Vortrag in Homberg

Künstliches Licht ist für viele Insekten eine Todesfalle

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Unwiderstehlich für nachtaktive Insekten: das Licht einer Straßenlaterne. Es wirkt wie ein Insektenstaubsauger, viele der Falter und Fliegen sterben. „Dagegen kann man etwas tun“, meinen Umweltschützer und laden zum Infoabend ein.

Zum Thema „Licht in der Nacht“ und den Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft forscht Dr. Sibylle Schroer am Berliner Leibniz-Institut. Sie ist Referentin bei der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung über „Lichtverschmutzung als Insektenstaubsauger“, die am Dienstag, 19. Februar, 19 Uhr, in der Stadthalle in Homberg stattfindet.

Die Nacht ist längst nicht mehr richtig dunkel. Künstliches Licht macht sich vielmehr überall breit. Das ärgert nicht nur die Sternengucker und Hobbyastronomen, die kaum noch ihre Objekte am Himmel finden und über die „Lichtverschmutzung“ klagen.

Die hellen Lichtquellen, die Jahr für Jahr in den bewohnten Gebieten des Planeten die natürliche Dunkelheit vertreiben, haben auch Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen. 

Über das Insektensterben werde viel geredet und geschrieben, gerade was die Bienen betreffe, sagt Claus-Hartwig Otto vom BUND in Homberg. Dagegen sei die Gefahr, die von den Leuchtkörpern in der Nacht ausgehe, nicht so bekannt. Forschungen des Leibniz-Instituts hätten jedoch ergeben, wie viele nachtaktive Insekten durch zuviel Licht bedroht seien.

Mit dem Info-Abend soll erreicht werden, dass das Problem bekannter wird, gerade bei den Kommunen, die für die Straßenbeleuchtung zuständig sind. Das sagt Erik von Lühmann, einer der Mitorganisatoren. Tipps stehen ebenfalls auf der Tagesordnung: Zum Beispiel sei blaues Licht gefährlicher für Insekten als orangenes Licht. Das gebe es auch in energiesparender LED-Technik.

„Viele Städte und Gemeinden rüsten zurzeit um, da könnte es doch wichtig sein zu wissen, wie man ohne großen Aufwand insektenfreundlichere Laternen anschafft“, sagt Otto.

Mit der Referentin habe man eine Top-Frau zu Gast, die über die ökologischen Folgen der Lichtverschmutzung kompetent berichten könne, so die Veranstalter. Sie gebe auch praxisnahe Hinweise, etwa für die Beleuchtung in Privatgärten. „Es muss etwas passieren“, sind sich die beiden BUND-Mitglieder einig: Geht das Sterben der nachtaktiven Insekten weiter, leidet darunter die Biodiversität, viele Pflanzen werden nicht bestäubt.

Organisiert wird der Abend von BUND, NABU, dem Ev. Forum Schwalm-Eder und der Stadt Homberg.

Zur Person:

Dr. Sibylle Schroer Projektkoordinatorin der Arbeitsgruppe Lichtverschmutzung und Ökophysiologie 

Dr. Sibylle Schroer (45) hat sich dem Kampf gegen die Lichtverschmutzung verschrieben. Sie studierte zunächst Gartenbauwissenschaft in Berlin, arbeitete dann an der Uni Kiel und promovierte dort 2005. Bis 2007 war sie als Post-Doktorandin an der University of Florida in Fort Lauderdale tätig, bis 2010 Mitarbeiterin am Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen in Kleinmachnow. Seit 2010 ist sie Projektkoordinatorin der Arbeitsgruppe Lichtverschmutzung am Leibniz-Institut für Gewässerökologie Berlin.

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