Neue Corona-Regeln

PCR-Tests sind im Schwalm-Eder-Kreis nur bei Ärzten möglich

Aufwendige Analyse: Ein Forscher zeigt, wie ein PCR-Test für die Analyse auf Mutationen des Coronavirus vorbereitet wird.
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Aufwendige Analyse: Ein Forscher zeigt, wie ein PCR-Test für die Analyse auf Mutationen des Coronavirus vorbereitet wird.

Die vom Land Hessen verschärfte 3G-Regel sorgt im Schwalm-Eder-Kreis für Unmut und Verunsicherung. Ab Donnerstag erhalten Ungeimpfte nur noch mit einem PCR-Test Zutritt zu Gastronomie und Veranstaltungen.

Schwalm-Eder – Ein Antigen-Schnelltest reicht für Ungeimpfte nicht mehr aus. Doch über die Frage, wo die Tests zu bekommen sind, herrscht Unklarheit.

PCR-Tests werden ausschließlich von medizinischem oder geschultem Personal angeboten. In der Niedensteiner Kreuz-Apotheke etwa wird es ein solches Angebot deshalb nicht geben. „Für diese Tests müsste man sich ein Gerät zur Auswertung anschaffen oder die einzelnen Tests müssten ins Labor geschickt werden“, sagt Apothekerin Helga von Bredow. Das wäre eine zusätzliche Investition und ein hoher Arbeitsaufwand, den sie nicht leisten könnten. „Die PCR-Tests kosten um die 60 oder 70 Euro, ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leute so viel für einen PCR-Test zahlen wollen“, sagt sie. Klar aber ist für von Bredow: Sie wird weiterhin die Antigen-Schnelltests anbieten.

Unmut über die neuen Corona-Regeln

„Wir sind überhaupt nicht glücklich damit“, sagt Armin Ochs, Geschäftsführer des Restaurants Nägels in Fritzlar. Die neuen Vorschriften kämen in der Praxis der 2G-Regelung sehr nahe. „Damit grenzen wir Menschen aus.“ Das Telefon im Restaurant klingele am laufenden Band, weil Gäste verunsichert seien. „Ich bin der Meinung, dass wir mit den bisherigen Regeln eigentlich gut fahren.“ Man halte Abstand und beachte die Hygieneregeln. Ochs geht davon aus, dass sich die Verschärfung der Corona-Regeln negativ auf das Geschäft auswirken wird, weil die Menschen verängstig seien. „Etwa drei bis fünf Prozent der Gäste legen derzeit einen Schnelltest vor“, schätzt der Gastronom. „Ich kann nicht nachvollziehen, warum die kostenlosen Schnelltests abgeschafft wurden – gerade jetzt wo es auf den Winter zugeht.“

Die Belastung in der Praxis sei zwar hoch, aber PCR-Tests für Ungeimpfte würde man dennoch anbieten, sagt Allgemeinmediziner Dr. Philipp Klapsing aus Wabern. So bestehe immerhin die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen und für die Impfung zu werben. Es müsse jedoch weiterhin Test-Möglichkeiten für Impfskeptiker geben, sonst würden die Menschen nur weiter radikalisiert. Er plädiere in sensiblen Bereichen wie Kliniken und Altenheimen für eine Impfpflicht. Vulnerable Gruppen müssten geschützt werden. Jetzt auf PCR-Tests zu setzen, hält Klapsing für richtig. „Aus der Pandemie kommen wir nur über Impfungen“, sagt Klapsing.

300 Infizierte am Dienstag im Landkreis

Der Landkreis bietet derzeit keine Möglichkeiten an, einen PCR-Test vornehmen zu lassen. Aktuell würden PCR-Tests im Schwalm-Eder-Kreis ausschließlich von den niedergelassenen Ärzten vorgenommen, teilt die Kreisverwaltung auf Anfrage mit. Im Vergleich zu Montag ging die 7-Tage-Inzidenz leicht auf 89 zurück. 300 Menschen waren gestern infiziert. 253 starben seit Beginn der Pandemie (+1).

Veranstalter müssen Kontrollen durchführen

Fritzlar-Homberg – Wer in Hessen ins Theater, Konzert, Restaurant will, muss künftig geimpft oder genesen sein – oder einen PCR-Test vorweisen, der als genauer gilt und teurer ist als die Antigen-Schnelltests.

„Wir kontrollieren sowieso“, sagt Edith Köhler vom Homberger Kulturring. Dieser bietet am Freitag wieder ein Statttheater-Stück an und ist von der neuen Regelung unmittelbar betroffen. Das Team sieht darin vorerst kein Problem. „Es kann allerdings sein, dass wir Besucher dann abweisen müssen.“ Aufseiten der Besucher sei eine große Unsicherheit zu spüren. Erste Anfragen nach der genauen Regelung für das Theaterstück am Freitag habe es direkt nach Bekanntgabe der neuen Regelung gegeben.

200 Plätze können mit der 3G-Regel in der Stadthalle belegt werden. Ein 2G-Modell sei zwar in der Überlegung gewesen, aber nicht umgesetzt worden. „Wir glauben, dass es für die Besucher angenehmer ist, wenn die Stühle mit Abstand zueinanderstehen“, sagt Köhler. Maskenpflicht herrscht bis zum Platz, außerdem wird es keine Pause geben.

Entsprechende Kontrollen werden auch auf diejenigen zu kommen, die in Jesberger Dorfgemeinschaftshäusern feiern wollen. Die Gemeinde hatte bisher eine 2G- oder 3G-Regelung freigestellt. „Die Veranstalter müssen das kontrollieren und nachweisen können“, sagt Bürgermeister Heiko Manz. Für den Kundenverkehr im Rathaus seien keine Anpassungen geplant. Maskenpflicht besteht – das bleibe auch weiterhin so. Wie die Gemeindevertretersitzung im Dezember abgehalten werden soll, sei noch nicht geklärt. „Das wird aber wohl auch unter 3G-Regeln stattfinden“, sagt Manz. Die Kellerwaldhalle ist groß. „Da finden unsere Gemeindevertreter und Besucher bequem Platz.“

Arzt aus Gudensberg appelliert an Ungeimpfte

Ähnliches berichtet Frielendorfs Bürgermeister Thorsten Vaupel: Mit Blick auf die steigenden Zahlen sei eine Verschärfung der Regeln absehbar gewesen. „Wir warten jetzt auf die genaue Verordnung.“ Ungeimpfte und Nichtgenesene müssten im Wellness-Paradies künftig aber einen PCR-Test vorweisen. Das gelte vermutlich auch für sportliche Veranstaltungen in Dorfgemeinschaftshäusern, so Vaupel: „Verantwortlich ist dann wohl der Veranstalter.“

„PCR-Tests machen wir jeden Tag“, sagt Dr. Achim Wunsch aus Gudensberg. Das Angebot werde aufrechterhalten. Allerdings sei eine Corona-Schutzimpfung das höchste Maß an Sicherheit – sowohl für jeden Einzelnen als auch für die Gesamtbevölkerung, so Wunsch im HNA-Gespräch.

„2G ist immer besser als 3G“, sagt der Arzt. Der aktuelle Weg der Politik sei eine Kompromisslösung, um mehr Sicherheit in der vierten Corona-Welle zu schaffen. Die zentrale Botschaft müsse weiterhin sein: „Lasst euch impfen.“ (Chantal Müller, Christina Zapf, Daniel Seeger, Lea Beckmann und Damai Dewert)

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