Ein Stand seit zwei Jahren

Imker hält die Stellung: Auf dem Homberger Wochenmarkt gibt es nur Honig

Mit Honig und Honigwabe: Walter Schneider, Imker aus Remsfeld, verkauft seinen Honig auf dem Homberger Wochenmarkt. Dort steht er mit seinem Stand der einzige Beschicker. Foto: Leissa

Remsfeld/Homberg. Für einen Wochenmarkt bringt man Zeit und Lust zum Flanieren mit. Dann kann man nach Herzenslaune frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse einkaufen. Anders in Homberg.

Auf dem Wochenmarkt, der im Zwei-Wochen-Rhythmus auf dem Marktplatz stattfindet, gibt es nur Honig.

Verkauft wird er von Walter Schneider, Imker aus Remsfeld. Er steht mit seinem Honig als letzter Marktstand auf dem Wochenmarkt, und das seit zwei Jahren.

„Die Leute nennen mich schon den letzten Mohikaner“, sagt der 83-Jährige und schmunzelt. Der Wochenmarkt sei früher gut besucht gewesen. „Es gab Gemüse, Wurst, auch Musik – alles war da. Es gab selbst einen Stand aus Hessisch Lichtenau“, erinner sich Schneider.

Jetzt fehlen nicht nur Marktstände, sondern auch Kunden. „Die meisten wollen doch heutzutage lieber in den Supermärkten einkaufen, wo sie alles finden“, stellt Schneider fest. Es sei also auch kein Wunder, dass seine Marktkollegen nach und nach abgesprungen seien.

Seine Ware wird Schneider dennoch gut los: „Ich habe meine Stammkunden, die regelmäßig meinen Honig kaufen“, sagt Schneider.

Rund 40 Liter Honig gewinnt er mit einem Bienenvolk. Dieses Jahr könne es allerdings eng werden mit der Honig-Ernte: Aufgrund des wechselhaften Wetters seien seine 15 Bienenvölker durcheinander. „Erst war es zu warm, die Bäume und Sträucher blühten zu früh und meine jungen Bienen kamen in ihrer Entwicklung nicht hinterher“, klagt Schneider. Dann wurde es nass-kalt, die Bienen verließen tagelang ihren Bienenstock nicht. In seiner Laufbahn als Imker musste Schneider schon viele Widerstände überwinden. Besonders ärgerlich war dabei stets der Kampf gegen die Varroa-Milbe, die sich vom Blut der Bienen ernährt.

Schneider hielt auch schwere Zeiten durch und das, obwohl für ihn als junger Mann nicht feststand, in die Fußstampfen seines Vaters und seines Großvaters zu treten und Bienen zu halten. „Die Völker meines Vaters hatte damals mein Bruder übernommen“, erinnert sich Schneider. Als allerdings ein Nachbar Walter Schneider ein Bienenvolk anbot, sagte er nicht Nein.

Und Nein sagen wolle er als einzig verbliebener Stand am Homberger Wochenmarkt erst einmal auch nicht. „Ein, zwei Jahre kann ich mir vorstellen, das noch zu machen“, meint Schneider. Aber auch er spiele mittlerweile mit dem Gedanken, sich zur Ruhe zu setzen.

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