Streit über Entwicklungschancen

Homberger Parlament: Stadt soll kein weiteres Haus kaufen

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Mittelpunkt vieler Pläne: Der rot markierte Bereich sollte einmal das Einkaufszentrum Marktplatz Ost werden. Das Parlament lehnte am Donnerstag den Kauf des Hauses Marktplatz 15 (Mitte) ab.

Homberg. Die Stadt Homberg verzichtet auf ihr Vorkaufsrecht: Sie wird das Haus Marktplatz 15, das seit Jahren als Zentrum der Innenstadtentwicklung betrachtet wird, nicht erwerben.

Das Gebäude war kürzlich zwangsversteigert worden - dennoch hätte die Stadt noch die Möglichkeit gehabt, es in letzter Sekunde für 200.000 Euro zu kaufen.

An der ablehnenden Haltung des Parlaments konnte auch das flammende Plädoyer von Bürgermeister Dr. Nico Ritz nichts ändern, der sich mit Vehemenz für den Erwerb der Immobilie aussprach. Ein Abriss der Anbauten hinter dem Haus schaffe das, was Homberg dringend benötige - attraktiven Raum und Platz zum Wohnen und Leben. Der Markplatz 15 sei der einzige Schlüssel, um das ganze Quartier beleben zu können.

Das Parlament zollte Ritz Respekt für seine leidenschaftliche Ansprache, sah die Dinge aber anders: „Wir können inhaltlich folgen, uns aber nicht überwinden: Wie sollen wir den Kauf denn den Einwohnern gegenüber rechtfertigen?“ fragte Stefan Gerlach (SPD). Manfred Ripke (FDP) sah es genauso: Die Stadt müsse sparen, ein weiterer Immobilienkauf sei nicht möglich.

Natürlich müsse man sich fragen, welche Häuser die Stadt neben Engel-Apotheke, Haus Wicke und Gaststätte Krone noch kaufen solle und dürfe, sagte Hilmar Höse von den Grünen. Dennoch sei seine Fraktion sicher: „Wir dürfen uns diese Chance nicht von unserer Angst kaputtmachen lassen.“ Die CDU zeigte sich unsicher: Die Sorge, die falsche Entscheidung zu treffen sei groß, sagt Sprecher Joachim Pauli. Achim Jäger (FWG) aber hatte eine klare Position: Auch wenn das Parlament dagegen stimme, bedeute das doch nicht das Ende der Innenstadtentwicklung

Auch der letzte Appell von Ritz („Wir sind hier doch nicht die Abwickler der Innenstadt!“) änderte nicht am klaren Abstimmungsergebnis: Das Gebäude geht nun in Privateigentum über.

Das Gebäude am Marktplatz 15 aber ist das, was Ritz als „Schlüsselgrundstück“ für die Stadtentwicklung bezeichnet.

Er plädierte für die Idee, das Haus zu kaufen, die hinteren Anbauten abzureißen und so andere Investoren anzulocken, die dann vielleicht in das luftigere Quartier investieren würden. Den Abriss müsste die Stadt nicht alleine bezahlen: 70 Prozent der Kosten sollten aus dem Förderprogramm Stadtumbau kommen.

Die Idee fand Anklang, aber keine Zustimmung. Stefan Gerlach (SPD) monierte die unberechenbaren Folgekosten und lehnte für seine Fraktion das Projekt ab: „Wir sagen ja zum Konzept, aber nein zum Kauf - weil wir ihn uns nicht leisten können.“ Damit aber gebe man die Planungshoheit aus der Hand, warnte Hilmar Höse (Grüne): Jahrelang habe die Stadt Wolkenkuckucksheime gebaut, jetzt könne etwas Neues entstehen.

Schon, wandte Manfred Ripke ein, aber die Liberalen wollten keinesfalls mittragen, dass die Stadt Immobilien aufkaufe. „Wir alle hatten beschlossen, dass die Krone das letzte Gebäude ist, das wir kaufen.“ Für die CDU war die Entscheidung wesentlich schwieriger: „Es ist schwer, Ja oder Nein zu sagen“, gab Joachim Pauli zu.

Das Schreckgespenst Markplatz Ost sei gottlob vom Tisch, sagte Achim Jäger (FWG). Es seien schon zu viele Versuche gescheitert, das Areal zu erschließen: Ohne klare Zahlen sei das unmoralisch.

Ritz warnte: „Wenn Sie das Projekt, das viele Jahre als DAS Projekt galt, beerdigen wollen, dann tun Sie es.“ Und so kam es dann auch.

Von Claudia Brandau

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