Kümmerer im Homberger Stadtteil

Nach 36 Jahren: Karl-Heinz Ebert hört als Ortsvorsteher von Mörshausen auf

Setzte sich 36 Jahre lang für die Belange Mörshausens ein: Karl-Heinz Ebert am Dorfmittelpunkt vor dem Gemeinschaftshaus.
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Setzte sich 36 Jahre lang für die Belange Mörshausens ein: Karl-Heinz Ebert am Dorfmittelpunkt vor dem Gemeinschaftshaus.

36 Jahre – mehr als sein halbes Leben lang war Karl-Heinz Ebert Ortsvorsteher von Homberg-Mörshausen. 36 Jahre lang war er Kümmerer, Netzwerker, Ansprechpartner, Organisator. Nach der Kommunalwahl ist Schluss.

Mörshausen - Wenn sich der Ortsbeirat des Homberger Stadtteils im April neu konstituiert, wird ein anderer an Eberts Stelle treten. Traurig ist der Mörshäuser darüber aber nicht. „Irgendwann ist es an der Zeit für einen Wechsel.“

Gerade einmal 29 Jahre war Karl-Heinz Ebert alt, als der Ortsbeirat Mörshausen auf der Suche nach Nachwuchs war. Der gebürtige Mörshäuser hatte frisch gebaut, wollte sich engagieren. Er trat an und wurde bei seiner ersten Wahl zum Ortsvorsteher bestimmt. 1985 war das. Dass er das Amt acht Wahlperioden lang inne haben würde, hat er wohl nicht geglaubt. Sein Ansporn damals wie heute ist aber der selbe geblieben: „Wenn man in einem kleinen Dorf wohnen möchte, sollte man auch dazu beitragen, dass die Verhältnisse lebenswert sind“, sagt der heute 65-Jährige, der mit 27 Ortsbeiratsmitgliedern zusammengearbeitet hat.

Der ehrenamtliche Job, in den Ebert um die 100 Stunden pro Jahr investiert hat, sei für ihn Spaß und Verpflichtung zugleich. Und trotzdem will Ebert den Zeitaufwand nicht zu hoch hängen. „Jeder engagierte Feuerwehrmann investiert genauso viel seiner Freizeit.“ Außerdem hätten es ihm die Mörshäuser leicht gemacht. Es gebe wenige Konflikte im Ort, es werde sachorientiert entschieden, der Zusammenhalt zwischen Vereinen und Dorgemeinschaft stimme. „Alles was wir erreicht haben, war Gemeinschaftsarbeit.“ Dabei half wohl auch, dass der Ortsvorsteher in nahezu allen Vereinen selbst Mitglied ist: Gymnastikverein, Feuerwehr, Waldinteressenten und Jagdgenossenschaft – „und im Dorfverein bin ich auch noch“, fügt der ehemalige Diplom-Ingenieur seiner langen Aufzählung hinzu.

Gemeinsam lautet das Motto. So verwundert es nicht, dass in Eberts Erzählung nie das Wort „Ich“ fällt. Das Herrichten des DGHs, neue Stühle für die Friedhofshalle, Spielplatzgeräte, Geschwindigkeitswarntafeln, Grillhütte und Dorfbrunnen, dessen Vorlage ein Brunnen aus Frankreich lieferte – Projekte, die der Ort ohne oder nur mit geringer finanzieller Unterstützung gestemmt habe.

Einen Lieblingsort im Dorf hat Ebert zwar nicht. Ein liebstes Ereignis gibt es aber doch: „Die 800-Jahrfeier war toll.“ Man wollte 2009 nicht nur mit einer Chronik zurückschauen, sondern auch nach vorn. Überlegen, was besser geht. Mit der Uni Kassel wurde eine Befragung gestartet, einige Ergebnisse daraus habe man umgesetzt. „Manches bietet heute noch Anregungen“, findet er.

Mehr als drei Jahrzehnte lang war Ebert der Kümmerer in Mörshausen, sorgte sich um Heckenrückschnitt, den Feldwegebau und die Verteilung des Seniorenjournals, er besuchte Seniorengeburtstage und Goldene Hochzeiten, meldete Mängel an die Stadt, organisierte Feste und Feiern. Vieles laufe gut in Mörshausen, findet Ebert. Aber etwas gibt es doch, das sich er wünscht: Ein paar neue Bauflächen wären eine tolle Sache.

Zehn Neubauten in 35 Jahren habe es gegeben. Da sei es schwer, Menschen mit Bezug zu Mörshausen, wieder zurück in den Ort zu holen. Dabei sei es wichtig, dass es weiterhin Menschen gibt, die aktiv werden. „Ich wünsche mir, dass sich möglichst viele Menschen im Dorf engagieren.“

Für Ebert bringt das Ende seiner Amtszeit neue Freizeit mit sich. Die will er vor allem nutzen, um mit seinem Wohnmobil auf Tour zu gehen, wenn die Pandemie vorbei ist. Dann vielleicht auch mal über den Mai-Feiertag. Denn den verbrachte er bisher immer in Mörshausen. (Chantal Müller)

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