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Die Homberger Hohlebachmühle öffnet die Tür

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Von: Claudia Brandau

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Leonhard Paul aus Hanau hat im vorigen Jahr zusammen mit seiner Familie die Homberger Hohlebachmühle gekauft: Beim Tag des offenen Denkmals am morgigen Sonntag öffnen die Pauls erstmalig die Türen des historischen Anwesens, das sie sanieren und komplett neu ausrichten.
Leonhard Paul aus Hanau hat im vorigen Jahr zusammen mit seiner Familie die Homberger Hohlebachmühle gekauft: Beim Tag des offenen Denkmals am morgigen Sonntag öffnen die Pauls erstmalig die Türen des historischen Anwesens, das sie sanieren und komplett neu ausrichten. © Claudia Brandau

Es war Liebe auf den ersten Blick. Als die Familie Paul im vorigen Jahr Hotel- und Restaurant der Homberger Hohlebachmühle besichtigte, war es um das Hanauer Ehepaar geschehen: „Wir waren vom Anwesen komplett beeindruckt“, sagt der neue Eigentümer Leonhard Paul.

Homberg - Beeindruckend aber ist auch, was die Pauls in dem knappen Jahr geschaffen haben, in dem sie das historische Mühlengebäude samt Hotel- und Restuarantbetrieb übernommen haben. Die acht Hotelzimmer sind in hellen Naturfarben saniert, zwei Apartments sind bereits fertig, ein weiteres befindet sich im Bau, ein Park mit Teich und Liegen ist entstanden, das Café im Erdgeschoss ist zum Frühstücksraum für Hotelgäste geworden, das Mühlenrad mit über 150 neuen Schaufelbrettern ist beplankt, das Backhaus wieder in Betrieb, das Hotel bereits zu 70 Prozent ausgelastet: Familie Paul hat unglaublich viel in den vergangenen elf Monaten geleistet.

Und noch immer ist die Liste der anstehenden Arbeiten lang. Oberhalb der Küche in Hotel gegenüberliegenden Restaurantgebäude entsteht eine zweistöckige Ferienwohnung. Pauls wollen eine größere Minigolfanlage – also schon fast eine Maxigolfanlage – errichten, wollen zwei Tiny-Houses im Park aufstellen und mit all diesen Visionen die Marke „Hohlebach“ schaffen. Der Begriff der Mühle, sagt Paul, reduziere das weitläufige Gelände zu sehr auf den ehemaligen Mahlbetrieb.

Leonhard Paulschaut auf historische Mühlentechnik in der Homberger Hohlebachmühle.
hohle2.jpg © Claudia Brandau

„Die Familie Dickhaut hat ein gutes Fundament für die Erweiterungen geleget – das wissen wir durchaus zu schätzen“, sagt Paul

Dazu gehören das Hotel und das Restaurant – das aber zurzeit ausschließlich für Events wie große Geburtstage und Hochzeiten genutzt wird. Pauls sind noch auf der Suche nach einem passenden Gastronomen: „Wir sind offen für gute Angebote“, sagt Paul.

Die Hanauer Inhaber einer Werbeagentur und Softwarefirma, haben bereits mehrere große Objekte aus der Jahrhundertwende umgebaut, mit der Hohlebachmühle sanieren sie – immer in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde – das Anwesen aus dem 16. Jahrhundert. Und das mit einem hohen Anspruch: „Der wirtschaftliche Erfolg spielt für uns eine untergeordnete Rolle: Noch wichtiger ist für uns, der langfristige Erfolg des Projekts und seine Platzierung als einzigartiges Kulturgut. Wenn das erreicht ist, kommt der wirtschaftliche Erfolg von alleine.“

Zurzeit tragen vor allem die frisch sanierten Hotelzimmer dazu bei, dass der Erfolg nicht ausbleibt. Beim Ortstermin der HNA am Freitagfrüh verabschiedet sich Beate Böhnisch aus Lauterbach von Leonhard Paul, bedankt sich für die wunderbare Zeit. Fünf Tage hat das Ehepaar Böhnisch in Homberg und im Hotel verbracht. „Wir wären gerne länger geblieben“, sagt Beate Böhnisch. „Das Anwesen strahlt großen Wohlfühlcharakter aus. Und wenn man eine Bitte hat, stößt man auf offene Ohren – das ist toll.“ Leonhard Paul hört es und freut sich. „Wir sind ja noch Hotel-Azubis und lernen jeden Tag dazu.“

Leonhard und Cornelia Paul lernen gerade quasi vor der eigenen Haustür viele Homberger kennen: „Wir wohnen sozusagen auf einer Flaniermeile: An der Hohlebachmühle gehen Hunderte von Menschen im Monat vorbei“, sagt Leonhard Paul. Was ihn erstaunt: Ausnahmslos jeder Spaziergänger zeige großes Interesse an dem, was da auf dem Mühlengelände passiert.

Und dass sich da viel verändert, ist nicht zu übersehen: Der Hotelparkplatz steht voller Autos, das Areal hinter der Mühle ist eine Entspannungsoase, die Blumenkübel sind bepflanzt, die Türen zum Frühstücksraum stehen oft offen – es herrscht wieder Leben rund um die Mühle.

Der Teich an der Homberger Hohlebachmühle ist eine Oase der Entspannung.
hohle5.jpg © Claudia Brandau

Und dieses Leben wird von Jahr zu Jahr bunter: Fürs kommende Jahr sind bereits viele Hochzeitstermine gebucht. Das Trauzimmer, das inmitten alter Mühlentechnik ein rustikal-romantisches Ambiente bietet, ist damit wieder als Ort gefragt, an dem sich Paare das Ja-Wort geben. Schon jetzt also tragen die Bemühungen von Cornelia und Leonhard Paul Früchte: Das Gelände an der Wassermühle soll zur Marke werden. Dazu beitragen sollen auch Back- und Kochevents, die künftig im Mühlengebäude stattfinden sollen. Außerdem suchen Pauls einen Imker, mit dem sie kooperieren können, damit es einen Hohlebachmühlen-Honig gibt.

Bei allem aber, was die Pauls tun, steht ein Aspekt im Vordergrund: Respekt vor der langen Geschichte der Mühle. „Wir sehen uns nur als temporäre, also vorübergehende Verwalter der Mühle“, sagt Leonhard Paul. „Wir führen sie nur wenige Jahrzehnte in ihrer langen Historie.“

Familie Paul aus Hanau hat ein neues Kapitel in der Hohlebach-Geschichte aufgeschlagen. Und längst nicht nur die Homberger werden es lesen wollen. hohlebach.de (Von Claudia Brandau)

Tag des offenen Denkmals

Die Hohlebach Mühle wurde 1415 erstmals erwähnt und ist die einzige historische Wassermühle in der Region, die originalgetreu aufgebaut wurde. Der letzte Müller Karl Neidel nutzte die Mühle bis 1984, sie wurde bis 1989 von Familie Dickhaut restauriert. Familie Paul öffnet am Sonntag, 11. September, von 11 bis 17 Uhr die Türen. Das Backhaus wird angeheizt, für Kinder gibt es ein Entenrennen. Die Führungen übernimmt die sogenannte Bachprinzessin: Müllerstochter Neidel, die den Beruf erlernte.

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