Michael Buback sprach in Homberg über Tod seines Vaters Siegfried Buback

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Diskussion mit Schülern: Michael Buback sprach mit Schülern der THS in Homberg über seine Recherchen zum Mord an seinem Vater, Generalbundesanwalt Siegfried Buback. 

Homberg. Michael Buback, Sohn des 1977 von der RAF in Karlsruhe ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, sprach mit Schülern der Theodor-Heuss-Schule über den Tod seines Vaters vor 40 Jahren

„Scheinbar hatte mein Vater mehr Feinde, als wir dachten. Es war für uns immer unvorstellbar, dass ihn jemand umbringen will“, erzählt Michael Buback. Nach seinen Recherchen zum Mord an seinem Vater ist sich Michael Buback sicher: Die wahren Mörder seines Vaters sind nie angeklagt worden. Denn Buback fand heraus, dass vieles an der offiziellen Version nicht stimmen könne. „Bis zum Beginn meiner Recherchen dachte ich, dass alles in Ordnung ist. Ich hatte Vertrauen in die Behörden“, erzählte er. Erst als er einen Hinweis bekommen hätte, habe er begonnen nachzuforschen. Das war 2007.

Der Tatort: Siegfried Buback (57) und sein Fahrer Wolfgang Goebel (29) starben bei dem Angriff am 7. April 1977 in Karlsruhe auf die Limousine des Generalbundesanwaltes. Archivfoto: dpa

So wurden etwa die RAF-Terroristen Verena Becker und Günter Sonnenberg festgenommen, bei denen Ermittler die Tatwaffe und Werkzeug fanden, das zum Motorrad gehörte, von dem aus die Schüsse auf Siegfried Buback abgegeben wurden. Im Motorradhelm seien sogar Haare gefunden worden, die eindeutig Verena Becker hätten zugeordnet werden können, sagte Buback. Angeklagt wurden sie nicht.

Im Fall Verena Becker hätte auch nachgewiesen werden können, dass sie mit dem Verfassungsschutz kooperiert habe. „Es sind Akten verschwunden oder wurden vernichtet“, sagte Buback. Verena Becker wurde 2012 zwar wegen Beihilfe zum Mord an Siegfried Buback verurteilt. Dessen Sohn reicht das aber nicht: Die wirklichen Täter seien niemals verurteilt worden. „Die Terroristen bleiben straffrei“, sagte Buback.

Was die Schüler besonders beschäftigte: Was sagt es über die Bundesrepublik und deren Arbeit aus, wenn der Staat nicht in der Lage ist, Verbrechen aufzuklären? „Wir können froh sein, in einem Rechtsstaat zu leben“, sagte Buback. Nicht überall könne er so ehrlich über seine Recherchen sprechen wie hier. „Ich glaube, es gibt immer dann ein Problem, wenn der Staat selbst involviert ist.“

Von der RAF ermordet: Generalbundesanwalt Siegfried Buback.

Immer wieder verglich der 72-Jährige das Karlsruher Attentat mit den NSU-Morden. Denn auch dort habe es eine Zusammenarbeit zwischen Verfassungsschutz und Terroristen gegeben, seien Beweise einfach verschwunden.

Doch wie sollten Jugendliche mit dem Thema umgehen? Es sei wichtig, ein Problem zu erkennen, sagte der Buchautor. Für seine Aussage, es gebe eine schützende Hand, wegen der die wahren Täter nicht verurteilt würden, sei er anfangs noch oft ausgelacht worden. „Aber ihr jungen Leute könnt immer nachfragen. Ihr müsst kritisch sein“, antwortete er.

Der Terror der RAF im Jahr 1977

In Jahr 1977 erreichten die Aktivitäten der terroristischen Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF) ihren Höhepunkt.
• 7. April: Generalbundesanwalt Siegfried Buback, sein Fahrer und der Leiter der Fahrbereitschaft der Bundesanwaltschaft, werden von einem Motorrad aus in ihrem Auto erschossen.
• 30. Juli: Ermordung des Vorstandssprechers der Dresdner Bank AG Jürgen Ponto.
• 5. September: Der Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer wird entführt. Sein Fahrer und drei Polizisten werden getötet. Die RAF will elf Gefangene freipressen. Die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ soll den Druck auf die Regierung erhöhen. Nach einem Irrflug landetet die Maschine in Mogadischu. Dort werden die Geiseln von der GSG 9 befreit. Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe begehen im Gefängnis von Stuttgart-Stammheim am 18. Oktober Selbstmord. Martin Schleyer wird von seinen Entführern erschossen. (ras)

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