Drei wortgewaltige Engel: Leipziger Pfeffermühle begeisterte in Homberg

Engel auf Erden: Das Team der Leipziger Pfeffermühle mit Elisabeth Sonntag, Rainer Koschorz und Dieter Richter gastierte mit seinem bittersüßen Programm in der Homberger Stadthalle. Foto: Dürr

Homberg. Im Himmel über Homberg geht es nur allzu menschlich zu. Zumindest könnte man das nach dem Abend mit der Leipziger Pfeffermühle in der Hombeger Stadthalle glauben.

„Drei Engel für Deutschland“ hieß das satirische Programm, mit dem das Ensemble in die Kreisstadt kam. Es war eine bittersüße Abrechnung mit Politik, Medien und Beamtentum.

Frau Peters (Elisabeth Sonntag), Herr Pollmann (Rainer Koschorz) und Herr Blaschke (Dieter Richter) ließen es dabei im Himmel nur allzu menschlich zugehen: Gott (Blaschke) hat noch einmal geheiratet - eine 30-jährige Frau (Sonntag), die er natürlich per Chiffre-Annonce gefunden hat. Und schon geht es drunter und drüber im Himmel, wo Luzi Fer (Koschorz) als Sanitärmeister sein Unwesen treibt.

Er wurde auf die Erde verbannt, um den Menschen ein Handwerker-Ärgernis zu sein. Dort hat Gott längst eine moderne Welt erschaffen mit Einkaufszentren, Internet, Medien und moderner Elektronik.

Und er hat für die Verwaltung der Erde einen HÖF - himmlischen öffentlichen Dienst - eingerichtet. Aus Personalsparkosten sind für Deutschland nur drei Engel zuständig: Blaschke für die Buchstaben A-K, Pollmann für die Buchstaben L-Z. Peters ist für die Überwachung des Internets zuständig. Für die drei wird die Tätigkeit täglich ein Prüfung auf Herz und Nieren: schließlich ist man mit Männern und einer Frau besetzt, und in der Kaffeekasse herrscht ständig Ebbe.

Wandelbar: Elisabeth Sonntag spielte auch Hitler. Foto: Dürr

Man versucht, sich die Zuständigkeiten zuzuschieben, steht unter Kostendruck und muss doch den Menschen so vieles einflüstern: dem Gesundheitsmister trotz Ebbe in der Kasse, dass Deutschland allen EU-Bürgern kostenlos medizinische Leistungen zur Verfügung stellt; den Ratingagenturen, wie sie ihre Gewinne optimieren; dem Osten Deutschlands, dass man mangels Fachärzten doch Veterinärmediziner als Hausärzte nehmen könnte.

Neben all den Aufgaben schlüpfen die drei Kabarettisten blitzschnell in verschiedene Rollen: Sonntag als herrlich sächselnde Ost-Politesse und als Hitler. Sie waen Banker in einem Boot-Camp, Truppenbelustigung in Afghanistan („Lilli Marleen“ dreistimmig mit neuem Text), stellten die zukünftige Situation zwischen Arzt und Patient dar und exerzierten als Hobby-Modellbauer auf einem See im Park eine Schiffskatastrophe.

Daneben bekamen Medien, Politik, Wirtschaft und vor allem die Banker ihr Fett weg. Am Ende stellen die drei mit viel Wortgewandtheit den Zustand in Deutschland 2034 vor und besingen den Medienmüll.

Nur langsam ließ sich das Homberger Publikum von der wortgewaltigen, wandlungsreichen Satire erheitern. Aber nach und nach gab es immer reichlicheren Szenenapplaus, viel Gelächter und dankbares Applaudieren am Ende.

Von Agnes Dürr

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