Coronavirus bricht mit Traditionen

Pfarrer über Alternativen zum Osterfest, Auferstehung und Aufbruchstimmung

nh Kirche Harle Bonifatiuskirche Foto Manfred Schaake
+
Viele Kirchen sind in diesen Tagen als Orte des Innehaltens geöffnet, auch die Harler Bonifatiuskirche steht allen von 11 Uhr bis zum Abendläuten offen.

Das Coronavirus bricht mit Traditionen: Es ist das erste Mal, dass die Gläubigen an den Ostertagen keine gemeinsamen Gottesdienste in den Kirchen feiern können.

Ein Gespräch mit Pfarrer Friedrich Heidelbach aus Homberg über Alternativen, Auferstehung und Aufbruchstimmung.

Keine Kreuzwege, keine Gottesdienste, keine Messen – fällt Ostern der Pandemie zum Opfer?

Nein, Ostern fällt nicht aus. Die Kirchen verkünden auch in diesen besonderen Zeiten die Botschaft, von der Auferstehung Jesu, nämlich dass das Leben stärker ist als der Tod. Auch wenn die angemessene Form, diese Botschaft zu feiern, der gemeinsame Gottesdienst ist – und der in diesen Zeiten nicht möglich ist. In diesem Jahr sieht Ostern anders aus.

Es gibt Fernsehgottesdienste und Zuspruch aus dem Internet: Ist das nicht ein Ersatz?

Es ist gut, dass es all das gibt. Ein Fernsehgottesdienst ist eine Brücke zur Gemeinschaft und zum Glauben, über die man gehen kann. Aber Kirche braucht vor allem spürbare Gemeinschaft – und die kann meines Erachtens ein Fernsehgottesdienst nicht so leicht herstellen.

Der Augsburger Bischof Meier bezeichnet diese Tage als „Karwoche im Ernstfall“ und als „Wüstenzeit“. Sehen Sie das auch so?

Ja. Denn es fehlt in diesen Wochen doch so viel. Das Miteinander in Kirchen, Familien- und Freundesgruppen, die Freiheit, den Alltag so zu gestalten, wie man es will. Es herrschen gerade neue Regeln. Das ist in der Tat eine wüste Zeit. Umgekehrt aber bin ich auch dankbar und demütig, wenn ich auf die große Freiheit blicke, mit der ich sonst mein Leben gestalten kann.

Ist es da nicht verrückt, dass die größte Krise der Nachkriegszeit mit Ostern zusammenfällt – dem Fest, der Hoffnung?

Genau darum geht es: Die Hoffnung steht im Mittelpunkt. Und die brauchen wir jetzt besonders. Die Krise ist nicht am Osterdienstag beendet – aber wir vertrauen darauf, dass Gott mit uns ist. Wir beten um seinen Beistand. Das gibt Mut und das Wissen, dass man nicht allein unterwegs ist.

Die Auferstehung als das Prinzip Hoffnung?

Ja. Aber auch als Aufbruchsstimmung, als Chance zu neuem, verändertem Denken. Uns wurde nie das Paradies auf Erden verheißen: Aber wir können die Dinge kritisch hinterfragen und damit auch ein kleines Stück der Welt verändern. Auch das ist eine Botschaft des Osterfestes.

Was genau?

Das nichts bleiben muss, wie es ist. Auferstehung, Aufbruch, Veränderung – all das ist möglich. Wir leben in einem Land, in dem vieles möglich ist – wir alle haben die Freiheit, uns zu verändern.

Was sollte man denn an Ostern wählen, damit die Feiertage nicht zu einem ganz beliebigen Wochenende werden?

Man sollte die besonderen Tage auch besonders begehen, all die Rituale vollziehen, die zurzeit möglich sind. Vielleicht gut und schön mit der Familie frühstücken, einen Spaziergang zur Kirche – die Kirchengemeinden machen tolle und vielfältige Angebote – oder zum Friedhof unternehmen. In diesen Tagen, in denen sich alles um die Auferstehung dreht, ist der Friedhof ein Ort, der zeigt, dass auch die Toten immer zu unserem Leben gehören.

Die Karwoche gilt als „stille Woche“. In diesem Jahr war sie ganz besonders still.

Und sie war eine gute Gelegenheit, auf die Glocken zu hören, die schon seit drei Wochen auch abends um 19.30 Uhr von den Kirchtürmen läuten.

Aber das Glockenläuten in diesem Tagen hat ja auch noch eine weitere Bedeutung.

Das stimmt. Sie laden täglich ein zum Gebet. Ostersonntag und -montag aber verkünden sie die Osterbotschaft mit vollem Geläut um 12 Uhr. Wir laden alle Menschen dazu ein, das Läuten der Glocken an diesem besonderen Osterfest wahrzunehmen.

Um dann was zu tun?

Eine Kerze anzuzünden. Den Nachbarn einen Gruß oder einem Freund oder einer Freundin einen Brief zu schreiben. Es ist Ostern. Das Fest der Hoffnung. Und der Gemeinschaft. Das alles gilt es weiter zu sagen und zu geben – auch in diesen Tagen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.