Nach tragischem Unfall: Freispruch für Lastwagenfahrer

Fritzlar. Ein Lkw ist mit einer Radfahrerin zusammengestoßen. Die Frau starb an ihren Verletzungen. Das Amtsgericht Fritzlar geht von einem tragischen Unfall aus.

Dauerregen draußen. Selbst im Saal des Amtsgerichtes Fritzlar scheint das Licht um einen Ton grauer. Sichtlich gebeugt vom seelischen Schmerz sitzt der Angeklagte neben seiner Anwältin.

Mehrfach wird er während der Verhandlung kurz vor einem Zusammenbruch hinausgehen müssen.

Was war geschehen?Im Juni vergangenen Jahres befuhr der Angeklagte, ein 31 Jahre alter Speditionskaufmann, mit seinem Lkw die Bundesstraße 254 in Höhe von Homberg. Die Sicht war gut, die Strecke frei.

Der Fahrer bemerkte eine Radlerin. Plötzlich flog sie hoch. Er trat auf die Bremse, riss das Lenkrad herum und der Wagen stand. Er sprang heraus, rief den Rettungsdienst und beugte sich zum auf der Fahrbahn liegenden Körper.

Fahrer unter Schock

Da waren auch schon Helfer da, die nun als Zeugen aussagten. Ein erfahrener Lenker, der seinen Lkw auf der Gegenspur gestoppt hatte. Eine Schülerin, die gerade einen Erste-Hilfe-Kurs abgelegt hatte. Eine Rettungssanitäterin, die den Notarzt chauffierte. Ein Vater, dessen Familie im weiter hinten geparkten Auto saß. Er schilderte immer noch fassungslos, wie sich einzelne Pkw rücksichtslos durch die Unfallstelle schlängelten.

Die Schülerin hatte versucht, den unter Schock stehenden Fahrer zu beruhigen. Die Sanitäterin erwähnte die Feststellung zweier Notärzte: Mit Helm wäre wohl nichts passiert. Vermutlich waren auch Ohrhörer vom Handy eingesteckt.

Sie wurde nur 28 Jahre alt

Die Verletzte wurde mit dem Hubschrauber nach Kassel geflogen. Retten konnten die Ärzte sie nicht mehr. Sie wurde nur 28 Jahre alt.

Das Gericht hatte von der Dekra einen Gutachter bestellt. Er musste viele, detaillierte Fragen beantworten. Hätte der Angeklagte anders handeln können? Nein, sagt die Staatsanwältin, diese Kollision war ein tragischer Unfall, mit verheerenden Folgen für das Opfer, aber auch für das weitere Leben des Angeklagten. „Immer und immer habe ich sie vor Augen“, schluchzt der Mann.

Es wird Freispruch beantragt. Rechtsanwältin und Gericht stimmen zu.

Von Michael Meinicke

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.