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Nur ein leises „Homberg Helau“: KVC Homberg feiert 70. Geburtstag nur ganz klein

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Von: Sascha Hoffmann

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Richtig was los auf der Straße: Bei der 2. Rathauserstürmung im Jahr 1997 war die Altstadt voll.
Richtig was los auf der Straße: Bei der 2. Rathauserstürmung im Jahr 1997 war die Altstadt voll. © KCV-Archiv

Das „Homberg Helau“ hätte in diesem Jahr eigentlich besonders laut ausfallen sollen, wird der Katholische Carnevals Verein (KCV) doch 70 Jahre alt. Eine große Feier aber, war nicht möglich.

Homberg - Im dritten Jahr mit einer Pandemie und nun auch noch einem Krieg mitten in Europa im Nacken, ist der für fröhliche Narretei stehende Schlachtruf zum Geburtstag so leise ausgefallen, wie es sich Karl Fritsch als erster Sitzungspräsident und Heinrich Severin als Vorsitzender einst wohl im Traum nicht hätten vorstellen können. „Wir haben zwei Jahre lang hoffnungs- und verantwortungsvoll in Kleingruppen zunächst draußen, später drinnen Tänze ohne Berührung eingeübt, um sie nun nicht öffentlich präsentieren zu können“, sagt Schriftführerin und Tanzgruppenkoordinatorin Heike Fach-Jäckel zum Dilemma in dem sich der Verein befindet und gibt zu, dass die Situation für die Jecken nicht einfach ist. „Gerade die Jüngsten litten sehr, sodass wir sie kurzerhand in ihre Schautanzkostüme gesteckt, geschminkt und frisiert haben, damit sie in ihrem geschmückten, luftigen Trainingsraum im katholischen Pfarrheim wenigstens vor ihren Eltern auftreten und Lampenfieber spüren konnten.“

Auch die erwachsenen Jecken wollten zumindest etwas Karnevalsluft schnuppern und fuhren mit einer Abordnung per leicht geschmücktem Autokorso zum Rathaus und montierten dort die mit blau-gelben Ukraine-Bändern versehene KCV-Flagge am Geländer statt am Fahnenmast, bevor es zum gemeinsamen Essen ging.

Dort gab es reichlich Gelegenheit, um auf die lange KCV-Tradition zurückzublicken: Schon 1949 hatte die Katholische Kirchengemeinde „Christus Epheta“ erstmals im „Walther’schen Saal“ im Hotel Deutscher Kaiser einen „Kappenabend“ gefeiert, aus dem sich mit der Zeit ein festes Faschingskomitee gebildet hat.

1952 gründete sich schließlich der Katholische Carnevals Verein Homberg, bildete einen Elferrat und feierte den sogenannten Katholikenball, der heute längst für Menschen aller Konfessionen und Nationalitäten offen ist. Werden mittlerweile viele Dekoartikel und Girlanden gekauft, hat Alfred Böhm einst noch mit Stanniolpapier aus Zigarettenschachteln für schillernde Girlanden und Bühnenbild-Dekorationen gesorgt.

„Davon wird noch immer gern gesprochen“, sagt Heike Fach-Jäckel und lacht, während sie von einer vor allem beim Abbau immer wieder aufkommenden Erinnerung berichtet: „Es gab ein Jahr, da mussten wir in der Stadthalle vom Dachboden bis in den Keller besonders gründlich kehren und saugen, denn eine Tänzerin hatte aus ihrem privaten Flamingokostüm mit Federboa beim Feiern wirklich überall Federn verloren.“

Zur Rubrik „verloren“ passt auch eine Anzeige aus der HNA, die Fach-Jäckel im Erinnerungsalbum von 1980 gefunden hat: „Bei der Veranstaltung des Katholischen-Carnevals Vereins Homberg ist aus dem Hotelzimmer des Hotels Deutscher Kaiser ein großer, weißer Florentiner-Hut mit blauem Band und roten Mohnblumen abhandengekommen. Der ehrliche Finder wird gebeten, den Hut im Kath. Pfarramt abzugeben.“ Dieser Hut sei damals ein wichtiges Utensil für Büttenrednerin Astrid Kaiser und Irma Kirchhofs gewesen, sagt Fach-Jäckel und gibt zu: „Ob er jemals gefunden wurde, weiß ich gar nicht.“

So schön all die Anekdoten auch seien, sie alle vermissten ihre Feiern mittlerweile doch sehr, sagt die leidenschaftliche Karnevalistin und hofft auf die nächste Session: „Ich bin ein grundsätzlich optimistischer Mensch, aber komme diesbezüglich doch etwas ins Wanken. Es wird ein anderes ,Normal‘ geben, doch es muss eine alternative Lösung zum Karnevalfeiern geben, wir müssen uns mit Corona und den Lebensumständen arrangieren.“ (Sascha Hoffmann)

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