Sichtungen im ganzen Knüll

Nach Wolf-Ausbruch im Wildpark Knüll: Strom konnte Tiere nicht abhalten

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Im Wildpark Knüll leben nun noch acht Wölfe.

Auch fünf Tage nach dem Ausbruch der beiden Wölfe aus dem Wildpark Knüll fehlt von einem der Tiere weiterhin jede Spur. Wo sich der Wolf aufhalten könnte, ist noch immer unklar.

Aktualisiert um 18 Uhr. Die Sichtungen, die gemeldet werden, beziehen sich auf den ganzen Knüll, sagte Wildparkleiter Dr. Wolfgang Fröhlich am Dienstag. Sie zeigten aber kein klares Muster.

Klar ist inzwischen aber, wie sich die beiden Wölfe aus ihrem Gehege befreit haben. Demnach sind die Tiere durch den Elektrozaun zum Maschendrahtzaun gelangt, der das Wolfsgehege umschließt. Von dort sollen sie sich durch ein Fuchsloch gequetscht haben und so in den Park gelangt sein.

Nach dem Ausbruch der Wölfe 2018 wurde der Strom am ersten Zaun bereits verstärkt. In 99 Prozent aller Fälle reiche die Stromstärke an diesem Zaun aus, um die Tiere von einem Ausbruch abzuhalten, berichtete Fröhlich. „Unser Rudel ist das einzige, das den Strom ignoriert.“ Das Gehege soll jetzt mit sogenannten Stahlmatten verstärkt werden. So könnte verhindert werden, dass die Wölfe wieder an den Maschendraht gelangen. „Die Sicherheit steht an oberster Stelle“, sagte Landrat Winfried Becker.

Eines der Tiere musste am Wochenende noch im Park erschossen werden. Dabei handelt es sich um Wölfin Cleo, sie wurde 2011 geboren.

Gehege wird auf Sicherheit überprüft 

Nach dem Ausbruch der beiden Wölfe im Wildpark Knüll leben noch acht weitere Tiere mit zwei Bären in dem knapp 5000 Quadratmeter großen Gehege. Landrat Winfried Becker hat inzwischen angeordnet, dass das Gehege von einer Behörde auf seine Sicherheit überprüft wird. Eine Gefahr für Menschen besteht nach Einschätzung der Parkleitung weiter nicht. Ob der Park am Wochenende geöffnet wird, ist noch unklar.

„Die Sicherheit der Besucher muss gewährleistet sein“, sagte Becker. Zwei Ausbrüche innerhalb kurzer Zeit seien „definitiv zu viel“. Bereits im Februar 2018 waren zwei Wölfe aus dem Gehege ausgebrochen. Die Tiere hatten damals aber nur den ersten Zaun überwinden können. 

Jetzt gelangte ein Wolf in Freiheit, ein weiterer musste im Park erschossen werden. Für einen Betäubungsschuss habe sich der Tierarzt den Wölfen nicht genug nähern können, sagte Parkleiter Dr. Wolfgang Fröhlich. Dafür sei ein Abstand von lediglich 30 bis 40 Metern nötig. „Dafür muss das Tier aber ruhig stehen“, berichtete der Parkleiter. Um eine Panik unter den Tieren zu vermeiden, habe man sich dazu entschlossen, den Wolf zu töten. 

Video: Ist der Wolf gefährlich für Menschen? 

Das Gehege der verbliebenen Wölfe im Park wird inzwischen verstärkt. Auch der Einbau einer Videoanlage sei möglich, um das Verhalten der Wölfe besser studieren zu können, berichtete Becker. Außerdem wird nun mehrmals täglich das Gehege von den Mitarbeitern des Wildparks kontrolliert. 

Ausgebüxter Wolf kennt kein Jagdverhalten

Wie sich der noch lebende Wolf in freier Wildbahn verhalten wird, sei schwierig einzuschätzen. Das Tier ist in Gefangenschaft groß geworden und sei bisher nur „totes Fleisch“ gewöhnt. Das entlaufene Tier sei zwar scheu. Eine Annäherung an eine Siedlung konnte Fröhlich allerdings nicht ausschließen, da der Wolf Menschen kennt. „Wir gehen aber davon aus, dass unser Wolf den Menschen nicht aktiv entgegenkommen wird.“ 

Ob der Wolf Schafe reißen wird, konnte der Parkleiter nicht einschätzen. Für Schafe würden Zäune genutzt, die dem Wolf unbekannt seien. „Das Tier kennt ein Jagdverhalten nicht“, berichtete Fröhlich. Auch aus diesem Grund hofft der Wildpark, dass der Wolf von selbst wieder zurück zum Rudel kommt. In jedem Fall möchte Fröhlich ihn „heil zurück“. Sollte er gefunden werden, soll eine Betäubungspistole eingesetzt werden. 

Einem neuen Rudel, einer sogenannten Wolfsfamilie, wird er sich aber nicht anschließen können. „Ein anderes Rudel wird ihn nicht annehmen“, sagte Fröhlich. Der Wolf müsste eine Partnerin finden, um mit ihr eine eigene Familie zu gründen.

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