Kampf gegen Abfallsünder - Viele private Initiativen

Illegale Müllentsorgung ist im Kreisteil Fritzlar-Homberg großes Problem

Walter Keim wirft einen Sack Müll auf einen Laster.
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Räumt auf und entsorgt: Walter Keim sammelt jeden Freitag eine Lkw-Ladung voller Müll in und um Homberg auf.

Gemeinsam Müll sammeln: Viele Menschen können den Unrat nicht mehr sehen, der an Containern, Straßen, Wegen liegt. Nicht nur Bauhofmitarbeiter, auch Spaziergänger packen mit an.

Fritzlar-Homberg – Jeden Freitag fährt Walter Keim vom Homberger Bauhof die sieben Homberger Altglas-Containerplätze in und um Homberg an. Was er dort findet, macht ihn sprachlos: Farben, Öle, Spielzeug, Fenster und Kleidung sind dort verstreut. „Da findet man alles“, sagt Keim: „Wer will, kann sich ein Schlaf- oder Wohnzimmer zusammenstellen“, sagt er. Dass er freitags eine ganze Lkw-Ladung Müll an den Containern aufsammelt, ist eher die Regel als die Ausnahme.

Dass der Grad der Vermüllung zugenommen hat, bestätigt auch Bauhofsleiter Frederik Naumann. Die Containerplätze an der Tennisanlage und in Holzhausen gehörten zu denen, um die herum es am Schlimmsten aussähe. Doch nicht nur dort müssten die Bauhof-Mitarbeiter immer häufiger immer mehr Müll entsorgen: Auch an den Kasernen nehme die Müllmenge zu – dort werde der Unrat einfach aus Autos geworfen. Besonders häufig fände man Verpackungsmüll einer Fast-Food-Kette.

„Oft werden die leeren Flaschen nicht mal in die Glascontainer geworfen, sondern daneben gestellt.“ Für Keim zwar völlig unverständlich, aber zumindest so lange einfach wegzuräumen, wenn das Altglas in Plastiktüten gepackt wurde. Dann kann er es fix entfernen. Bei Pappkartons sieht das anders aus: „Sobald der durchnässt ist, kann ich ihn nicht mehr heben.“

Für die Bauhof-Mitarbeiter bedeute das einen enormen Einsatz neben ihren vielfältigen Aufgaben. Zwei Mal wöchentlich würden in der Kreisstadt die Mülleimer geleert, sagt Naumann. Dazu komme die Tour zu den Containern, einmal wöchentlich werden die Mülleimer an den Parkplätzen geleert. Neben der mitunter schweren körperlichen Arbeit gesellt sich oft Ekel, gesteht Bauhof-Mitarbeiter Keim: „Man muss beim Aufräumen schon hart gesotten sein.“

Dabei seien bei illegalen Müllentsorgern vor allem die Stellen beliebt, die schlecht einsehbar sind. Hinter den Containern entdecke man regelmäßig Uhren, Radios, sogar Möbel. Keim erkennt Wiederholungstäter: „Hier hat jemand an zwei Wochenenden hintereinander ein altes Schlafzimmer entsorgt. Erst ein Nachtischschränkchen, dann das Bett. Das erkenne ich am Holz.“

Keim und seine Kollegen müssen den Unrat so gut wie möglich vorsortieren, bevor sie ihn auf den Laster laden. Farben und Bauschutt, Ölbehälter, Metalle und Kleidung – alles wird auf dem Bauhof in unterschiedliche Container gefüllt und zur Mülldeponie Uttershausen gefahren.

Der Bauhof indes kann nur an die Menschen appellieren, ihren Müll sachgerecht zu entsorgen. Naumann und seinen Kollegen sind die Hände gebunden. Aus Datenschutzgründen dürften die Flächen nicht überwacht werden – nicht mal mit Kameraattrappen: „Aber für unsere Mitarbeiter ist das nicht angenehm.“

Illegale Müllentsorgung: Spaziergänger in Borken räumen auf

Es ist tatsächlich für niemanden angenehm, sich zu bücken und fragwürdige Hinterlassenschaften von anderen aufzuheben und wegzuschmeißen: Diese Erfahrung machen zurzeit viele Borkener, die sich freiwillig für den Umweltschutz engagieren. Denn in Borken sind nicht nur die Mitarbeiter des Bauhofs, sondern auch viele Spaziergänger im Aufräum-Einsatz. Die Verwaltung hat zur Aktion „Sauberhafte Großgemeinde“ rund um Seen und entlang der Wege aufgerufen und dabei Tagestickets für die Stockelache ausgelobt.

Jeder, der ein Foto von sich und/oder seinen Lieben beim Müllsammeln einsendet, nimmt an der Verlosung teil. Die Idee verlaufe sehr erfolgreich, berichtet Stadtsprecherin Susanne Norwig. Viele Borkener haben bereits Fotos von ihrem Einsatz an die Stadt geschickt.

Und dabei machen sie bestürzende Erfahrungen: „Die Jungs waren erschrocken, was alles weggeworfen wird. Sogar Einweggrills werden einfach am Singliser See liegen gelassen. Schlimm!“, schrieb Familie Wagner, deren Söhne Otto und Oskar fleißig mithalfen, den Unrat zu entsorgen, den skrupellose Menschen einfach in die Natur geworfen hatten.

Müll wird illegal in Homberg-Holzhausen und Rothhelmshausen entsorgt

Ein solcher Einsatz macht die Welt nicht komplett sauber, aber doch wenigstens ein kleines bisschen besser: Die drei Homberger Freundinnen Hannah Apel, Paula Walther und Klara Dittmar – alle zwölf Jahre alt – hatten jetzt den Anblick verdreckter Wege, Büsche und Sträucher in Homberg-Holzhausen nicht länger ausgehalten und sich ans Aufräumen gemacht.

Die drei Mädchen kauften sich von ihrem eigenen Geld Müllzangen, packten große blaue Abfallsäcke in den Bollerwagen und zogen los, um die Natur in ihrem Heimatdorf von viel Dreck zu befreien.

„Je mehr Unrat sie aus den Büschen holten, desto aufgeregter und aufgewühlter waren die drei“, berichtet Hannahs Vater Ulf Siemon. „Wie kann es sein, dass das alles einfach so gedankenlos weggeworfen wird?“, hätten die Mädchen gefragt. Denn es waren ja längst nicht nur Taschentücher und Masken, die Spaziergänger weg geworfen hatten, sondern auch Staubsauger, Wasserkocher und Elektroschrott aller Art.

Vier große Müllsäcke bekamen die Mädchen zusammen, die der Bauhof Homberg dann mitnahm und entsorgte, berichtet Ulf Siemon. Die Aktion der Zwölfjährigen blieb nicht unbemerkt, viele Passanten hatten die Mädchen gelobt, dass sie in Holzhausen für die Natur im Einsatz waren.

Auch in Rothhelmshausen war eine private Initiative in der Landschaft unterwegs. Man kann die Dinge immer so lange hinnehmen, bis sie einen so richtig nerven: Laura Eimer aus Rothhelmshausen war jetzt vom Anblick des vielen Mülls entlang der Straße in den Fritzlarer Stadtteil so genervt, dass sie die Initiative zu einer Sammelaktion gab. Rund 30 Rothhelmshäuser machten so kürzlich sich mit Trecker, Wagen und Säcken auf, um in und rund um das Dorf und entlang der Straße nach Ungedanken Müll zu sammeln.

Familien mit Kindern nahmen die sicherere Route durch das Dorf, die Erwachsenen durchkämmten die Gräben entlang der Straße. Lange suchen mussten sie dabei nicht: „Man kann sich gar nicht vorstellen, was man da alles findet“, sagt Hartmut Schäfer, der mit von der Partie war und die HNA über die gemeinsame und sehr erfolgreiche Aktion informierte. Volle Windeln, alte Bügeleisen, selbst die Hinterachse eines Autos zogen die Rothhelmshäuser aus den Gräben. Manches war so tief im Gebüsch vergraben, dass man auf den ersten Blick sah, dass es schon lange dort gelegen hatte, berichtet Schäfer.

Der Verein Dorfgemeinschaft habe bei der Sammelaktion mitgemacht, betont Hartmut Schäfer, doch sei die Initiative ganz klar von den jungen Leuten ausgegangen, die den Anblick einer vermüllten Landschaft nicht mehr hätten ertragen können, sagt Schäfer, dessen Sohn Konstantin den Trecker fuhr. (Claudia Brandau und Chantal Müller)

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