Seit einem Jahr im Amt 

Hombergs Bürgermeister Ritz: "Manchmal ist es wie im Zirkus"

Seit einem Jahr Hombergs Bürgermeister: Dr. Nico Ritz (36 Jahre) wurde Mitte Juli 2014 in sein Amt eingeführt und ist seitdem Rathauschef. Mit seiner Frau Elke und den beiden Kindern Noah und Karlotta lebt er in der Kreisstadt. Foto: Yüce

Seit einem Jahr hat Homberg einen neuen Bürgermeister: Dr. Nico Ritz (36 Jahre). Er ist seit zwölf Monaten im Amt. HNA-Redakteurin Maja Yüce hat ihm zwölf Fragen gestellt.

1 Herr Dr. Ritz, wissen Sie schon, wohin die Reise geht? 

Nico Ritz: Welche Reise?

2 Sie haben gesagt, dass Sie nach einem Jahr im Amt wissen werden, wohin die Reise für Homberg geht. Wird der Flug so ruckelig wie von Ihnen befürchtet und ist die Maschine noch ziemlich kaputt? 

Ritz: Ja, es war ruckelig und wird es noch bleiben. Die Maschine ist in ihrer Substanz in Ordnung, muss aber noch ein paar Mal zur Reparatur. Insgesamt ist die Situation schwierig, denn wir haben viele Baustellen, die wir abarbeiten müssen.

3 Welche Note würden Sie sich nach einem Jahr als Bürgermeister geben? 

Ritz: (lacht) Erstklässler bekommen noch keine Noten.

4 Und welche Ergebnisse können sie bislang vorweisen?

Ritz: Wir sind auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel. Bei der Interkommunalen Zusammenarbeit kann man zum Beispiel nicht nach einem Jahr einen großen Erfolg erwarten. Wir sind aber vor allem bei der Zusammenarbeit mit Frielendorf in den Bereichen Bauhof, Abwasser und Finanzdienste deutlich weitergekommen.

In meiner Antrittsrede habe ich gesagt, dass es ein Ziel sein muss, die öffentliche Wahrnehmung Hombergs zu verbessern. Das ist uns gelungen. Und: In den vergangenen zwölf Monaten hat sich die Atmosphäre im Stadtparlament gut entwickelt.

5 Ist das Ihr Erfolg? 

Ritz: Ich glaube, dass viele Menschen den Neuanfang in Homberg als Chance sehen. Viele sind bereit mitzuwirken, dass sich Dinge verändern. Ich finde es zum Beispiel super, was das neue Team des Stadtmarketings und der Verein Homberg Events leisten. Es gibt eine neue Freibadgruppe und es ist gut, wie in den Stadtteilen mit den Trägerschaften für die Dorfgemeinschaftshäuser umgegangen wird.

6 Was ist anders als gedacht? 

Ritz: Es sind mehr die Dinge im Kleinen, die anders sind. Die öffentliche Aufmerksamkeit - für zum Teil auch banale Dinge - ist groß. Da würde ich mir an manchen Stellen mehr Gelassenheit wünschen.

7 Im Moment ist gutes Teamwork wichtig. Das Ulrich-Gelände soll entwickelt werden. Wird das Parlament auf einen Nenner kommen? 

Ritz: Ich würde mir wünschen, dass am Ende alle dahinter stehen. Der Prozess ist gut, weil er möglichst viele Menschen einbezieht. Das bietet auch für die Politik eine gute Entscheidungsgrundlage. Wichtig ist, dass kein fauler Kompromiss entwickelt wird, sondern eine gute Lösung für Homberg.

8 Es muss nicht nur auf dem Ulrich-Gelände etwas passieren: Der Anbau auf dem Schlossberg, die Zukunft des ehemaligen Gasthauses Krone und des Hauses der Reformation sind weitere Brennpunkte. Können Sie so wesentliche Bereiche parallel entwickeln? 

Ritz: Wir müssen all das in den Griff bekommen und sind in der besonderen Situation, dass wir nicht eines nach dem anderen abarbeiten können. Wir haben einen Rückstand und den gilt es aufzuholen. Manchmal ist es so wie bei dem Tellerdreher im Zirkus: Wir halten mehrere Stäbe in den Händen, auf denen sich die Teller gleichzeitig drehen. Keiner darf herunterfallen.

9 Sie sprechen viel von Entwicklung. Wie steht es dabei um die Altstadt? 

Ritz: Sie hat noch eine Chance, aber es ist allerhöchste Zeit, dass wir handeln. Es wurde einfach zu lange der Traum vom großen Einkaufszentrum Marktplatz-Ost geträumt. Dabei kam zu kurz, was tatsächlich realisierbar ist.

10 Sie haben noch mehr Baustellen, deren Grundmauern vor Ihrer Amtszeit gelegt wurden: Kostenexplosion beim Ärztehaus und beim Jugendzentrum. Ist das alles überhaupt zu schaffen? 

Ritz: Wir müssen es schaffen. Es gibt gar keine Alternative. Das Jugendzentrum hat 300.000 Euro mehr gekostet als geplant, weil ein zu geringer Kostenansatz gewählt wurde. Leider gibt es dafür nur einer Lösung: Zahlen!

Auch an den Zusatzkosten für das Ärztehaus lässt sich heute nichts mehr ändern. Letztlich sind das die Folgen der Planung bei Projektbeginn, die jetzt sichtbar werden. Wichtig ist, das Haus fertigzustellen und so zu optimieren, dass es zukunftsfähig ist.

11 Was war im vergangenen Jahr Ihre schlimmste Erfahrung? 

Ritz: Mich hat die politische Entscheidung gewurmt, dass die Stadt das Vorkaufsrecht auf das Haus Marktplatz 15 nicht ausgeübt hat. Damit haben wir eine wesentliche Chance auf eine ganzheitliche Entwicklung der Altstadt liegen gelassen.

Hart war auch der Einbruch der Gewerbesteuer um 500 000 Euro. Eine Entwicklung, auf die wir keinen Einfluss hatten. Sie hatte zur Folge, dass wir den Haushalt später und nur mit der erhöhten Grundsteuer einbringen konnten.

12 Sie haben vor einem Jahr gesagt, Sie wollen trotz neuer Aufgaben viel Zeit für Ihre Frau und Ihre zwei Kinder haben. Klappt‘s? 

Ritz: Meistens. Manchmal. Teilweise.

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