INTERVIEW mit Landrat im Schwalm-Eder-Kreis

Nicht leichtsinnig werden: Masken-Ende käme im Landkreis zu früh

Kunden gehen in einem Supermarkt einkaufen und tragen dabei Mundschutz. Eine Frau hat einen Einkaufszettel in der Hand und streckt die Hand in Richtung Kühlregal aus. Ein Mann im Hintergrund trägt einen Einkaufskorb.
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Kunden gehen in einem Supermarkt einkaufen und tragen dabei Mundschutz.

Im Zuge der Corona-Krise war sowohl im öffentlichen Nahverkehr als auch im Einzelhandel eine Maskenpflicht eingeführt worden. Angesichts niedrigerer Infektionszahlen denken einige Bundesländer an die Abschaffung.

Schwalm-Eder - Das Nachdenken über die Maskenpflicht – beziehungsweise über ihr Ende – hat begonnen. Mit dem Vorstoß aus Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, wo man laut über das Ende der Maskenpflicht im Einzelhandel nachdenkt, ist eine Diskussion über die Regelung entstanden. Wir haben mit Landrat Winfried Becker darüber gesprochen, ob in absehbarer Zeit auch im Schwalm-Eder-Kreis mit einem Ende der Maskenpflicht zu rechnen ist.

Herr Becker, in Mecklenburg-Vorpommern sind die Infektionszahlen besonders niedrig. Im Schwalm-Eder-Kreis sind 21 Menschen infiziert. Wenn die Zahlen gering sind, gibt es dann noch einen Grund für eine Maskenpflicht?
Ich habe da eine ganz klare Haltung: Das Virus ist noch da und ich warne davor, leichtsinnig zu werden. Aber natürlich muss man, wenn die Infektionszahlen niedrig sind und bleiben, über weitere Lockerungen nachdenken. Die sehe ich aber nicht an erster Stelle bei einem Ende der Maskenpflicht. Unsere Kreisverwaltung hat beispielsweise jetzt wieder regulär geöffnet, aber die Besucher müssen Mund-Nasen-Schutz tragen. Das müssen auch unsere Mitarbeiter, wenn sie im Haus unterwegs sind. Aber alleine die Öffnung ist schon einer von vielen kleinen Schritten, die zu einer Lockerung beitragen.
Zwei Bundesländer denken über das Ende der Maskenpflicht nach, andere Bundesländer sind dagegen.
Von Alleingängen halte ich bei einer möglichen Abschaffung der Maskenpflicht nichts. Diese Entscheidung sollte bundesweit entschieden werden. Es wäre eher misslich, wenn es von einem zum nächsten Bundesland unterschiedliche Regelungen gibt.
Wer sollte die Entscheidung, wann im Landkreis dieser Schritt möglich ist, treffen?
Bei der Pflicht einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen, handelt es sich um eine übergeordnete Schutzmaßnahme – sie hat aktuell noch bundesweit Gültigkeit. Als Schwalm-Eder-Kreis sehen wir hier zunächst den Bund und das Land in der Pflicht, Stellung zu beziehen. Dies sollte nach unserer Vorstellung in engster Absprache mit den Virologen geschehen.
Es heißt ja, das Tragen von Schutzmasken bietet nur bedingt Schutz.
Wir wissen durch zahlreiche Veröffentlichungen durch Experten, dass die sehr kleinen Aerosole dadurch nicht aufgehalten werden können. Der Ausstoß größerer Tröpfchen wird hingegen durchaus wirksam verhindert.
Welches Signal würde denn von einer Abschaffung der Maskenpflicht ausgehen?
Ich glaube, sie könnte etwas vortäuschen, was nicht der Realität entspricht. Denn das Virus ist nach wie vor da. Meine Befürchtung ist eher, dass sich die Menschen ohne Mund-Nasen-Schutz ungezwungener bewegen und Abstände nicht mehr so eingehalten werden, wie sie wichtig wären. Die Maske ist ein Instrument, dass uns auch für den Abstand sensibilisiert. Außerdem schützen wir damit andere – und somit langfristig auch wieder uns.
Wie kann es gelingen, dass Menschen langfristig auf Abstand zueinander gehen?
Deshalb ist es wichtig, dass wir immer wieder darauf aufmerksam machen, wie entscheidend es sein kann, die Abstandsregel von mindestens 1,5 Meter konsequent ernstzunehmen. Es darf auch bei niedrigen Infektionszahlen keine falsche Sicherheit eintreten. Andererseits wird durch die Verpflichtung einen Schutz zu tragen auch permanent deutlich, dass das Virus nach wie vor da und hoch infektiös ist. Das hat eine erinnernde Komponente, die nicht zu unterschätzen ist.
Wann wäre es denn Ihrer Meinung nach an der Zeit, die Masken abzusetzen?
Es wird erst vorbei sein, wenn es ein wirksames Medikament gibt oder ein Impfstoff entwickelt wurde. Vorher halte ich es für zu leichtsinnig, auf den Mund-Nasen-Schutz in geschlossenen Räumen, in denen die Abstände nicht immer eingehalten werden können und auch nicht regelmäßig und ausreichend gelüftet wird, zu verzichten. Und die Gesundheit aller sollte uns weiterhin vorgehen.
Landrat Winfried Becker

Zur Person

Winfried Becker (59) wurde in Marburg geboren, er ist seit Mai 2015 Landrat (SPD) des Schwalm-Eder-Kreises. Zuvor war er ab 2003 Erster Kreisbeigeordneter und von 1989 bis zur Wahl als Erster Kreisbeigeordneter Bürgermeister der Gemeinde Guxhagen. Winfried Becker hat die Ausbildung zum gehobenen Verwaltungsdienst bei der Stadt Marburg absolviert. Becker ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt mit seiner Familie in Guxhagen.

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