Besonders das Handwerk leidet unter Nachwuchsmangel

Viele Plätze noch frei: Lehrlinge werden händeringend gesucht

Dutzende Lehrstellen zum Ausbildungsstart im August und September sind derzeit noch unbesetzt. Schon jetzt ist klar: Nicht alle Betriebe im Schwalm-Eder-Kreis werden die gewünschten Azubis finden, besonders im Handwerk.

„Relativ viele Branchen suchen“, bestätigt Wolfgang Scholz. „Großer Bedarf herrscht zum Beispiel im Nahrungsmittelhandwerk bei den Bäckern und Fleischern“, erklärt der Sprecher der Kreishandwerkerschaft in Homberg.

Wolfgang Scholz

Die Betriebe setzen laut Scholz immer stärker auf Praktika als „Türöffner“. Die jungen Menschen würden dabei nicht nur den jeweiligen Beruf und seine Anforderungen in der Realität kennen lernen, sondern auch selbst erfahren, ob „der Betrieb attraktiv und erfolgreich ist“.

Viel weniger Bewerbungen als früher bekommt zum Beispiel Dirk Schaller, Friseurmeister und Innungsobermeister aus Homberg. „Von den sechs bis zehn im Jahr ist die Hälfte mangels Deutschkenntnissen unbrauchbar“, sagt der Chef von 19 Mitarbeitern. Von den wenigen, die zum Vorarbeiten eingeladen werden können, blieben letztlich ein oder zwei Bewerber übrig. Schallers Fazit: „Es ist sehr schwer geworden.“

Das gelte für viele Handwerksbetriebe, so Obermeister Schaller. Einen Grund sieht er darin, dass diese Berufe in den Schulen eine schlechte Lobby haben im Vergleich mit Jobs in Verwaltungen und Büros.

Dabei würden die oft sehr guten Perspektiven im Handwerk verkannt, meint Wolfgang Scholz: „Da gibt es absolute Zukunsftsbereiche.“

Über 40 000 Ausbildungsstellen blieben im Vorjahr bundesweit unbesetzt, das waren 10 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Jedes Jahr werden laut Arbeitsagentur weniger Verträge unterzeichnet, obwohl die Zahl an Lehrstellen wächst.

Inwieweit das Nachrücken junger Flüchtlinge die Situation zu ändern vermag, ist derzeit ungewiss.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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