Zweckverband beginnt mit Arbeit Anfang 2021

Knüll soll Naturpark werden: Anerkennung vor Ostern?

Zwei Wanderer stehen auf einer Brücke in der Lochbachklamm in Wallenstein. Sie schauen auf das kleine Gewässer, das sich unter der Brücke hindurch schlängelt.
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Wandern war in diesem Jahr absolut in Mode – auch in der Lochbachklamm in Wallenstein tummelten sich die Wanderer. Die Wege im Knüll sollen verbessert werden.

Seit Jahrzehnten gibt es die Idee, thematisch aufgenommen wurde sie vor wenigen Jahren und 2020 konkretisiert: Der Knüll soll zum Naturpark werden. Im Herbst hat der Zweckverband Knüllgebiet den offiziellen Antrag an das Land Hessen gestellt. Wenn alles gut läuft, hofft der Verband auf Aufnahme noch im ersten Quartal 2021.

Schwalm-Eder - Der Knüll soll Naturpark werden. Und seine Chancen stehen gar nicht schlecht: Die Ausweisung des Knülls als Naturpark wird derzeit geprüft. Eine Entscheidung soll bis Ostern gefällt werden, teilt das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz und Verbraucherschutz auf Anfrage mit. Der Naturpark soll trotzdem bereits ab Anfang 2021 aufgebaut werden. „Wir wollen auf jeden Fall an der Infrastruktur des Knülls arbeiten“, sagt Dr. Nico Ritz, Vorsitzender des Zweckverbands Knüllgebiet.

17 Kommunen des Schwalm-Eder-Kreises und des Landkreises Hersfeld-Rotenburg sollen Teil des Naturparks werden. Bad Hersfeld, Bebra und Morschen sind nicht Mitglied im Zweckverband. Sie müssen daher entscheiden, ob sie angebunden werden wollen, oder nicht. Die Vorteile für jede einzelne Kommune liegen für Ritz klar auf der Hand: „Die Kommunen verbindet eines – das ist der Knüll.“ Es mache Sinn, sich um die Weiterentwicklung gemeinsam Gedanken zu machen. „Es ist für alle von Vorteil, wenn ein Wanderweg nicht an der eigenen kommunalen Grenze endet“, nennt er ein Beispiel.

Das Naturpark-Konzept sieht eine einfache Struktur vor. Der Zweckverband ist die Grundlage, ein eigenes Infozentrum soll es nicht geben. Vielmehr soll der Naturpark dezentral mehrere Anlaufpunkte erhalten. Diese könnten Wildpark Knüll, Umweltbildungszentrum Licherode und der Eisenberg sein. Ein Pflegetrupp wird nicht eingerichtet. Der Zweckverband organisiert die Kontrolle der Wege und verteilt die Aufgaben, die die Kommunen in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich übernehmen, erklärt Ritz, der auf eine Anerkennung im ersten Quartal des Jahres 2021 hofft.

Doch ob nun Naturpark oder nicht – die ersten Projekte zur Weiterentwicklung setzt der Zweckverband bereits um. So gab es kürzlich 266 000 Euro aus der Leader-Förderung des Bundes für 20 interkommunale Premiumwanderwege. 17 von ihnen sollen neu angelegt, drei überarbeitet werden. Alle Wege sollen zwischen 2021 und 2022 entstehen – insgesamt 175 Kilometer.

Vier Themenkomplexe für den Naturpark Knüll

Bis es aber so weit war, lag eine Menge Arbeit vor dem Zweckverband, berichtet dessen Vorsitzender Dr. Nico Ritz. „Besonders herausfordernd war, Akteure in der Region zu gewinnen.“ Denn anfangs habe es viele Vorbehalte gegen die Idee gegeben. Konzepte mussten entwickelt, eine Struktur geschaffen und eine gewisse Anzahl von Schutzgebieten nachgewiesen werden.

Das Konzept hat der Zweckverband so angelegt, dass er jederzeit nachsteuern und weiterentwickeln kann. So soll etwa die Entscheidung gegen einen Pflegetrupp innerhalb der Startphase überprüft werden. Die Pflege soll zunächst von den kommunalen Bauhöfen übernommen werden. „Unser Anspruch bei der Vorbereitung war, nicht alles doppelt vorzuhalten“, so Ritz. Deshalb sollen durch den Naturpark auch keine eigenen touristischen Strukturen aufgebaut werden. Ziel ist vielmehr, vom Naturpark entwickelte Angebote, die sich für eine touristische Vermarktung eignen, über die Arbeitsgemeinschaften Rotkäppchenland und Erlebnisregion Mittleres Fuldatal über die Stadt Bad Hersfeld und die GrimmHeimat zu vermarkten.

„Durch den Naturpark rücken wir enger zusammen“, glaubt Ritz und findet eine Weiterentwicklung des Knülls als Naturraum wichtiger denn je. „Wir haben in diesem Jahr gesehen, welche Bedeutung die Natur hat, wenn plötzlich alles andere wegfällt“. Umso wichtiger sei es, diesen Raum für alle, die ihn nutzen, zu gestalten und vor allen Dingen zu erhalten. Für die inhaltliche Arbeit wurden Themenkomplexe entwickelt: Regionale Produkte in Wert setzen, Arten- und Biotopvielfalt erfassen, erhalten und weiterentwickeln, Wanderangebote schaffen und Umweltbildungsangebote miteinander vernetzen. Das sind die Vorteile, die ein Naturpark brächte. Angebote wie Wanderwege, Bildungsmöglichkeiten im Bereich Natur und Stärkung regionaler Produkte können verbessert werden, wenn ein Netzwerk entsteht.

„Der Naturpark wird aus dem entwickelt, was da ist. Wir wollen ihm nichts andichten, wofür der Knüll nicht steht“, so Ritz. Finanzielle Unterstützung erhielte der Naturpark vom Land. Außerdem könnten Zuschüsse über die Regionalförderung, die Leader-Förderung, den Naturschutz und die Kulturlandschaft generiert werden.

17 Kommunen an Naturpark Knüll beteiligt

Teil des zukünftigen Naturparks Knüll sind 17 Städte und Gemeinden aus den Landkreisen Schwalm-Eder und Hersfeld-Rotenburg. Dazu zählen: Frielendorf, Homberg, Knüllwald, Neukirchen, Oberaula, Ottrau und Schwarzenborn im Schwalm-Eder-Kreis. Morschen ist nicht Mitglied im Zweckverband und muss daher entscheiden, ob es Teil des Naturparks werden will. Und im Kreis Hersfeld-Rotenburg: Alheim, Breitenbach am Herzberg, Kirchheim, Ludwigsau, Neuenstein, Niederaula und Rotenburg an der Fulda. Auf Bad Hersfeld und Bebra trifft dasselbe zu wie auf Morschen – sie sind keine Mitglieder im Zweckverband und entscheiden selbst, ob sie Teil des Naturparks werden wollen, oder nicht.

83 Hektar umfasst der Naturpark Knüll

Der Naturpark umfasst eine Fläche von 83.258 Hektar, 42,7 Prozent davon (35.597 Hektar) sind Schutzgebiete, 31,6 Prozent (26.331 Hektar) unzerschnittene Flächen. Etwa 52 Prozent sind bewaldet, weitere 43 Prozent werden landwirtschaftlich genutzt. Der Antrag auf Aufnahme des Knülls als Naturpark sollte bereits im Sommer gestellt werden, das verzögerte sich durch die Corona-Pandemie jedoch. Im Herbst beschloss der Zweckverband einstimmig, den Antrag einzureichen.  (Chantal Müller)

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