, Rikas, Blond, Lui Hill, Antje Schomaker, Steiner&Madlaina und Mia Morgan mit dabei. 

Ohne freiwillige Helfer gäbe es kein Musikschutzgebiet. Deshalb suchen die Organisatoren immer wieder Ehrenamtliche – wer mithilft, kommt gratis aufs Festival. Es gibt noch einige „Letzter Vogel“-Tickets für 57,50 Euro. Darin enthalten sind Müllpfand und Vorverkaufsgebühren. Es gibt sie online unter musikschutzgebiet.de/tickets und bei Wild Wood Gallery&Store, Friedrich-Ebert-Straße 99, Kassel sowie bei Chewing Gum im City Point, Königsplatz 61/51 in Kassel.

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