Einen Euro pro Minute gibt es für die Musiker 

Kleine Zeitenwindbühne Homberg: Wo Hausmusik zu Hause ist

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Steckt viel Herzblut in seine kleine Bühne: Detlev Zesny bietet mit seiner Ehefrau in Sondheim auf der „Kleine Zeitenwindbühne“ Wohnzimmerkonzerte an.

Konzertbesuchern reicht es schon lange nicht mehr aus, einfach nur Musik zu hören. Konzerte werden zum Event. In einer Serie stellen wir außergewöhnliche Orte vor. 

Einmal im Monat wird es voll im Haus von Petra und Detlev Zesny. Und zwar so voll, dass ein kleines Zimmer nahezu aus allen Nähten platzt. Zu dem Paar kann jeder kommen. Ganz egal ob Musiker, Sänger oder Autor. Und wenn Künstler nach ihrem Auftritt so begeistert sind, dass sie gerne wieder kommen möchten, dann ist der 58-Jährige „richtig glücklich“. Platz bietet der Sondheimer nur wenig – gerade so viel, dass ein familiäres Musikerlebnis entsteht. Er betreibt die „Kleine Zeitenwindbühne“ in Sondheim.

Wer ein Wohnzimmerkonzert erleben möchte, der ist bei Detlev und Petra Zesny richtig. „Ursprünglich war das wohl mal ein Schlafzimmer“, erzählt der Sondheimer. Heute stehen Regale voll mit Büchern und CDs im Zimmer, die Wände hängen voll mit Plakaten und Bildern von Musikern, die schon einmal auf der Zeitenwindbühne gespielt haben, Stühle stapeln sich, der gelbe Teppich dämpft die Schritte, während über die Musikanlage Folk-Lieder der Band Shiregreen laufen.

Die standen schon zwei Mal auf der kleinen Bühne am Ende des 18 Quadratmeter großen Raumes im Wohnhaus der Zesnys, der Platz für etwa 20 Besucher bietet – als eine der ersten Bands, die auf der Zeitenwindbühne aufgetreten sind. Inzwischen ist die Gage der Band aber zu hoch, sagt der 58-Jährige. Denn mehr als 150 Euro verdient keiner der Künstler, der bei den Zesnys auftritt. Ein Euro pro Minute gibt es, jedoch maximal 150 Euro. Anders könnte das Paar die Konzerte nicht finanzieren.

Alle Auftritte gelten als Hutkonzert, jeder Besucher spendet so viel er möchte. In ihrem richtigen, privaten Wohnzimmer sorgen Petra und Detlev für Getränke und Essen, bezahlt wird alles aus der eigenen Tasche.

Dabei hat alles noch viel kleiner angefangen, als es jetzt geworden ist: Detlev Zesny ist selbst Autor, schreibt Romane und lyrische Texte. Aus dem zuvor überflüssigen Zimmer entstand ein Probenraum. Bis seine Frau sagte, er solle eine Bühne bauen. Da hätte er „mal geschaut, ob er Paletten findet“, erzählt der Sondheimer.

So entstand nach und nach ein kleiner Ort für Konzerte. Die Paletten wurden mit Laminat verkleidet, ein Sternenhimmel und Strahler kamen später dazu. Die neueste Errungenschaft ist ein Mischpult. „Wir haben hier alles, was eine große Bühne auch hat.“

Aus Sperrholz hat Zesny jeden einzelnen Buchstaben ausgesägt, die der Bühne ihren Namen geben sollten. Für jeden Musiker fertigt er vor deren Auftritt ihr Logo für die Bühne an. Man spürt, wie viel Herzblut das Paar in seinen „Kleine Zeitenwindbühne“ steckt.

Viel öfter als einmal im Monat möchten die Zesnys aber gar keine Gastgeber sein. Detlev Zesny genießt die familiäre Atmosphäre, dass man nach den Konzerten mit Musikern und Gästen zusammensitzt und sich unterhält. „Wir machen hier Hausmusik. Das macht mich glücklich.“

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