Junge Leute feiern weniger in Clubs

Mottoabende in Discos füllen die Tanzfläche

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Mit wie vielen Pfennigen kann man die Tanzfläche pflastern? In der Waberner Disco Come In wurden unter anderem „Wetten, dass... ?“-Mottoabende gefeiert. 

Schwalm-Eder. Die Discotheken und Clubs im Schwalm-Eder-Kreis setzen auf besondere Tanzabende und lassen sich ausgefallene Mottos dafür einfallen.

Zwischen Kirmes, Après-Ski und russischer Nacht ist alles dabei – damit möglichst viele Besucher die Tanzfläche füllen.

In Hessen aber verschwinden zunehmend die Großraumdiscotheken. Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass immer mehr Discos geschlossen werden. Während es 2012 noch 80 Discos in Hessen waren, tanzten 2014 die Menschen in Feierlaune nur noch in 54 Discotheken.

Und auch die Besucherzahl nimmt ab. Das kann Mandy Ernst, Betreiberin des Clubs Rom und Geschäftsführerin des Alten Kraftwerks in Borken, bestätigen. „Die Leute wollen noch feiern, aber sie sind wählerischer geworden“, sagt die 26-jährige Argrarstudentin.

Mit etwa 1800 Menschen ist der Club Rom rappelvoll, doch oft kommen gar nicht so viele. „Man muss heute etwas bieten, dann kommen die Gäste auch“, sagt Mandy Ernst und nennt als Beispiel Charity-Veranstaltungen, Abende, an denen extravagante Cocktails aus der Molekular-Küche serviert werden und Star-DJs, die zum Beispiel aus Moskau kommen und für einen gut besuchten Club sorgen.

Gut gefüllt zum russischen Abend: Discos wie der Club Rom in Borken veranstalten regelmäßig Motto-Abende, um die Disco-Besucher bei Laune zu halten.  

Das Trinken vor der eigentlichen Party, sagt Pedram Roth von der Waberner Firma „Festive Mood“, sei zu einem kleinen Problem für die Disco- und Clubbetreiber geworden. Denn auch die Einnahmen aus dem Getränkeverkauf schrumpfen: „Jugendliche geben in der Regel nicht viel Geld für Getränke in der Disco aus, durchschnittlich sind es etwa 15 Euro pro Kopf am Abend“, sagt der 19-Jährige. Die ältere Klientel feiere flüssiger, aber leider auch seltener. „Heute wird anders gefeiert. Früher hat man nicht vor, sondern in der Disco getrunken, kaum jemand kam schon betrunken“, sagt Gerhard Kahl. Der 68-Jährige betreibt seit über 45 Jahren die Waberner Discothek Come In. Damals hätte Kahl sieben Abende die Woche ins Come In einladen können, so groß sei die Nachfrage gewesen. Jetzt öffnet der Club am Wochenende erst ab 22 Uhr – drei Stunden später als in der Anfangszeit der Disco – seine Türen.

Als er seine Discothek eröffnete, habe er auch viel Konkurrenz gehabt. „Etwa zehn andere Discos gab es damals noch, unter anderem im Melsungen und Homberg“, zählt Kahl auf. Die meisten gibt es nicht mehr. „Veranstaltungen wie Après-Ski-Nächte locken jetzt vor allem jüngere Menschen, aber das war schon immer so“, stellt Kahl fest.

Damals war auch Musik von Wolfgang Petry und Peter Maffay ein Garant für einen gut besuchten Abend im Come In. „Wir hatten schon Hypnotiseure im Club und Messerwerfer. Auch einen Abend unter dem Motto „Wetten, dass... ?“ kam gut an“, erzählt Kahl.

 Live-Musik sei später nicht mehr so stark gefragt, die Gagen der Stars seien nicht mehr bezahlbar, so Kahl. Dafür setzt er auf DJs aus der Region und freut sich, dass seine Stammgäste aber auch neue Besucher, zum Feiern in den Schwalm-Eder-Kreis kommen.

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