Tiere im Dämmerlicht erleben

Wildpark Knüll bietet bis Ende August Abendführungen an

Auf dem Foto sind im Vordergrund drei Menschen zu sehen. Zwei Jungs und eine Frau. Links im Bild sind Schweine zu sehen.
+
Hatten nicht nur am Wildschweingehege viel zu staunen: Aaron (8) und Raphael (7) Lucke (von links) nahmen am Samstag mit Oma Erika Horn aus Niedenstein an der Abendführung im Wildpark Knüll teil.

Wenn der Wildpark Knüll die Tore schließt, werden manche Tiere erst wach. Während der Abendführungen lässt sich das bis Ende August beobachten – eine besondere Veranstaltung in besonderen Zeiten. Es ist die erste öffentliche Führung mit Abstandsregeln, und dem Naturentdeckerteam des Wildparks ist die Aufregung anzumerken. „Ich bin so nervös, als würde ich das zum ersten Mal machen“, sagt Maja Lerch, die mit Laura Köhler die 20 Gäste begrüßt. Doch die stehen gesittet beieinander. „Eine Bärenlänge Abstand halten“, lautet das Motto, und das sind zwei Meter.

Raphael und Aaron Lucke laufen voran. Eine sanfte Abendsonne legt sich über den Tierpark, kein Mensch ist außerhalb der Gruppe zu sehen, alles wirkt verträumt. „Die Stimmung ist herrlich“, sagt Claudia Schlombs aus Wabern, die sich mit Nichte Leonie angemeldet hat.

Weiter unten bei den Ziegen ist eine Gruppe Rothirsche zu beobachten, zwei Tiere mit mächtigen Geweihen springen mit einem großen Satz über den Zaun – beeindruckend. Anders als sonst üblich kommen die Hirsche nicht neugierig auf die Besucher zu: „Da sie in Corona-Zeiten nicht gefüttert werden, sind sie scheu“, erklärt Maja Lerch.

Viele nahen an der Wanderung durch den Tierpark teil

Raphael und Aaron sind für eine Woche bei ihrer Oma Erika Horn in Niedenstein zu Besuch, auf die Abendführung durch den Wildpark haben sie sich gefreut. Sie sind nicht die Einzigen. „Irgendwie muss man die Urenkel ja bespaßen“, sagen Helga und Reinhold Fischer aus Mengsberg, die mit Emily (13), Lias (6) und Emma (11) an der Wanderung teilnehmen.

„An den Pinselohren sind die Luchse sehr gut zu erkennen“, sagt Maja Lerch, als die Gruppe mit ausreichend Abstand vor dem Zaun der Wildkatzen ankommt. „Wie viel fressen Luchse pro Tag?“, möchte Raphael wissen, als Maja Lerch den Deckel des mitgebrachten Eimers öffnet und sich Lucy, Paul und Foxy heranschleichen. „Ihr Lieblingsessen ist Reh, und ein Reh reicht einem Luchs in freier Wildbahn eine Woche“, erklärt Lerch. Hier im Gehege muss es täglich ein Kaninchen tun, das Lerch mit Wucht über den Zaun wirft –sofort wird es geschnappt.

Den Tieren beim Fressen zuzusehen ist ein Höhepunkt der Abendwanderung, die der Wildpark neu im Programm hat. Statt wie bisher nur dreimal im Jahr bietet er noch bis Ende August mehrere Führungen zu den nachtaktiven Tieren an. „Das Angebot ist in Corona-Zeiten willkommen“, so Wildpark-Umweltpädagogin Sara Engelbrecht.

Ein Meter vierundsechzig, so groß bin ich auch.

Maja Lerch, Besucherin WIldpark Knüll

Ein bisschen scheint es, als wunderten sich die Tiere über den späten Besuch – Baummarder Jane zögert erst noch, als sie mit Rosinen und Haselnüssen gefüttert wird. Weiter geht es zu den Wölfen, vorbei an den Schafen zu Wildschweinen und Waschbären. Wer die putzigen Allesfresser mit dem ausgesprochenen Tastsinn einmal schwimmen sehen wollte, hat da dazu Gelegenheit. Nur ein kräftiger Flügelschlag ist zu hören, als sich die Gruppe der riesigen Voliere des Uhus nähert. Maja Lerch breitet ihre Arme aus, um zu demonstrieren, wie groß die Rieseneule werden kann: „Ein Meter vierundsechzig, so groß bin ich auch“. Es ist mittlerweile dunkel geworden, doch am Himmel sind sie deutlich zu erkennen – Fledermäuse. Und zu hören sind sie auch: Dank der kleinen Geräte, mit denen Maja Lerch und Laura Köhler die Fledermausgeräusche einfangen und aussenden können – krönender Abschluss der Wanderung.

Termine: 31.7., 1.8., 7.8., 8.8., 14.8., 15.8., 21.8. und 22.8 ab 20 Uhr,
Erwachsene: 11,50 Euro, Kinder: 7,50 Euro. Anmeldung: 0 56 81/28 15

Gaben viele Informationen mit auf den Weg: Rangerinnen Laura Köhler und Maja Lerch (rechts).

Wildpark Knüll bietet noch bis Ende August Abendführungen an

Viele Tiere im Wildpark Knüll in Homberg-Allmuthshausen erwachen erst dann, wenn die Besucher längst schon wieder zu Hause sind. Bei der ersten Abendwanderung am Samstag aber hatten rund 20 Teilnehmer die Chance, diese nachtaktiven Tiere zu erleben. Noch bis Ende August bietet der Wildpark mehrere dieser zweistündigen Veranstaltungen an, bei denen Luchse, Hirsche, Waschbären im Mittelpunkt der Führungen stehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.