Retten ist die wichtigste Aufgabe

Kernstadtfeuerwehr Homberg wegen Verzichts auf Weihnachtsbaumaktion in der Kritik

Daniel Klinge, Sebastian Riedel und Melvin Balk halten einen Weihnachtsbaum und eine Spendendose in die Höhe.
+
In diesem Januar holte die Homberger Jugendfeuerwehr coronabedingt die Weihnachtsbäume nicht ab: Das sorgte für Unmut. Das Foto zeigt von links Daniel Klinge, Sebastian Riedel und Melvin Balk bei einer Sammelaktion vor fünf Jahren.

In diesem Januar holte die Homberger Jugendfeuerwehr coronabedingt die Weihnachtsbäume nicht ab: Das sorgte für Unmut.

Homberg – Es ist Tradition in wohl jedem Ort: Im Januar machen sich die Jugendfeuerwehren auf den Weg, um ausgediente Weihnachtsbäume und damit auch Spenden einzusammeln. Nicht so in diesem Jahr. Coronabedingt mussten die Homberger Feuerwehren auf die Aktion Tannenbaum verzichten. Während auf einigen Dörfern Initiativen das Sammeln für die Wehr übernahmen, mussten in der Kernstadt die Bürger selbst aktiv werden, um die Bäume zu entsorgen. Dafür muss die Kernstadtfeuerwehr nun teils harsche Kritik einstecken.

„Wir bedauern das selbst sehr, dass die Sammelaktion ausfiel“, sagt Matthias Poppitz, Wehrführer und Vereinsvorsitzender der Kernstadtfeuerwehr. „Wir finanzieren mit den Spenden die Jugendabteilung, Dinge wie Zeltlager, Pizza backen und Ausflüge mit dem Nachwuchs.“ 2022 wird der Verein erstmals die Jugendfeuerwehr in der Kernstadt mitfinanzieren müssen, weil durch die abgesagte Tannenbaumaktion Geld fehlt.

Dabei hat sich die Kernstadtfeuerwehr an die Dienstanweisung gehalten: Selbst der Ausbildungsbetrieb musste Anfang Dezember aufgrund der steigenden Coronainfektionszahlen eingestellt werden. Jetzt kam die Empfehlung vom Hessischen Ministerium des Innern, alle außerdienstliche Aktivitäten abzusagen, damit die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren gewährleistet bleibt. Da die Wehren aber Teil der kommunalen Selbstverwaltung sind, kann jede Stadt selbst entscheiden, ob Aktionen stattfinden oder nicht. Homberg entschied sich dagegen.

„Wir wollten die Bäume unter 2G-Plus-Bedingungen einsammeln“, sagt Poppitz. Doch: „Als Wehrführer werde mich keiner Dienstanweisung des Bürgermeisters widersetzen“, begründet er die Entscheidung. Zwar hatte die Kernstadtwehr überlegt, zentrale Punkte für die Abgabe der Bäume einzurichten. „Aber in der Stadt ist es problematisch, mit seinem Weihnachtsbaum durch die Straßen zu ziehen.“ Darüber hinaus sei es für die Kernstadtwehr schwierig, private Initiativen zu organisieren. In vergangenen Jahren sei man mit bis zu zehn Lastwagen unterwegs gewesen. Das müsse bei einer Privataktion versichert werden, sagt Poppitz.

Im vorigen Jahr rückte die Kernstadtwehr zu 225 Einsätzen aus. 2020 lag die Zahl noch bei 149. Eine Steigerung von 51 Prozent. Diese Arbeit übernehmen 77 aktive Einsatzkräfte. 2021 kamen sechs neue Ehrenamtliche hinzu. Aktuell arbeiten sie unter 2G-Regeln, erklärt Poppitz, es gilt eine FFP2-Maskenpflicht. Besonders nach emotional schwierigen Einsatzlagen bereite die Pandemie Probleme: „Wir können danach nicht miteinander sprechen.“

Erschwerend kommt hinzu: Die Kernstadtwehr ist das Zugpferd Hombergs. Sie kann die Aufgaben anderer Wehren übernehmen, sollten diese coronabedingt ausfallen. Für sie gilt das jedoch nicht. Einsätze auf der Autobahn oder mit der Drehleiter könnten nur schwer aufgefangen werden. „Deshalb haben wir uns an die Dienstanweisung gehalten“, sagt Poppitz über den Verzicht. (Chantal Müller)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.