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Digitaler Rundgang: Homberger Künstlertreff am eigenen PC zu entdecken

Digitale DNA: André Grabczynski mit einem seiner Bilder namens Geometrie, das er virtuell zeigt.
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Digitale DNA: André Grabczynski mit einem seiner Bilder namens Geometrie, das er virtuell zeigt.

Die Homberger Stadthalle wäre am kommenden Wochenende wieder gut besucht gewesen. Das ist wegen der Coronakrise nun anders. Der Künstlertreff öffnet seine Türen virtuell – und lässt sich ganz einfach zu Hause am eigenen PC besichtigen.

Homberg – Den digitalen Rundgang durch die Kunstausstellung hat André Grabczynski, künstlerischer Leiter, zusammengestellt. Er bietet ihn seit Anfang Juli an. „Viele haben ihn bereits gesehen und sind mit dem Ergebnis zufrieden“, sagt Grabczynski.

Die Handhabung

Wer sich den virtuellen Rundgang durch die Ausstellungshalle anschauen möchte, kann den Link unter der Homepage des Homberger Kulturrings (homberger-kulturring.de) herunterladen. Wie in der Stadthalle fühlt man sich nicht – eher wie in einem Computerspiel. Dennoch: Die Optik ist ansprechend. Es ist, als gleite der Besucher durch eine Halle. Beim Betreten der virtuellen Treppe holpert man auf seinem Stuhl fast mit.

Für Geübte ist der Rundgang leicht verständlich. Die Organisatoren haben eine Skizze der Ausstellungshalle mit Namen der Künstler angefertigt, sie auszudrucken und beim Rundgang bereit zu halten, empfiehlt sich. Sie erklärt, wie sich Besucher durch den Raum bewegen und die einzelnen Kunstwerke zum näheren Betrachten groß und scharf stellen können. Das braucht etwas Übung.

Wer damit gar nichts anfangen kann, kann sich die Werke in einem Video auf Youtube anschauen.

Die Künstler

Eine Liste mit Künstlern und den Standorten ihrer Werke gibt es zum Selbstausdrucken. 23 Künstler machen mit. Darunter viele alteingesessene wie Barbara Wimmel aus Homberg und Werner Klier aus Malsfeld. Während Klier sich treu bleibt mit seiner Landschaftsmalerei, treffen Besucher bei Barbara Wimmel immer wieder auf Neues: So überrascht sie etwa mit aquarellisierten Zeichnungen von Frauenbildern. Auch die Hombergerin Dietlind Henß, die man sonst nicht beim Künstlertreff antrifft, ist mit digitalen Bildern dabei. Sie leuchten im Licht des Computers noch einmal intensiver. Es sind aber auch junge Künstler, die teils überraschen: da sind Anna Pavlova aus Frielendorf oder Sophie Lumpe aus Homberg und Sylv Ochenkowski aus Bad Wildungen. „Nachwuchs ist dringend nötig, darüber freuen wir uns sehr“, sagt Grabczynski. Er hebt zudem die Holzskulpturen von Rolf Wehrum hervor, der das erste Mal am Künstlertreff teilnimmt.

Übersichtliche Ausstellungshalle: Besucher des virtuellen Rundgangs können die Kunstwerke nah an den Bildschirm heranholen.

Das Kunsterlebnis

Ein Vorteil des virtuellen Rundgangs: das Kunsterlebnis hält an. Jedes Bild kann so lange betrachtet werden, wie man möchte. Einmal auf dem PC gespeichert, ist der Künstlertreff für immer da. Das Problem: Man kann nicht mit den Künstlern sprechen, etwas über ihre Intention, das Thema oder den Weg erfahren, auf dem sie sich befinden.

Dass sich André Grabczynski mit der digitalen DNA beschäftigt, erfährt man nur im Gespräch mit ihm. Er verfremdet derzeit die Pixel in Bildern und schafft durch Vergrößerungen neue Formen und Figuren, in Analogie zur Veränderung von menschlicher DNA etwa für medizinische Zwecke. Der Austausch mit den Künstlern fehlt also beim virtuellen Treff. Das ist ein großes Manko. Aber etwas, woran gearbeitet werden könne, meint der künstlerische Leiter.

Virtuelle Nachschau

In späteren Versionen des Künstlertreffs könnte eine Vita der Künstler eingeblendet werden oder Interviews zu den Bildern erstellt werden, berichtet Grabczynski. Genug Ideen der Organisatoren gibt es also. Der virtuelle Rundgang solle künftig weiter Bestand haben.

Falls der Treff im kommenden Jahr wieder normal stattfindet, soll ein digitaler Rundgang als Nachbereitung angeboten werden. Denn das sei ein Ergebnis in diesem Jahr, so Grabczynski: Der virtuelle Rundgang ist nicht nur eine Ausnahme. (Christine Thiery)

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