Lieder über Nordhessen

Musiker Bernd Barbe lebt in Hombergshausen in einem Bauwagen

Der Hof in Hombergshausen bietet viel Platz für Kreativität: Bernd Barbe sitzt mit seiner Gitarre in einem alten Doppeldecker-Bus. Er dient während des Musikschutzgebiets als Cocktailbar.
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Der Hof in Hombergshausen bietet viel Platz für Kreativität: Bernd Barbe sitzt mit seiner Gitarre in einem alten Doppeldecker-Bus. Er dient während des Musikschutzgebiets als Cocktailbar.

Was in einigen Jahren in Metropolregionen aus Platzmangel zum neuen Wohntrend werden könnte, ist in Hombergshausen längst Realität. Direkt hinter dem Hof der Tierfairbrik lebt der Musiker Bernd Barbe mit vier anderen Menschen in sogenannten Tiny Houses.

Hombergshausen – Auf einer Wiese haben sie sich eine kleine Wohnsiedlung aufgebaut – und zwar aus alten Bauwagen. Ein leises Klopfen genügt und schon steht Bernd Barbe an seiner Haustür. „Die Treppe muss ich erst noch bauen. Die alte musste wegen meines neuen Anbaus weichen“, erklärt der 49-jährige Musiker, als er aus der Tür tritt und die Alu-Leiter hinunterklettert.

In einem Wagen der Friedberger Armee aus dem Jahr 1956 hat sich Barbe eine Zwei-Zimmerwohnung eingerichtet, mit allem, was das Herz begehrt: Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer und sogar einen Arbeitsbereich zum Lieder schreiben gibt es – alles nur eben deutlich kleiner als in einer normalen Wohnung. Im Winter sorgt ein Ofen für Wärme in dem aufgemöbelten und gedämmten Wagen, auch ein Stromanschluss ist vorhanden.

Dass der gebürtige Dresdner seit 2018 in Hombergshausen lebt, hat er einem Zufall zu verdanken. Auf der Suche nach Campingartikeln stieß der Musiker auf eine Kleinanzeige bei Ebay, in der Nachbarn für das Wagenleben gesucht wurden. „Ich fand das spannend. Als ich den Wagen gefunden habe, bin ich spontan einfach hergezogen“, erzählt Barbe, der früher ein Fachwerkhaus besaß. „Aber in Hombergshausen bin ich irgendwie hängen geblieben.“

Seither sprudeln aus seiner Feder immer wieder neue Lieder, die er mit der Gitarre begleitet. „Ich habe hier Ideen und Motivation und viele neue Eindrücke gefunden“, erzählt der Musiker, während er vor seiner Terrasse steht, an die sogar ein kleiner Teich angrenzt. Hin und wieder laufen ein paar Hühner und Laufenten vorbei, nur wenige Meter entfernt hockt ein Kaninchen in seinem Auslauf. Barbes neueste Idee handelt von Horst und Luise, einem Ehepaar, das beim Schmuggeln von Ahler Wurscht erwischt wird. Damit wird deutlich, worum es dem 49-Jährigen geht: um interaktive, lustige Lieder, die Laune machen. „Natürlich gibt es aber auch tiefsinnige.“

Um Geld zu verdienen, fährt Barbe Lkw. Sein Ziel sei jedoch, häufiger auftreten zu können, um seine Lieder zu zeigen, die er auch schon als Straßenmusiker präsentiert hat und mit denen er früher mit durch ganz Deutschland getourt ist. Durch die Corona-Pandemie fielen viele Auftritte aus. „Die Zeit nutze ich jetzt eben, um neue Songs zu schreiben und Videos zu drehen.“ Möglicherweise könne er auf diesem Weg auch seine zweite CD aufnehmen, sagt Barbe.

Auf der Zauberwiese, wie die Bewohner ihren Rückzugsort nennen, will Barbe bleiben, so lange es ihm gefällt. „Mein Leben im Kleinen zu gestalten – das finde ich momentan sehr schön.“ bernd-barbe.de (Chantal Müller)

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