Homberger kämpfen weiter

Nach plötzlichem Tod von Familienvater: Große Hilfsaktion für die Witwe und die drei Kinder

Papa ist dabei: Weil Tochter Davina nicht hinnehmen wollte, dass ihr verstorbener Papa bei der Einschulung ihres Bruders Vin nicht dabei sein kann, bestand sie darauf, ihn in Form eines Bildes bei der Familie zu haben.
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Papa ist dabei: Weil Tochter Davina nicht hinnehmen wollte, dass ihr verstorbener Papa bei der Einschulung ihres Bruders Vin nicht dabei sein kann, bestand sie darauf, ihn in Form eines Bildes bei der Familie zu haben.

Nina Kandora aus Homberg verlor im August plötzlich ihren Mann Volkmar. Eine große Spenden- und Hilfsaktion unterstützte sie in der schweren Zeit.

Sondheim - Haus von Nina Kandora aus Sondheim ist alles vorbereitet für Weihnachten. Der Christbaum steht, die ersten Geschenke liegen bereit, der Esstisch wirkt festlich. Auf einer Weihnachtskugel steht das Wort „Papa“ geschrieben. Sie hängt ganz oben im Baum. „Er ist immer bei uns“, sagt Nina Kandora. Sie hat im August plötzlich ihren Mann Volkmar verloren. Die Kinder Marvin, Davina und Vin ihren Vater. Dass die Familie dieses Weihnachten gemeinsam in ihrem neu hergerichteten Esszimmer feiern kann, ist der großen Unterstützung vieler Helfer zu verdanken.

„Ich bin so dankbar“, sagt die 33-Jährige. „Das kann ich alles gar nicht wieder gut machen.“ Volkmar Kandora erlitt im August kurz hintereinander zwei Herzinfarkte, die Ärzte kämpften mehrere Wochen um sein Leben. Der 49-Jährige starb am 22. August im Krankenhaus. Heute hängt sein Bild im neuen Esszimmer. Die Wände sind in Purpur und Grau gehalten. „Diese Farbe hätte mein Mann niemals zugelassen“, sagt Nina Kandora und lacht.

Nach Tod von Familienvater - Familie erhält viel Zuspruch, Spenden und Hilfe

Die 33-Jährige lacht viel, wenn sie über ihren Mann spricht. Die Erinnerung an die gemeinsame Zeit ist lebendig. Und dennoch: Die junge Mutter muss kämpfen. Nach einer Unterstützungsaktion ihrer Freundinnen erhielt die Familie viel Zuspruch, viele Spenden, viel tatkräftige Hilfe. Dafür möchte sie sich über diesen Weg bedanken. „Es war alles eine so große Unterstützung“, erzählt Nina Kandora. Ob beim Streichen, beim Holzhacken – oder nur beim Lampen anbringen. Im Anschluss wurde gemeinsam gegrillt, es entstanden gute Bekanntschaften. „Es war toll.“

Ein kleiner Lichtblick für die Familie, die nach dem Tod Volkmar Kandoras um das Haus bangte. Er war der Alleinverdiener. Nina Kandora hat ihren Job aufgegeben, um den gemeinsamen Sohn Vin zu pflegen. Er hat das Angelman-Syndrom, eine genetisch bedingte Erkrankung, und ist auf einen Rollstuhl und Pflege angewiesen. Nur wenige Wochen nach dem Tod des Vaters begann für den Jungen ein neuer Lebensabschnitt. Er kam in die Schule. Aber: Sein Papa war dabei. Tochter Davina wollte nicht, dass ihr Bruder ohne ihren Papa eingeschult wird. „Also haben wir sein Bild bei uns gehabt“, erzählt die junge Mutter.

Das Angelman-Syndrom

Beim Angelman-Syndrom handelt es sich um eine genetische Erkrankung. Charakteristisch ist eine Verzögerung der körperlichen und geistigen Entwicklung sowie der Sprachentwicklung. Betroffene haben häufig einen sehr fröhlichen Gesichtsausdruck und lachen viel. Das Angelman-Syndrom ist nicht heilbar.

Familienvater stirbt plötzlich - Witwe bleibt stark für die Kinder

Viel Zeit zu trauern hatte Nina Kandora auch deshalb noch nicht. Sie hält alles am Laufen, stützt ihre Kinder, kümmert sich um sie, um das Haus. Sie klärt den Bezug der Witwenrente, setzt sich mit dem Familiengericht auseinander, weil der 17-jährige Marvin nun Vollwaise ist. „Er lebt aber schon so lange bei uns. Es stand außer Frage, dass er bleibt.“ Besonders Tochter Davina treffe der Verlust des Vaters hart. „Ich versuche zwar, dass alles so normal wie möglich weiterläuft, aber manchmal kann ich meinen Kindern nicht helfen“, erzählt sie. Nämlich dann, wenn die Sehnsucht nach dem Papa zu groß wird.

Das Esszimmer der Familie und auch der Lift, der den sechsjährigen Vin samt Rollstuhl ins Haus befördert, konnten dank der großen Hilfe seit dem Tod von Volkmar Kandora bereits fertiggestellt werden. Der Badumbau muss noch gestemmt werden. Zunächst hat die Familie aber eine Kur beantragt. Um Kraft zu schöpfen. Für Ostern ist ein gemeinsamer Urlaub an der See geplant. Sie fahren zu einem älteren Ehepaar, das die Familie regelmäßig besucht. Es geht weiter für Nina, Marvin, Davina und Vin. Schritt für Schritt. Ihr geliebter Ehemann und Vater wird sie dabei begleiten. (Chantal Müller)

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