Das Backen stärkt die Dorfgemeinschaft

Kneten mit Ilses Hilfe: Hochlandbäcker Welferode backen nach alter Tradition

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Klebrige Angelegenheit: Karl-Ernst und Ingrid Paul portionieren den fertigen Teig im Dorfgemeinschaftshaus, der zum Ruhen in bemehlte Formen gelegt wird.

Welferode.  Wenn der Ofen angeheizt ist, der Schornstein raucht und es in dem kleinen Backhaus in Welferode nach frischem Brot duftet, dann sind die Hochlandbäcker wieder am Werk.

Eine Gruppe aus 16 Welferödern, die ihr Brot wieder nach alter Tradition backen – mit regionalen Zutaten. „Wir wollten eine alte Tradition wieder aufleben lassen“, sagt Rolf Walter, zuständig für die Pressearbeit der Bäcker. So kam es, dass 16 Welferöder – der jüngste gerade Mitte 20, der älteste Mitte 70 – überlieferte Brotrezepte für den Eigenbedarf herstellen. Ziel der Gruppe ist es, Traditionen an die jüngere Generation weiterzugeben. „Nur so können sie bewahrt werden“, sagt Walter. Deshalb hätten sie in der Vorweihnachtszeit kurzerhand Christstollen mit einem Rezept aus dem 16. Jahrhundert gebacken.

Alle vier bis fünf Wochen treffen sich die Hochlandbäcker, um ihr eigenes Brot zu backen. Freitags wird der Vorteig angesetzt, samstags heißt es Mehl sieben, Teig kneten, Laibe formen, den Ofen anheizen und das Brot backen – das alles in Gemeinschaftsarbeit und unterstützt von Knetmaschine Ilse. Roggenmehl und Roggenschrot kaufen sie direkt in der Mühle in Obervorschütz, sagt Walter. Der Sauerteig stamme von einem Bäcker aus dem Ort.

„Drei von uns sind hauptsächlich für das Anfeuern des Ofens zuständig“, sagt Walter. Das ist gar nicht so einfach: Bereits freitags wird der alte Ofen im Backhaus vorbereitet und schon einmal mit Buchenholz aufgewärmt, erzählt er. Nur so könnten sie sicher sein, dass der alte Ofen, der aus Schamottsteinen besteht, am Samstag keine drei Stunden braucht, um warm zu werden.

Etwa ein Meter Holz werde an solch einem Tag verbrannt, sagt Walter. Reguliert wird die Temperatur durch Öffnen und Schließen der Ofentür. „Das ist ein Produkt, das wir mit unseren eigenen Händen schaffen.“

Die Wartezeit verbringen die Welferöder gemeinsam vor dem Backhaus. „Irgendjemand bringt Kaffee mit, der nächste ein paar Bänke oder etwas zu essen“, sagt Walter.

Und dann werde geredet, bis es Zeit für die Klopfprobe ist, die anzeigt, dass ein Brot fertiggebacken ist. Bis in den Mittag hinein seien sie beschäftigt. „Es hält den Ort lebendig und stärkt unsere Gemeinschaft“, sagt Walter. Um die richtige Mischung für ihr Brot zu finden, hätten sie ein wenig ausprobieren müssen. Nun, da das Grundrezept stehe, würden sie mutiger. Beim nächsten Mal soll mit Röstzwiebeln und Schwarzbier experimentiert werden.

Dass die Welferöder durch das Backen zu einer stärkeren Gemeinschaft geworden sind, zeigen auch die geplanten Projekte: Bald soll in Eigenleistung Dach und Dachstuhl des Backhauses erneuert werden, für den Sommer ist ein Backhausfest geplant. Auf dem Marktplatz in Homberg verkauften die Welferöder Hochlandbäcker im vergangenen Jahr ihr Brot – der Erlös von 330 Euro ging an den Verein Kleine Riesen in Kassel.

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