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Rote Wangen und nasses Glück – Ukrainerinnen berichten über Osterbräuche aus ihrer Heimat Lwiw

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Von: Valerie Schaub, Maja Yüce

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Auf dem Fotos sind mehrere Frauen zu sehen.
Alte und neue Traditionen: Bunte Osterkörbchen haben Diana Krupa (rechts) sowie Zlata Vyhovska (links) gemeinsam mit Jana Kempe (Mitte) gebastelt. © Nina Kempe

Osterhasen, Osternester, Ostereier – jedes Land hat eigene Bräuche für das Fest. Aber wer kennt schon ukrainische Osterbräuche?

Homberg/Lwiw – Uliana Vyhovska (31) und Zoriana Krupa (36) haben ein paar mitgebracht. Mit ihren Kindern sind sie aus Lwiw geflüchtet und Anfang März in Homberg bei ihrer Verwandten Nina Kempe angekommen (wir berichteten). Unbeschwert werden sie Ostern nicht feiern können, sagt Kempe. „Das Wichtigste ist, das Fest in uns zu haben.“

Weidenwoche: Eine Woche vor Ostern gehen gläubige Ukrainer mit Weidenzweigen in die Kirche. Dort werden sie vom ukrainisch-orthodoxen Priester geweiht. Danach tippt man anderen drei Mal damit auf die Schulter und sagt: „In einer Woche ist Ostern“. Das bringt Gesundheit für ein Jahr.

Am Reindonnerstag wird die Wohnung geputzt

Reiner Donnerstag: Was in Deutschland der Gründonnerstag ist, nennt sich in der Ukraine reiner oder sauberer Donnerstag. Der große Jahresputz steht an: „Es wird kräftig geputzt, bis die Wohnung so strahlt wie die weiße Eierschale“, sagt Kempe.

Karfreitag: „Es ist tatsächlich ein richtig trauriger Tag“, sagt Nina Kempe.

Ähnlich wie hier sei am Karfreitag Zurückhaltung angesagt, keine Musik oder Tanz, sondern nur Gottesdienst. Und in die Kirche würden traditionell alle gehen – auch die jungen Leute. „Außerdem wird am Karfreitag auch gefastet“, so Kempe.

Auch in der Ukraine ist der Brauch des Eierfärbens und Bemalens bekannt

Eier färben: Auch in der Ukraine werden Eier gefärbt und bemalt. Früher wurden sie mit Ornamenten verziert, von denen jede Region eigene hatte. Nina Kempe und ihre Familie bemalen die Eier mit Wachs, einer besonderen Technik, wie sie in Lwiw weit verbreitet sei. Eines der ältesten Rezepte sei das Eierfärben mit Zwiebelschalen und Kräutermotiven. Dafür werden Kräuterblätter mithilfe von zerschnittenen Feinstrumpfhosen auf rohen Eiern fixiert. Die Eier kocht man in Wasser mit Zwiebelschalen. Zum Schluss löst man die Strumpfhose und das Kraut ab, fertig.

Osterbrot Paska: In ukrainischen Osterkörben darf Paska nicht fehlen. Es ist ein Osterbrot aus süßem Hefeteig, das selbst gebacken wird. „Über das Osternest kommt dann ein besticktes Tuch drüber, auf dem übersetzt steht: Jesus ist auferstanden“, erklärt Nina Kempe. So begrüße man sich auch an den Ostertagen und auch noch einige Zeit danach. „Wir sagen es statt Guten Tag oder Hallo.“ Die Antwort auf die Begrüßung laute dann: „Wahrhaft auferstanden.“

Auf dem Foto ist ein Korb mit einer Decke zu sehen.
Osterbrauch: Über den Osterkorb wird ein besticktes Tuch gelegt. Darauf steht: „Jesus ist auferstanden“. © Nina Kempe

Ostergottesdienst: Gläubige gehen in der Osternacht gegen 3 Uhr in die Messe – mit den gepackten Osterkörben. Nach dem Gottesdienst geht es nach draußen. Im Stehen und mit den Körben vor den Füßen werden diese bei Sonnenaufgang vom Priester geweiht. Übrigens: Osternester suchen kennen Milana, Diana und Zlata, die Kinder von Uliana Vyhovska und Zoriana Krupa aus der Ukraine nicht. Neu sind auch die Bastelaktionen, die Nina Kempes Tochter Jana mit ihnen gestartet hat – Osterhasennester.

Rote Wangen: Nach dem Gottesdienst ist es Brauch, dass sich ukrainische Mädchen und Frauen mit den gefärbten Eiern „waschen“, sie also an die Wangen reiben, um rote Bäckchen zu bekommen. Das soll Glück bringen.

Nasser Montag: Glück bringen soll auch ein anderes Ritual am Ostermontag, der auch „nasser Montag“ genannt werde. „Da wird man mit Wasser bespritzt“, sagt sie und lacht. (Maja Yüce und Valerie Schaub)

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