Homberger Hermann-Schafft-Schüler nahmen an Job-Speed-Dating in Frankfurt teil

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Hatten Dates mit möglichen zukünftigen Arbeitgebern: Lena Ulrich, Nils Oberlies, Fabian Utpatel, Max Stepanov, Maximilian Saß und Marcel Schamberger von der Hermann-Schafft-Schule Homberg.

Es war eine Premiere, die da in Frankfurt stattfand und sechs Homberger waren dabei: 70 hessische Schüler mit Behinderungen nahmen am Job-Speed-Dating für Menschen mit Förderbedarf teil, darunter Schüler der Hermann-Schafft-Schule, an der Kinder mit Hör- oder Sehschädigungen unterrichtet werden.

Homberg. Drei Stunden lang knüpften sie in zehnminütigen Gesprächen mit Personalern und Behindertenbeauftragten Kontakte zu Firmen. Mit ihren Lehrern hatten sie Kurzbewerbungen erarbeitet, die sie nach den Gesprächen überreichten. „Wir bieten jungen Menschen mit Behinderungen die Chance, unkompliziert mit Unternehmen in Kontakt zu treten“, sagte Almuth Schlosser von der Bundesagentur für Arbeit.

Sieben Großunternehmen waren der Einladung der Arbeitsagentur und des Landeswohlfahrtverbandes gefolgt, darunter McDonald‘s, die Galeria Kaufhof und die Deutsche Post.

„Anfangs waren wir ein bisschen nervös, weil wir zum ersten Mal mit diesen Unternehmen zu tun hatten“, erzählt Max Stepanov, der die achte Klasse der Herrmann-Schafft-Schule besucht. „Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt, diese Erfahrungen zu sammeln.“ „Es waren alle sehr nett und hilfsbereit, wenn wir Fragen hatten“, ergänzt Nils Oberlies, ebenfalls in der achten Klasse. Er stellte sich gleich bei fünf Unternehmen vor. „Besonders der Pharmakonzern Abbott hat mich interessiert. Da würde ich gerne mal ein Praktikum machen.“ Schade fand Nils nur, dass nicht mehr Firmen am Job-Speed-Dating teilnahmen. „Ich hätte mir mehr Auswahl gewünscht“, sagt er.

Bei vielen Betrieben gebe es noch eine Hemmschwelle Behinderte einzustellen, stellt Dietmar Schleicher, Schulleiter der Hermann-Schafft-Schule, fest. Das liege auch daran, dass es oft keine wirkliche Vorstellung gebe, wie sich beispielsweise eine Hörschädigung auswirke. Viele seiner Schüler könnten durchaus hören, sie benötigen dafür nur Implantate oder Hörgeräte.

Trotzdem sind die Herausforderungen für Hörgeschädigte im Berufsalltag hoch. Vor allem Gespräche in Hallen, Großraumbüros oder am Telefon seien wegen der Störgeräusche problematisch. „Die Schüler müssen noch lernen, ihre Bedürfnisse vorzubringen, auch den Umgang mit ihren Chefs oder Kollegen“, sagt Lehrerin Natalie Clös, die die Schüler nach Frankfurt begleitete. „Das alles üben wir auch in Rollenspielen – aber eine Veranstaltung, die den Schülern die Chance bietet, das alles in der Praxis auszuprobieren, ist natürlich auch extrem wichtig.“

Die Vorbereitung aufs spätere Berufsleben ist für Dietmar Schleicher ein zentraler Teil der Schulbildung: „In dem Moment, wo man die Schule verlässt, muss man auch eine realistische Vorstellung haben, was man machen will.“

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