Kritik an Tennet und Politik: Südlink-Gegner diskutierten

Diskutierten über die geplante Stromtrasse Südlink: (von links) Bernd Herbold, Erika Carstensen-Bretheuer, Angela Dorn und Prof. Hans Martin. Foto: Zecher-Christ

Homberg. Eine hitzige Diskussion hat sich während der Landesverbands-Aktion „Farbe bekennen" der Bürgerinitiativen gegen Südlink entwickelt.

Zahlreiche Mitglieder waren am Freitagabend im Hotel Stadt Cassel in Homberg, wo sich Angela Dorn (Energiepolitische Sprecherin der Grünen im Hessischen Landtag) den Fragen stellte.

„Die Grünen in Wiesbaden sind vehemente Verfechter der Stromtrasse Südlink. Sie möchten sie haben, egal ob als Mastenbau oder unter die Erde“, sagte Bernd Herbold, Sprecher der Bürgerinitiative Hessen. In den vergangenen Monaten hätten sich viele Experten und Wissenschaftler die Notwendigkeit der Megatrasse in Frage gestellt.

Dorn erläuterte, warum sie für den Netzausbau ist. „Wir haben einen Atomausstieg beschlossen, der absolut überfällig war“, sagte sie. Es gehe eine Menge Kapazität vom Netz und man habe Zeitdruck. Das Schlimmste was passieren könne, sei, wenn die Atomkraftwerke länger am Netz blieben. Man habe ein Riesenpotenzial an Speichertechnologie, das genutzt werden müsse.

Nicht nur sauberer Strom 

Der Südlink sei eine der Trassen, die in jedem Bedarfsszenario genannt würde, egal ob als zentrale oder dezentrale Energieversorgung. „Natürlich wird durch Südlink nicht nur sauberer Strom durch Wind und Sonne geleitet“, sagte Dorn. Sie hätte es richtig gefunden, wenn man die Bürger am Netzausbau beteiligt hätte, ein Teil der Netze in Bürgerhand gegangen wäre.

Abwertung der Region 

Zahlreiche Besucher übten am Freitagabend Kritik. Man brauche den Südlink nicht, damit Großkonzerne ihren Strom ins Ausland verkaufen könnten. Es sei skandalös, dass die Firma Tennet Planer und Ausführer sei, praktisch ein Monopol hätte. 22 Prozent des Stroms, der durchfließen würde, entstünde durch Windkraft aus Schleswig-Holstein, der Rest käme aus den Niederlanden. Man brauche diese Supergrids nicht. Große Konzerne hätten eigene Kraftwerke. Andere Zuhörer befürchteten eine Abwertung der Region durch die Megatrasse. Es könne nicht sein, dass Wirtschaftlichkeit wichtiger sei, als die Gesundheit von Mensch und Tier. „Die 23 nord- und osthessischen Bürgerinitiativen werden genau beobachten, was die Regierenden in Sachen Südlink unternehmen“, sagte Herbold.

Von Nadja Zecher-Christ

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