Dennis Willershausen war zehn Jahre lang Türmer

Mit 28 Jahren in den Ruhestand: Türmer von Homberg gibt sein Amt ab

chm123 Dennis Willershausen ist Türmer von Homberg, nach 10 Jahren hört er auf, Foto: Chantal Müller
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Dennis Willershausen ist seit zehn Jahren Türmer von Homberg.

Homberg. Er war jung und übernahm ein Amt mit Geschichte: Zehn Jahre lang ist Dennis Willershausen bereits der Türmer der Stadt Homberg. Jetzt gibt er sein Amt ab.

Es ist windig hoch oben auf dem Turm der Marienkirche in Homberg. So windig, dass Türmer Dennis Willershausen seinen Hut festhalten muss, als er über der Stadt seine Trompete spielen will – so wie die Türmer Hombergs noch vor 200 Jahren vor Bränden und Feinden warnten. Dennis Willershausen ist seit zehn Jahren Türmer von Homberg. Ende Juni aber ist Schluss. Der 28-Jährige gibt sein Amt ab. Einen Nachfolger gibt es noch nicht.

Dennis Willershausen war gerade einmal 18 Jahre alt, als er 2008 zum Türmer von Homberg wurde. Er sei da quasi reingerutscht, sagt er. Schon früh hatte Willershausen eine Leidenschaft für Kirchenglocken, war als Jugendlicher immer wieder mit Fritz Dreytza, seinem Vorgänger, im Kirchturm. Dreytza sei es auch gewesen, der ihn fragte, ob er das Amt übernehmen wolle. Ein Amt, das für einen 18-Jährigen wohl eher ungewöhnlich ist. „Früher dachte ich, ich habe jemandem etwas weggenommen“, berichtet Willershausen. Und: „Es waren große Fußstapfen, in die ich getreten bin.“

An seiner Wirkungsstätte: Dennis Willershausen sitzt als Türmer von Homberg am Schreibtisch der Türmerwohnung in der Stadtkirche. Ende Juni gibt er sein Amt ab. 

Heute, 1935 Kirchturmaufstiege später, ist der 28-Jährige stolz auf die ehrenamtliche Aufgabe. Als Türmer sei man nicht nur Stadtführer, sondern auch Repräsentant der Stadt. „Ich hatte einen Riesenspaß dabei“, sagt er. Zehn Jahre lang ging es mit Besuchergruppen treppauf, treppab – 217 Stufen hoch in den Kirchturm und wieder hinunter. Vor einigen Jahren sogar zehn Mal hintereinander. „Danach hatte ich Muskelkater im ganzen Körper“, sagt Willershausen.

Auch die Aussicht vom Kirchturm aus über die Stadt habe er genossen – besonders bei Sonnenuntergängen sei er gerne in der Türmerwohnung gewesen, sagt Willershausen. Dann hat der 28-Jährige auch hin und wieder in der kleinen Wohnung, die früher von ganzen Familien bewohnt wurde, geschlafen.

Besonders im Gedächtnis bleiben wird ihm aber eine ganz spezielle Führung mit einer Schulklasse: Bei Gewitter war er mit Schülern im Turm der Kirche – bis der Blitz in den Blitzableiter einschlug. „Dann musste ich die Kinder erstmal beruhigen“, sagt der studierte Glockensachverständige.

Bald wird Dennis Willershausen Türmer im Ruhestand sein und sich ganz auf seine Arbeit bei der Altenhilfe in Treysa konzentrieren. „Eine Person prägt ein Amt. Ich glaube, es ist nicht schlecht, wenn es jemanden mit neuen Ideen gibt.“ Das Amt und sein Türmergewand wird er zum 30. Juni zwar komplett abgeben. Die vielen Begegnungen mit Menschen unterschiedlichster Art, die vielen geknüpften Kontakte und das Wissen über die Stadt aber werden ihm bleiben.

Wie sein Türmerkollege Fritz Dreytza lässt Dennis Willershausen ein Stück von sich in der Türmerwohnung zurück, wenn er geht: Neben einigen Fotos bleibt auch ein Stapel uralter Gesangbücher.

Nachfolger von Dennis Willershausen sollte Trompete spielen

Ein Nachfolger von Dennis Willershausen ist noch nicht gefunden. Wer sich für die Aufgabe interessiert, sollte etwas über die Stadtgeschichte und die Reformation wissen und Spaß an Stadtführungen haben. Auch wäre es laut Willershausen von Vorteil, ein paar Töne auf der Trompete spielen zu können. 

Das Amt kann auch von einem Team betreut werden. Für die Arbeit gibt es eine Aufwandsentschädigung. Willershausen kann sich vorstellen, seinem Nachfolger hin und wieder auszuhelfen. Kontakt Stadt Homberg: Tel. 0 56 81/994 126.

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