Miniaturstadt benötigt neue Vitrine

Homberger Stadtmodell muss restauriert werden - Kirche macht größte Probleme

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Noch klafft ein Loch in der Mitte: Die Sanierung der Minitaturstadt rund um die Stadtkirche ist schwieriger, als Lydia Köhler (von links), Ursula Jacob, Gerhard Heilmann, Gerd Schwiers und Matthias Pohl gedacht hatten.

Es ist Millimeterarbeit, die Matthias Pohl und seine Kollegen vom Modellbauclub Fritzlar-Homberg bei der Restaurierung des Homberger Stadtmodells leisten.

Stück für Stück muss jede einzelne Strebe der Kirche gegossen, jedes einzelne Fenster ausgeschnitten werden. Es ist eine Millimeterarbeit, die einen längeren Atem fordert, als zunächst angenommen – nach knapp einem Jahr konnte die Stadtkirche noch nicht vollständig wiederhergestellt werden.

Noch einige weitere Wochen wird es dauern, bis die Stadtkirche ins Heimatmuseum zurückkehrt. Etwa zehn Monate hat Gerhard Heilmann aus Espenau dann an dem kleinen Modell gearbeitet. Anbau und Sakristei werden nichts mehr mit dem Original aus den 1970er-Jahren zu tun haben.

Kirche muss nachgebaut werden

Die Kirche musste komplett nachgebaut werden. Das Plastik war so porös, dass das gesamte Modell auseinandergefallen ist – Abgüsse konnten nicht angefertigt werden. Die Kirche habe nur noch aus Kekskrümeln bestanden, sagt Gerd Schwiers. Die Lösung: „Ich habe Pläne von der Kirche besorgt, an denen wir uns orientieren konnten“, berichtet Matthias Pohl. Die Strebesäulen bestehen jetzt aus Keramin, einer Art veredelter Gips, den etwa Zahnärzte nutzen, um Prothesen abzugießen. Anbau und Sakristei werden aus Holz gefertigt und verleimt.

Um die filigranen Rosetten in den Kirchenfenstern so detailgetreu wie möglich nachbilden zu können, nutzt Heilmann eine besondere Technik: er lasert. Und zwar mit einem CO2-Laser. Einen Prototypen hat der Modellbauer bereits aus Holz und Plexiglas hergestellt.

"So ist das eben bei Altbauten"

Nur ein kleiner Anfang – insgesamt müssen zwölf Fenster gelasert werden. Auch das Dach der Kirche sei deutlich in Mitleidenschaft gezogen worden. „So ist das eben bei Altbauten“, scherzt Gerd Schwiers.

Was für einen weitaus höheren Aufwand bei den Sanierungsarbeiten sorgt, sind die unterschiedlichen Materialien, die in den 1970er-Jahren beim Bau des Modells genutzt wurden, sagt Heilmann. „Die Farbe hat sich nicht mit dem Stützmaterial vertragen und sich aufgelöst.“ Übrig blieben Teile von fünf Millimetern Größe. „Die kann man nicht mehr nutzen“, berichtet Heilmann.

Viel Arbeit für ein Haus

Viel Arbeit für ein Haus, das nur wenige Zentimeter groß ist. Dabei haben die Modellbauer mit der eigentlichen Arbeit noch gar nicht begonnen.

Seit August vergangenen Jahres steht die Miniaturstadt ungeschützt im Heimatmuseum, sagt Lydia Köhler. Mit der Reparatur können die Modellbauer erst beginnen, wenn die Frage um die neue Vitrine geklärt ist. Die Platte, auf der die Minitaturstadt steht, ist gerissen. Würde es angehoben, könnte die Platte wieder brechen, erklärt Matthias Pohl. Die Restaurierung des Modells selbst sei weniger aufwendig. Mit weichen Pinseln sollen die einzelnen Häuser gereinigt werden, hier und da sind Farbausbesserungen nötig, berichtet Schwiers.

Eines jedoch ist sicher: „Wir müssen eine Lösung finden“, berichtet Lydia Köhler.

Neue Vitrine für das Modell

Ursprünglich wollte das Heimatmuseum eine Glasvitrine zum Öffnen für die Miniaturstadt anschaffen. 15.000 Euro sind dafür nötig, etwa die Hälfte habe man inzwischen beisammen, berichtet Lydia Köhler. Der Modellbauclub Fritzlar-Homberg hat 500 Euro Erlös aus einer Modellbauausstellung gespendet. 

Nun steht noch ein Termin mit dem Museumsverband aus. Stadtmodelle würden inzwischen eher ohne Glasvitrine präsentiert, so Köhler. Würde man sich dafür entscheiden, müsste ein Sicherheitskorridor eingerichtet werden.

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