Mit Ködern gegen Ratten: Stadt Homberg lässt Gift auslegen

Versehen bis zu 200 Kanaldeckel am Tag mit Ködern: Roland Völker vom Bauhof Homberg (links und Schädlingsbekämpfer Sebastian Schüßler legten in den vergangenen Tagen in und um Homberg Gift, um die Rattenbestände nicht weiter wachsen zu lassen. Fotos:  Brandau

Homberg. Wo der Mensch Spuren hinterlässt, ist sie da: die Ratte. Auch im Kanalnetz Hombergs ist sie anzutreffen. Die Stadt legt Gift, um den Bestand nicht weiter wachsen zu lassen.

Kanaldeckel aufhebeln und mit der Spraydose markieren Köder festbinden und sichern, Kanaldeckel wieder anheben und auflegen: Das haben Sebastian Schüßler und Roland Völker neulich ungezählte Male am Tag getan. Der Schädlingsbekämpfer aus Hanau und der Mitarbeiter des Homberger Bauhofs haben an fast 200 Stellen im Kanalnetz der Kreisstadt Giftköder für Ratten ausgelegt.

Denn auch wenn die Tiere scheu und kaum zu sehen sind, so gibt es sie doch in großer Zahl. In so großer, dass die Stadt Homberg regelmäßig zwei Mal im Jahr von einer Fachfirma die Giftköder auslegen lässt. „Es gibt sonst keine Methode, die Rudel zu reduzieren“, sagt Roland Völker.

„Jedes Mal, wenn man Essen ins Klo schüttet, freuen sich die Ratten.“

Wer glaubt, dass Ratten nur in Mittelalterfilmen vorkommen, in denen Hebammen, Henker, Huren und Hexen ums Überleben kämpfen, der irrt: Wo der Mensch Spuren hinterlässt, folgt ihnen die Ratte. Jedes Kanalnetz sei das beste Beispiel dafür, sagt Sebastian Schüßler, Dort leben die Ratten trocken, warm und sozusagen mit Vollpension: „Jedes Mal, wenn man Essen ins Klo schüttet, freuen sich die Ratten“, sagt der Schädlingsbekämpfer aus dem Südhessischen. „Das ist für die Nager, als würde man eine Sushi-Bar für sie eröffnen: Das Essen schwimmt an ihnen vorbei, sie können sich das raussuchen, worauf sie Lust haben.“

Bei solch paradiesischen Zuständen ist es kein Wunder, dass die Zahl der Ratten immer nur zu-, aber nie abnimmt. Die Giftköder, die die Schädlingsbekämpfer in regelmäßigen Abständen anbringen, sollen das verhindern.

In Homberg befestigten sie an allen Kreuzungen, Einmündungen und Sackgassen die Blöcke, die exakt wie Seifenstücke aussehen und befestigten sie so, dass sie weder wegschwimmen noch von den Tieren weg getragen werden können. Sebastian Schüßler verrichtet seinen Job routiniert, an manchen Tagen versieht er bis zu 200 Kanaldeckeln mit dem Gift.

Hat er keine Angst, dass er mal einer Ratte in die Augen sieht, wenn er sich dort zu schaffen macht und die Kanaldeckel hebt? Nein, sagt der 34-Jährige und schüttelt den Kopf. „Ich ekel mich nicht davor“, sagt der Hanauer. Er fürchtet sich vor nichts, was kriecht und krabbelt.

Der Beweis für die mutige Aussage: Schüßler hat daheim ein Haustier, das er sehr mag. Es heißt Else und ist eine Vogelspinne.

Die giftigen Köder sehen aus wie ein Stück Seife und bestehen aus pflanzlichem Material und beinhalten Blutgerinnungshemmer, die einen zeitversetzten Tod bewirken soll. Ratten sind intelligent. Sie würden nie den Köder annehmen, wenn sie einen Zusammenhang zwischen dem Futter und dem Tod ihrer Artgenossen herstellen könnten. Dadurch aber, dass die Köder zeitversetzt wirken, ist ihnen das nicht möglich. Sie nagen den Giftblock an - und verenden binnen etlicher Tage. Ob dieser Tod tatsächlich schmerzlos ist, wie es auf vielen Internetseiten heißt, ist wohl durchaus bezweifelbar.

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