Er kennt keine Grenzen

Extremradfahrer Angelo Bressan aus Homberg war im Iran unterwegs

Mit dem Rad durchs Gebirge. Angelo Bressan legte 2200 Kilometer im Iran zurück.

Homberg. Sehenswürdigkeiten interessieren ihn nicht. Wenn sich Angelo Bressan aus Homberg aufmacht, um ein Land zu entdecken, meidet er Orte, die Touristen normalerweise ansteuern.

Doch Touristen sind in den Ländern, in denen der Extremradfahrer aus Homberg unterwegs ist, meistens sowieso rar: Der 55-Jährige kommt gerade von einer Tour aus dem Iran zurück. Und war dort oft sogar nicht nur der einzige, sondern sogar der allererste Tourist.

Über 2000 Kilometer hat er dort zusammen mit seinem Freund Meinhard Rediske aus Marburg zurückgelegt, ist über schneebedeckte Berge und durch brütend heiße Täler gefahren, hat ein Land erlebt, vor dessen Gefährlichkeit ihn viele gewarnt haben und für das er selbst jetzt nur ein Wort findet: „faszinierend“.

Und damit meint Bressan nicht nur die Architektur, die so aussieht wie man sie sich aus 1001 Nacht vorstellt, sondern auch die Menschen, die die beiden Radfahrer zig Mal anhielten, um sie vorsichtig anzufassen, zu fotografieren, und auszufragen, wo sie denn herkommen und was sei denn um Himmels willen mit dem Rad in der Wüste oder auf dem Gipfel wollen.

„Man muss nur Namen wie Beckenbauer oder Schweinsteiger nennen und schon fallen einem wildfremde Männer um den Hals.“

Die Iraner seien ungeheuer neugierig auf Menschen aus anderen Teilen der Welt. „Die Menschen dort stehen in den Startlöchern, sie wollen unbedingt am modernen Leben und am Geschehen teilnehmen“, sagt Bressan. Nichtsdestotrotz gibt es klare Regeln. Als die Radfahrer in ein Unwetter gerieten, nahmen Anwohner die beiden kurzerhand auf und boten eine Übernachtungsmöglichkeit. Da die Häuser im Iran aber meist nur aus einem einzigen Raum bestehen, in dem gekocht, gegessen und geschlafen wird, hatten die Gastgeber ein kleines Problem: Fremde Männer in einem Raum mit der Dame des Hauses - das ging gar nicht. Die Radfahrer logierten also im angebotenen trockenen Eckchen, die Ehefrau des Gastgebers dagegen bei Verwandten.

Fußballerisch ist Weltsprache 

Wie unterhält man sich eigentlich, wenn man kein Wort Farsi spricht und nur wenige Menschen Englisch verstehen? „Auf fußballerisch“, sagt Bressan und grinst. „Man muss nur die Namen Bastian Schweinsteiger oder Franz Beckenbauer sagen und schon fallen einem fremde Männer um den Hals oder klopfen einem freundschaftlich auf die Schulter.“

Drei Wochen waren die beiden Männer im riesigen Iran unterwegs, sind bis zum in der Mitte des Landes gelegenen Isfahan gekommen und von dort wieder heim geflogen. Nächstes Jahr soll die Endstation Isfahan zum Startort werden, von dort soll es weiter nach Pakistan gehen.

Dafür werden Redikse und Bressan noch viel planen müssen. Gott sei Dank wohnt Rediske in Marburg. „Das ist um die Ecke“, sagt Bressan. „Mit dem Rad ist man ja immer schnell da.“

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