Über 300 Werke in 40 Jahren 

Homberger Künstlerin warnt mit ihren Werken vor dem Artensterben 

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Kunst auf Tierhäuten: Malerin und Lyrikerin Dietlind Henss hat schon erste Ideen, was sie auf dem grün gefärbten Yak-Fell abbilden möchte. Bereits 1998 stellte sie Tierhäute mit Eitempera-Bemalung in Irland aus. 

Die Malerin und Lyrikerin Dietlind Henss aus Homberg will mit ihren neuesten Kunstwerken auf das Artensterben aufmerksam machen. Schon länger hatte sie sich darauf fokussiert, den Klimawandel abzubilden. Mit Öl, Kreide, Aquarell und Eitempera. Meist stellt sie ihre Farben selbst her, und wandelt dafür ihr Atelier vorübergehend in ein Labor um.

„In einem chemischen Prozess bildet sich – unter anderem aus Pigmenten, Marmormehl und einem Ei – das kühle blau der Gletscher und die rot lodernden Flammen der kalifornischen Waldbrände. Aktuell ist es eine Nashornfamilie, die sie auf einer über zwei Meter langen Rindshaut abbildet.

Oh, ist das schön, und wie das riecht“, aufgeregt und andächtig streicht sie über die lederne, grün gefärbte Tierhaut, die einst einem domestizierten Yak-Rind aus Asien gehörte. 

„Für eines der Hörner zahlen sie horrende Preise auf dem asiatischen Markt“, sagt Henss. Bevor die zahlreichen Pinsel in ihrem Atelier zum Einsatz kommen, steht immer eine gründliche Recherche über das jeweilige Tier an. „Dieser Perfektionismus sorgt schon manchmal für unruhige Nächte“, sagt die Hombergerin.

Ob Antilope, Reh, Ziege oder Rind - Dietlind Henss beschreibt die Transformation von Tierhäuten zur Kunst als eine Art Entschuldigung an das Tier selbst. „Ich empfinde Demut und Ehrfurcht vor den Tieren und versuche, die Ressource Haut zu etwas Kostbarem zu machen.“ Kunst ist für die 79-Jährige mehr als ein Zeitvertreib. „Malen ist für mich eine innere Notwehr, es hat mir durch meine Erkrankung geholfen und Glücksmomente verschafft“, erinnert sich Dietlind Henss an die niederschmetternde Diagnose Brustkrebs, die sie 1977 erhielt. Bis heute ist ihr rechter Arm durch die damals starke Bestrahlung geschädigt, doch davon lässt sich die 79-Jährige nicht aufhalten, die vor Experimentierfreude nur so sprüht. Über 300 Werke, 40 Jahre Arbeit, zeugen davon, die ihr Mann Helmut liebevoll geordnet und katalogisiert hat. „Er ist mein Mentor und Manager“, sagt sie und lächelt. Die Rebellion gegen den Tod: Dieses Thema taucht immer wieder in ihren Lyrikbänden und Bildern auf. „Ich fühle mich nicht eingeschränkt, wenn ich male, ich fühle ich mich lebendig.“ Eine zweite Therapie war für sie der heimische Garten. „Ich interessiere mich für alles, was kreucht und fleucht“, sagt Henss. Nachdem sie jahrzehntelang als Dozentin an Instituten im In-und Ausland tätig war, verschlug es sie mit 61 Jahren noch mal an die Universität, um Garten- und Landschaftsarchitektur zu studieren.

Zwischen Magie und Realismus, so beschreibt die Homberger Malerin Dietlind Henss ihre Kunst.

Bis vor wenigen Jahren arbeitete sie teils selbstständig als Landschaftsplanerin und gestaltete unter anderem den Garten der Alten Sparkasse in Homberg. Doch auch mit fast 80 Jahren kommt Dietlind Henss nicht zum Stillstand, im Gegenteil. Sie steht mit ihren Steinplatten zur Gletscherschmelze bereits in den Startlöchern für eine nächste Ausstellung in der Eifel zum Thema „Schiefer – Stein des Jahres 2019“.

Zur Person

Dietlind Henss wurde 1939 in Quedlinburg geboren und ist im Ruhrgebiet aufgewachsen. Sie schloss ihr erstes Studium der der Germanistik, Geschichte und Pädagogik 1968 in Marburg ab, wo sie auch ihren Mann Helmut kennenlernte. Seit 1971 leben sie in Homberg. Dietlind Henss war jahrzehntelang als Dozentin im In- und Ausland tätig, unter anderem an der Universität in Pennsylvania (USA). Im Sommer 2018 erhielt die Diplomlandschaftsarchitektin außerdem den Ehrenbrief des Landes Hessen für ihr Engagement. Sie betreute mehrere Pflegekinder, engagierte sich beim Aufbau der Krebsnachsorge des DRK, ist seit 30 Jahren im Vorstand der Sauerwein Horak Stiftung, die sozial benachteiligte Menschen unterstützt und hat Sprachkurse für Geflüchtete angeboten.

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