Mann sticht auf ihn ein

Nach Tötung von Schäferhund: Besitzerin berichtet von schrecklicher Tat

Michaela Parusel zeigt die Stelle, an der Elly verletzt wurde: Die weiße Schäferhündin verblutete kurze Zeit später am Grundstück. In der Hand hält Parusel das Akustikhalsband, das der Hund trug.
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Michaela Parusel zeigt die Stelle, an der Elly verletzt wurde: Die weiße Schäferhündin verblutete kurze Zeit später am Grundstück. In der Hand hält Parusel das Akustikhalsband, das der Hund trug.

Noch immer ist Michaela Parusel tief traurig. Ihr Hund Elly wurde im Feld bei Mörshausen von einem Mann mit einem Messer erstochen – das Tier verblutete.

Mörshausen – Die Tat ist für Parusel unbegreifbar: Ihr Hund sei nie aggressiv oder auffällig gewesen, sie kann immer noch nicht fassen, wie es zum Vorfall kommen konnte. Es habe einige böse Kommentare gegeben, da der Hund nicht angeleint war. Daher möchte sie Stellung beziehen und den Nachmittag aus ihrer Sicht schildern.

Die 57-Jährige wollte an diesem Sonntag gerade zusammen mit ihrem weißen Schäferhund und zwei Nachbarskindern zum Kinderspielplatz gehen. Es sei ein schöner Tag gewesen, die Kinder kamen wie so oft zum Spielen mit Hündin Elly in den Garten. Der Vier-und die Fünfjährige wohnen im selben Mietshaus und waren oft bei der Frührentnerin und ihrem Hund zu Gast. Mit der sechsjährigen Elly seien sie ein Herz und eine Seele gewesen, sagt Parusel.

Auf dem Spaziergang zum Spielplatz lief Elly laut Parusel neben den Kindern her. Die Hündin sei zwar nicht angeleint, aber dennoch mit ihrem Frauchen verbunden gewesen: Elly habe wie immer ein Akustikhalsband getragen. Das empfange ein Signal und vibriere, wenn Michaela Parusel sie mit dem dazugehörigen Sender zu sich ruft. Der Hund habe immer sofort auf das Signal reagiert.

Nach Tötung von Schäferhund: Hund hörte auf ein akustisches Signal aus seinem Halsband

Die Benutzung sei eingeübt gewesen, sagt die Mörshäuserin. Eine Hundetrainerin hatte es mit Elly so lange geprobt, bis es klappte. „Ich hatte eine Art Fernbedienung für meinen Hund“, sagt sie. Die Leine benutzte sie nicht, weil sie aufgrund starker Rückenprobleme Frührentnerin sei und ruckartige Bewegungen ihr schadeten.

Weiße Schäferhunde wie Elly seien eine Rasse von sehr ruhigem Wesen und viel gutem Gemüt, sagt Parusel. Neugierig sei die sechsjährige Hündin natürlich trotzdem gewesen. Bei besagtem Spaziergang sei sie von der Gruppe einige Meter weg und auf einen Spaziergänger mit einem kleineren, angeleinten Hund zu gelaufen.

Tod von weißem Schäferhund: Mann attackiert Tier mit Messer

Elly habe den anderen Hund begrüßen wollen, sagt Parusel. Sie habe Elly sofort mit der Fernbedienung abgerufen. Diese sei um Hund und Herr herumgelaufen, um zurückzukommen. In diesem Moment habe der Mann Elly plötzlich mit einem Messer attackiert und in die Halsschlagader gestochen.

Die Kinder hätten die Szene beobachtet und laut geschrien. Sofort habe sich das weiße Fell des Hundes rot gefärbt. Elly sei kurze Zeit später auf dem eigenen Grundstück verblutet. Der Mann sei weiter gelaufen, sagt Parusel, sie habe ihn verfolgt. Erst nach wiederholter Aufforderung soll er seinen Namen genannt haben.

Die Polizei kam und nahm Anzeige auf. Die Beamten seien sehr mitfühlend und behutsam gewesen, sagt Parusel. Allerdings hätten sie ihr erklärt, dass es sich bei der Anzeige juristisch gesehen um Sachbeschädigung handele: Tiere gelten rechtlich gesehen als Sachen. Für Michaela Parusel ist das anders.

Tötung von weißem Schäferhund: Polizei ermittelt nun gegen den Mann

Elly war eine treue Weggefährtin. Nun sei sie auf grausame Art getötet worden. Was der Mörshäuserin jetzt helfe, sei der große Zuspruch. Das halbe Dorf habe sich bei ihr gemeldet, Trost gespendet, auch der Tierschutzverein habe sich gemeldet. „Wer ein Haustier hat weiß, was eine solche Geschichte bedeutet.“ Elly wurde inzwischen eingeäschert.

Die Anzeige wurde aufgenommen, die Polizei ermittele nun in zwei Fällen, sagt Polizeisprecher Markus Brettschneider. Zum einen gegen einen Verstoß des Tierschutzgesetztes. Nach dem Tierschutzgesetz ist das Töten eines Wirbeltieres ohne Grund strafbar. Eine Geldstrafe und/oder eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren können in solchen Fällen drohen. Wenn der Täter allerdings in Notwehr gehandelt hat, sieht das anders aus.

Tötung von weißem Schäferhund: Tiere Gelen als besonders ruhig und zutraulich

Die Tatwaffe wurde sichergestellt, die Ermittlungen liefen. Außerdem wird wegen Sachbeschädigung ermittelt. Es sollen nun Zeugen gehört werden, um den Fall zu klären. Eine Anklage komme nur zustande, wenn bewiesen werden kann, dass es keine Notwehr gewesen ist.

Weiße Schäferhunde haben in der Regel ein gutes Gemüt, sagt Christian Schwering, Tierarzt aus Fritzlar. In seiner Praxis habe er bisher nur gutmütige Hunde dieser Rasse behandelt. Natürlich seien es große Hunde, die bedrohlich wirken könnten, wenn sie auf einen Menschen zuliefen. Der weiße Schäferhund werde eher auf Schönheit gezüchtet, man könne ihn vom Gemüt her mit einem Labrador vergleichen. (Christine Thiery)

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