Loyalität zu Sozialarbeiterinnen

Kita-Eltern haben Verständnis für möglichen Erzieherinnen-Streik

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Aufwerten Jetzt: Demonstration zum Warnstreik der Beschäftigten im öffentlichen Sozial- und Erziehungsdienst.

Homberg. Eltern mit kleinen Kindern müssen sich auf große Schwierigkeiten einstellen: Erzieherinnen drohen zu streiken. Homberger Eltern haben für die Streikenden Verständnis.

Zum ersten Mal seit 2009 könnten Erzieherinnen und Sozialarbeiter tagelang oder sogar wochenlang die Arbeit niederlegen und viele Kindertagesstätten geschlossen bleiben.

Die Gewerkschaften bereiten sich jedenfalls auf einen unbefristeten Streik vor. Die Arbeitgeber hätten kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt, kritisiert Verdi.

In Homberg und Wernswig bekommen die Erzieherinnen Rückendeckung von Elternbeiräten. Denn sowohl der Elternbeirat der Kindertagesstätte Osterbach als auch der aus Wernswig haben Verständnis für die Arbeitsniederlegung.

Stefanie Schmidt

Mehr als das: „Wir würden uns wünschen, dass beim nächsten Streik alle Einrichtungen schließen“, sagt Stefanie Schmidt vom Elternbeirat in Wernswig. Dann hätten alle Eltern die gleichen Bedingungen. Mit den Notgruppen, die man in Homberg und anderen Orten eingerichtet habe, laufe der Alltag in der Kinderbetreuung für viele weiter.

Beruf immer unattraktiver 

In einem Brief an die Eltern positioniert sich auch die Elternbeiratsvorsitzende der Kita Osterbach, Friederike Link, ganz klar: „Es gibt nicht genug Kindergartenplätze und viel zu wenig qualifizierte und engagierte Erzieherinnen und Erzieher. Der Bedarf an Personal steigt stetig.“ Doch werde der Beruf immer unattraktiver. „Die Anforderungen und Belastungen werden höher. Die Bezahlung jedoch wird nicht angepasst“, schreibt Linke. Für sie und Schmidt ist klar, dass die Eltern Solidarität, Loyalität und Wertschätzung gegenüber den Menschen zeigen sollten, die sich täglich um ihre Kinder kümmern.

„Uns ist auch klar, dass einige Eltern, vor allem berufstätige, ein großes Problem hätten, wenn die Betreuung nicht stattfinden würde“, sagt Schmidt. Doch sei es auch die Aufgabe der Eltern, mit den Mitarbeitern der Kindergärten zu kooperieren. Denn die Arbeit der Erzieher umfasse weit mehr als Spielen, Singen und Wickeln, betont Schmidt. „Das verdient unser aller Unterstützung“, so Linke in ihrem Brief.

Sie honoriert auch das Vorgehen der Streikenden: Normalerweise würden Streiks gar nicht oder nur kurzfristig angekündigt. Um die Unannehmlichkeiten für die Eltern so gering wie möglich zu halten, hätten sich die Mitarbeiterinnen jedoch entschieden, die Eltern zu informieren. Und: Eltern, die keine Möglichkeit haben, ihre Kinder zuhause zu betreuen, konnten sie in Notgruppen anmelden. Auch das sei ein Entgegenkommen, betont Schmidt. Die Erzieherinnen seien sehr verantwortungsvoll mit der Situation umgegangen.

Gerade wenn ein Streik sich über einen längeren Zeitraum erstrecke, sei das eine große Belastung für Eltern, sagt Schmidt. Doch hoffe sie, dass das nicht zu Konflikten zwischen Eltern und Erzieherinnen führe. Streiks für gute Arbeitsbedingungen seien legitim.

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