Die Quote an der Spitze stimmt 

Kreisverwaltung Homberg setzt auf Frauen in der Führung  

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Frauenpower für die Verwaltungsspitze: Büroleiterin Kirsten Kühnemund (rechts) und ihre Stellvertreterin Sabine Baumunk, die für eine funktionierende Kreisverwaltung sorgen sollen.  

Schwalm-Eder. Ohne diese beiden Frauen wäre Landrat Winfried Becker aufgeschmissen. Und nicht nur er. Das gibt er unumwunden zu.

Denn Kirsten Kühnemund, die seit knapp 100 Tagen Büroleiterin in der Homberger Kreisverwaltung ist, und ihre Stellvertreterin Sabine Baumunk halten die Fäden in der Hand.

Sie sorgen dafür, dass die Fachbereiche, Ämter und Bereiche miteinander abgestimmt werden und bestmöglich funktionieren.

Sie sind das Bindeglied zwischen Rechtabteilung und Bauwesen, Sozialamt und Nahverkehr; sie müssen die Entwicklungen im Auge behalten, mithilfe vom Controlling erkennen, wie bestimmte Aufgabenbereiche laufen.

Eine Menge Aufgaben und ein Haufen Verantwortung. Doch Kirsten Kühnemund lächelt und sagt: „Ich habe keine Sekunde gezögert, als mir diese Aufgabe angeboten wurde.“ 15 Jahre war sie als Chefin für das Personal zuständig, sie kennt den Laden gut, und auch viele der über 1000 Mitarbeiter der Kreisverwaltung.

Mit dem Landrat, der in den drei Jahren seit seiner Wahl einiges in der Verwaltung umorganisiert hat, verbindet Kühnemund ein stabiles Vertrauensverhältnis. „Ohne das ginge es auch nicht“, sagt Becker. Denn was auf der politischen Ebene geplant und beschlossen wird, muss in der Verwaltung, in den Büros umgesetzt werden – dafür ist die Büroleitung da.

Was erhofft sich die 50-jährige Juristin von ihrem neuen Aufgabenbereich? „Ich kann mehr als bisher juristisch arbeiten, den Dingen auf den Grund gehen“, sagt Kirsten Kühnemund. Sie hofft, mehr als bisher gestalten zu können, nicht nur zu verwalten. „Ich möchte perspektivisch arbeiten, an Entwicklungen für die nächsten Jahre mitarbeiten“, betont die Büroleiterin.

Sie stelle sich zudem die Frage: Was erwarten die Bürger von uns als Verwaltung? Welche Wünsche haben sie? Wie können wir dem entsprechen?

Wichtig sei auch, dass sich der Kreis besser als bisher in Szene setze. „Wir müssen den Menschen, der Öffentlichkeit zeigen, was eine solche große Verwaltung leistet.“ Schließlich sei die Verwaltung zwar ein Dienstleister, aber außerdem auch einer der größten Arbeitgeber. Wer wisse schon, welche Berufe alle vertreten seien, von ihr als Juristin über Ingenieure, Architekten, Sozialarbeiter, Pädagogen, Psychologen und so weiter – bei Weitem nicht nur reine Verwaltungsangestellte erhalten ihr Gehalt vom Kreis.

Bemühen will sich Kühnemund weiter um ein positives Bild von der Verwaltung auch deshalb, um junge Menschen anzusprechen, die an einer Ausbildung interessiert sind. Der Mangel an geeignetem Nachwuchs mache sich auch dort bemerkbar, sagt sie.

Wichtig sei die Büroleitung als zentrale Anlaufstelle auch bei besonderen Ereignissen, ergänzt Landrat Becker. Als Beispiel nennt er 2015 die Flüchtlingswelle mit der Aufgabe der Unterbringung der Menschen. Oder in früheren Jahren der Verkauf der Kreiskliniken, die Debatte um die Müllgebühren – gemanagt wurden sie zunächst vom Büroleiter. Aktuell war es das Busunglück mit den Kindern im Ferienlager Dahme: „Wen habe ich zuerst angerufen? Die Büroleiterin!“ sagt Becker. Sie war gerade beim Wandern im Knüll.

Zuständig sind die beiden Frauen außerdem bei den Beteiligungen: Ob Kreissparkasse, EAM, Nahverkehr, Breitband Nordhessen, Jobcenter oder Starthilfe – überall mischt der Kreis mit, ist der Landrat oder sein Stellvertreter in verantwortlicher Position. „Gut, wenn da jemand den Überblick hat und Sitzungen, etc. vorbereitet“, sagt Becker.

Nicht zuletzt die Öffentlichkeitsarbeit: Sie ist ebenfalls der Büroleitung unterstellt, deren Mitarbeiter gehören zum Fachbereich 03, wie auch das Controlling. Wie gut, dass die Juristin öffentliches Recht immer als ihr Lieblingsgebiet verstanden hat. Sie mag die Vielfalt, jetzt hat sie sie. Tagtäglich.

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